Deutsches Creepypasta Wiki

Heute Morgen war alles normal – es war gutes Wetter draußen. Das Gras war noch vom gestrigen Regen durchnässt und es zwitscherten bereits die Vögel. Ich hörte, wie die Autos in der Ferne vorbeizischten, als ich meinen täglichen Morgenspaziergang machte. Alles war wie immer – alles war so friedlich. Später, als ich wieder zuhause war, machte ich mir einen heißen Tee und hörte dem Radio zu, während ich versucht habe, das Sudoku in der Wochenzeitung lösen. Manchmal fühle ich mich viel zu jung dafür diese Routine zu haben, aber ich hatte meinen Spaß am Leben – und das ist das Wichtigste.

Heute war Mittwoch, ich hatte jedoch frei – denn es waren gerade Sommerferien. Es war nicht allzu heiß draußen, wofür ich sehr dankbar war – ich habe nämlich keine Klimaanlage und könnte mir auch keine leisten. Ihr solltet außerdem wissen, dass ich nicht gerade sonderlich viel Angst verspüre – schon als kleiner Junge wurde ich von allen als außerordentlich mutig bezeichnet. Ich bin mir sicher, dass dies nur Übertreibungen waren, aber manchmal kann ich diese Worte nachvollziehen. Ich habe in Wahrheit vor fast gar nichts Angst, nicht einmal vor dem Tod – warum sollte ich etwas fürchten, nur weil ich es nicht verstehe? Klar, mein Leben ist toll und ich würde am liebsten noch so viel erleben – aber irgendwann muss auch Schluss sein, so sehe ich das zumindest. Wie dem auch sei – es war ein angenehmer Vormittag. Ich habe in der Nacht gut geschlafen, was unüblich ist, und ich habe sogar etwas abgenommen. Ich habe mich lange nicht mehr so gut gefühlt. Ich hatte heute einen Termin beim Augenarzt, da ich eine neue Brille brauche, und darauf habe ich mich sogar gefreut – mein Arzt ist ein netter Mann und mit ihm kann man sich immer gut unterhalten.

Ich bereitete alles vor und zog schließlich kurz vor 12 Uhr los – es war zwar ein weiter Fußweg, aber ich liebe Spaziergänge, und außerdem liegt der Stadtpark auf meinem Weg, ein Ort, an dem ich regelmäßig meine Runden mache. Bevor ich losgegangen bin habe ich noch einmal überprüft, ob ich doch auch nichts vergesse – Wasserflasche? Check. Ausweis? Check. Schlüssel? Check. Ich nahm mein Handy und steckte es in die Hosentasche – es war ein Klapphandy. Ich halte nicht viel von dem Internet, da dort so viele Lügen verbreitet werden – da lasse ich lieber meine Finger davon. Gut gelaunt sperrte ich die Tür hinter mir zu – ohne zu wissen, dass ich sie nie wiedersehen würde.

Es war immer noch gutes Wetter draußen – es haben sich mittlerweile vereinzelt Wolken gebildet, aber es gab keinerlei Anzeichen von Regen oder sonstigem Niederschlag. Ich stapfte vor mich hin und dachte darüber nach, was ich mir heute zu essen machen soll. Ich koche sehr gerne und kann auch recht gut kochen – mein Vater war Koch und hat mir einiges beigebracht. Ich dachte über Kochrezepte nach, über die Zutaten und ob ich alles daheim hatte. Irgendwann war ich in meinen Gedanken versunken, sodass ich vorerst nicht einmal gemerkt habe, dass ich im Stadtpark angekommen war. Es waren einige Menschen dort, schließlich waren es Ferien und das Wetter war angenehm. Es war noch ein ordentliches Stück bis zum Augenarzt, aber ich hatte keine Eile – ich hatte genug Zeit um mich umzusehen und die Umgebung zu begutachten. Ich sah, wie kleine Kinder Verstecken spielten, wie eine alte Frau die Tauben fütterte und wie die Erwachsenen sich unterhielten.

Ich war circa in der Mitte des Parkes angekommen, als ich auf einmal ein Geräusch hörte – es klang wie ein weit entfernter Donner. Ihr müsst wissen, dass ich sehr empfindlich Ohren habe – ich nehme vieles auf, was die meisten überhören würden, aber ich achte ja auch sehr auf meine Umgebung. Ich blickte zum Himmel auf, aber nichts wirke ungewöhnlich – auch in der Ferne sah ich keinerlei Gewitterwolken. Wahrscheinlich habe ich mich nur verhört. Ich ging weiter, bis ich es wieder hörte, diesmal viel lauter – es war ein plötzlicher, überraschender Donner, der die Kinder erschrecken und die Eltern innehalten ließ. Wir sahen alle zum Himmel – es hatte sich in der Ferne eine Wolkenfront gebildet. Es war heute kein Regen angesagt, und das Radio irrt sich selten, aber ich dachte mir nicht viel dabei – es war schließlich Sommer, und plötzliche Sommergewitter sind nichts Ungewöhnliches. Die Kinder spielten weiter, die Eltern redeten weiter und schließlich ging ich weiter. Einige Zeit später warf ich einen Blick auf die Uhr – ich hatte noch eine Stunde Zeit. Das ging sich super aus – es war nach dem Park nur noch circa 20 Minuten entfernt. Seltsam – irgendwie hatte ich auf einmal ein ungutes Gefühl. Irgendwas stimmte hier nicht.

Ich bekam auf einmal eine Gänsehaut – mein ganzer Körper sträubte sich. Mir war auf einmal richtig kalt. Ich blickte mich um – ich sah, wie die Kinder zu ihren Eltern rannten und diese sich die Hände wärmten, ich sah, wie auf einmal Schneeflocken vom Himmel zu fliegen. Ich warf meinen Blick nach oben – auf einmal sah ich über mir viele, dichte Wolken – sie waren aber nicht nur dicht, sie sahen aus als würden sie den ganzen Himmel verdecken – die Sonnenstrahlen wurden langsam immer weniger und es wurde immer kälter. Ich steckte meine Hände in die Hosentaschen und dachte angestrengt nach – wie kann so etwas möglich sein? Ich habe so etwas in meinen 38 Jahren noch nie erlebt. Ich blieb stehen. Ich hielt meine Ohren steif: da war etwas, ein Geräusch. Es hörte sich so an als würde Wasser verdampfen – langsam aber sicher. Das Geräusch war recht leise, aber es war direkt über uns, daran lag kein Zweifel. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Die Eltern umarmten ihre Kinder und blickten zum Himmel empor. Es fiel immer mehr Schnee und es hörte nicht auf kälter zu werden – es hatte bestimmt schon Minusgrade. Ich fröstelte wie noch nie zuvor – ich war heute nur mit T-Shirt unterwegs, einige Kinder liefen sogar oberkörperfrei herum. Sie fingen an zu weinen – selbst die etwas älteren Kinder waren den Tränen nahe. Sie konnten alle nicht aufhören zu zittern. Ich war mir sicher dass dies der Zorn Gottes war – ich war eigentlich nicht gläubig, aber wie sonst sollte man dies erklären? Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen können, wie recht ich doch damit hatte. Mittlerweile war mir schon so kalt dass meine Fingerspitzen taub wurden und sich anfühlten als würden sie brennen – ich spürte förmlich wie meine Augen glasiger wurden.

Dann, ganz plötzlich – ein lautes Summen, nicht wie das Summen von Bienen, viel mehr wie das Summen eines Mannes, ein Summen das mit Hass und Sadismus gefüllt war. Es kam aus dem Himmel. Es war nicht sonderlich laut, in etwa so laut wie wenn sich zwei Leute normal miteinander unterhalten – aber es war überall gleichzeitig, als würde Gott selbst eine Melodie von sich geben. So langsam bekam ich Panik – ich hatte Angst zu erfrieren, Angst, dass die armen Kinder erfrieren würden. Ich lief zu einem kleinen Jungen, der am jüngsten war – sicher erst vier – und am lautesten weinte. Ich zog mein Shirt aus und überreichte es den Eltern, die ihn sofort darin einwickelten und mir dankbar zunickten. Ich konnte in ihren Augen die Sorge sehen, Sorge um ihr Kind, Sorge um sich selbst. Es war ein unschöner Anblick. Ich wollte etwas sagen, etwas, was die Stimmung aufheitern würde – aber dann wurde das Summen lauter. Es klang immer aggressiver, fast so, als würde jemand einen Schrei unterdrücken. Es war mittlerweile so kalt, dass ich Angst hatte meine Finger würden absterben – das Geschrei und Geweine der Kinder war unglaublich laut. Es brach mir das Herz das zu hören. Das Summen war kurz davor meine Ohren zu betäuben – und dann endete es langsam, so, als würde jemand den Schmerz in seiner Stimme zurückhalten. Ich konnte nicht mehr klar denken, ich war wie erstarrt und absolut überfordert – und auf einmal hörte ich eine Stimme, eine Stimme über den Wolken. Sie war laut genug, dass jeder in meiner Nähe sie hören könnte – und sie sagte: „Gott ist auf dem Weg“. Danach hörte ich nichts mehr außer das Weinen der Kinder – etwas, was ich nie vergessen werde.

Meine Beine gaben nach und ich fiel auf die Knie – es tat nicht einmal mehr weh. Ich blickte voller Furcht in den Himmel – und ich sah, wie Hagelkörner auf mich zukamen. Doch es waren keine Hagelkörner, stattdessen war es etwas, was mir das Blut in den Adern gefrieren lies und ich das Gefühl mich zu übergeben unterdrücken müsste, während andere dies taten – das, was da von den Wolken viel, waren Augen – menschliche Augen, blutunterlaufen und wie aus den Augenhöhlen gerissen. Ich hörte, wie Leute zu Boden sackten, vermutlich wegen der Kälte, und wie das Geschrei der Kinder langsam nachließ – aber mein Blick blieb stets dem Himmel zugewandt. Ich zitterte wie ein jemand, der dem Tod entgegenblicken musste – und vermutlich war das hier auch genau der Fall. Ich starrte in den Himmel, bis ein Auge auf meinem Gesicht aufschlug und sich in einen riesigen Schwall Blut verwandelte. Ich musste mich übergeben. Mir ging langsam die Kraft aus – mir war so kalt und so schlecht und ich vergaß langsam warum ich überhaupt hier war. Als ich meine Augen öffnen wollte, war auf einmal alles schwarz – der Himmel war nicht mehr da, die Wolken, die gesamte Umgebung war wie weggezaubert. Und dann spürte ich etwas – Tränen rannen von meinen Augen. Ich wischte sie müde ab und spürte, wie sie an meinen Fingern erstarrten. Die Tränen rochen nach Blut. Mir war schwindelig, ich fasste mir mit beiden Händen an den Kopf – und da bemerkte ich es. Meine Augen waren verschwunden.