Fandom


A Letter

...Okay...also...hi?
Weißt du, eigentlich habe ich nicht die geringste Ahnung, warum ich diesen Brief hier schreibe. Ich meine, du wirst ihn wahrscheinlich nie lesen, zumindest werde ich ihn dir niemals geben.
Vielleicht verbrenne ich ihn, wenn ich fertig bin, oder ich hör einfach mittendrin auf zu schreiben.
Kann sein.
Aber ich glaube, dass es mir helfen wird, alles niederzuschreiben. Klingt blöd, ich weiß...doch wie gesagt, lesen wird es eh keiner. Ich tue nur so, als ob.
Also, wo fange ich an... Tja, darüber denke ich jetzt schon seit einer geschlagenen halben Stunde nach. Ich war noch nie gut darin, Dinge aufzuschreiben, das weißt du ja.
Aber gut. Ist ja egal. Hm...
Erinnerst du dich daran, wie wir im Chemiekurs versucht haben, Kalkwasser herzustellen und du statt Calciumhydroxidpulver Iodsalz benutzt hast und als ich gefragt habe, wieso du so unkonzentriert bist hast du nur gemeint: “Es ist schwierig, sich zu konzentrieren, wenn das Mädchen in das du seit Jahren verliebt bist zwei Reihen vor dir sitzt.” und dabei auf Raya Silver gezeigt.
Ich habe dir gesagt, dass Raya eine eingebildete Zicke mit dem IQ eines Toastbrots sei, und dann hast du mich angemeckert, ich solle die Klappe halten und ich hätte keine Ahnung, und als Mrs. Skeffington fragte, was los sei, hast du nur gemeint, wir hätten über die Versuchsdurchührung diskutiert.
Danach hast du dich zwar bei mir entschuldigt aber trotzdem gesagt ich solle nicht so über Raya sprechen.
Ich habe nur mit den Schultern gezuckt. Liebe macht wohl wirklich blind, dachte ich.
Kurz danach ist Conny zu Raya gegangen und hat ihr etwas zugeflüstert; ich hatte es mir gleich gedacht, aber als Raya dann nach der Stunde auf mich wartete und mir sagte, es sei ihr scheißegal, ob so ein Freak wie ich der Meinung ist, sie wäre eingebildet, und ich solle lieber aufpassen, was ich sage, sonst könne ich was erleben (so egal schien es ihr also doch nicht zu sein) war mir klar, dass Conny uns belauscht haben musste.
Es interessierte mich nicht wirklich, was sie sagte, aber es war ja auch nicht so, als hätte ich nichts besseres zu tun, als den ganzen Tag über sie herzuziehen. Also beließ ich es dabei.
Warum ich dir das jetzt erzähle?
Warts ab.
Vielleicht weißt du noch, dass du mich am Tag darauf angerufen hast, um mir vollkommen begeistert mitzuteilen, dass Raya dich gefragt hatte, ob du mit ihr zusammen sein willst.
Es ist nicht so, dass ich mich nicht für dich gefreut hätte. Irgendwie hatte ich das schon getan. Aber...mal ernsthaft. All die Jahre hat sie dich mit dem Arsch nicht angeguckt und dann auf einmal das?
Da gibt es jetzt zwei Möglichkeiten:
1.Raya hat von Conny von unserem Gespräch erfahren, also auch davon, dass du in sie verliebt bist und hat dann plötzlich gemerkt, dass sie dich auch gern hat und sich entschieden, dch zu fragen,ob ihr ein Paar sein wollt.
2.Oder Variante 2:
Anfangs identisch mit Variante 1, bis zu dem “Mag-dich-auch-gern”-Punkt, der dann durch “Findet-es-lustig-dich-auszunutzen-und-zu-verarschen” ersetzt wird.
Das wollte ich dir auch gleich am Telefon sagen, aber...ich konnte es nicht. Du hörtest dich so unglaublich glücklich an...das wollte ich dir nicht kaputt machen.
Außerdem hättest du eh nicht auf mich gehört.
Doch ich hatte ein verdammt mieses Gefühl bei der Sache.
In den nächsten Wochen hast du dann immer mehr Zeit mit Raya verbracht; in den Pausen, bei Gruppen- oder Partnerarbeit, nach der Schule.
In Mathe hast du dich neben sie gesetzt, sodass ich nun allein hinten am Fenster saß und mich teilweise fast zu Tode langweilte.
Ein paar Mal habe ich noch versucht, dich davon zu überzeugen, dass Raya dir nur etwas vormachte, wahrscheinlich zu ihrer eigenen Belustigung, aber meistens hörtest du mir gar nicht zu und beim letzten Mal hast du mich angeschrien, ich wäre nur neidisch, weil ich keine Freundin hätte, ich würde dir nichts gönnen und wenn ich mit Raya nicht klarkäme könne ich mich verpissen.
Danach habe ich es sein lassen, habe dich nicht mehr darauf angesprochen, auch wenn ich mich furchtbar dabei fühlte.
Stattdessen probierte ich, mit Raya zu reden. Doch sie warf mir jedes Mal einen angeekelten Blick zu, als könne sie es nicht fassen, dass ich es wagte sie anzusprechen.
”Kümmer dich gefälligst um deinen eigenen Kram.”, sagte sie einmal zu mir, und das war die einzige Antwort, die ich jemals von ihr bekam.
Irgendwann gab ich es auf.
Zwei Monate lang haben wir dann kaum ein Wort miteinander gesprochen.
Höchstens Mal ein “Hallo” oder so, sonst nichts.
Und mir ging es immer beschissener.
Weil ich mir so sicher war, dass Raya dich verarschte, dass sie irgendetwas vorhatte. Auch wenn ich nicht wusste, was.
Und ich konnte nichts dagegen tun.
Vielleicht hätte es mir egal sein sollen. Vielleicht hätte ich mir sagen sollen, dass ich es versucht hatte und du selbst Schuld wärst, wenn du nicht hörtest.
Doch das konnte ich nicht.
Irgendwann hat Mrs. Skeffington uns dann in eine Gruppe in Chemie eingeteilt, und Raya hatte sich mit verschränkten Armen vor sie gestellt und gefaucht, sie würde auf keinen Fall “Mit dem!” zusammenarbeiten.
Und auch, wenn du dich sichtlich unwohl dabei fühltest...das war wahrscheinlich das erste Mal, dass du deiner ach so tollen Freundin widersprochen hast.
Du hast gesagt, Raya solle nicht so fies sein und versuchen, mit mir klarzukommen, ich sei immerhin dein bester Freund.
Auch, wenn ich davon in den letzten Wochen nicht allzu viel mitbekommen hatte, freute und erleichterte es mich dennoch, das von dir zu hören.
Doch Mrs. Skeffington ließ ohnehin nicht mit sich reden, sodass Raya und mir überhaupt nichts anderes übrig blieb als zusammenzuarbeiten.
Du hast die ganze Zeit versucht, die Spannung zwischen uns zu entschärfen, zu verhindern, dass wir uns gegenseitig die Augen auskratzten, was sich als geradezu unmöglich herausstellte.
Und dann, als du kurz nach vorne gegangen bist um irgendetwas zu holen, griff Raya blitzschnell nach dem Becherglas mit der Natronlauge und kippte sie mir über den Arm.
Du hättest ihr Gesicht dabei sehen sollen...wutverzerrt und geradezu irrsinnig.
Hinterher behauptete sie, es sei ein Versehen gewesen, es täte ihr unglaublich leid und ich war zu sehr mit den unfassbaren Schmerzen meines verätzten Armes beschäftigt um ihr zu widersprechen.
Nicht, dass mir überhaupt irgendjemand geglaubt hätte.
Ein Versehen, so etwas konnte passieren. Was für einen Grund sollte sie schon haben, so etwas absichtlich zu machen?
Das wusste ich ja selbst nicht wirklich. Sie konnte mich nicht leiden, hasste mich womöglich sogar, aber dass sie deshalb so etwas tun sollte?
Mrs. Skeffington verdonnerte Raya zum Nachsitzen, und das war alles, was passierte.
Immerhin haben wir danach wieder mehr miteinander geredet.
Du hast nicht mehr ganz so viel Zeit mit Raya verbracht, zwar immer noch genug, aber hey.
An einem Tag, an dem sie krank war und wir somit Ruhe vor ihr hatten hast du mir erzählt, dass du ihr ein Kleid für den Schulball gekauft hast, das sie sich schon ewig gewünscht hatte, dass ihr zusammen hingehen würdet und dass du sogar extra dafür tanzen lernen würdest und dass du überhaupt noch nie in deinem Leben so glücklich gewesen wärst.
Das war das erste Mal, dass mir Zweifel kamen.
Ich konnte Raya nicht leiden, und sie hatte mir den Arm verätzt, aber vielleicht hatte sie ja doch keine bösen Hintergedanken was die Beziehung anging.
Ich hoffte es.
Ich war schließlich nicht derjenige, der den Großteil seiner Zeit mit ihr verbringen musste und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, ich hätte es dir wirklich gegönnt.
Doch glauben konnte ich es nicht wirklich, so sehr ich es auch versuchte, auch wenn die Zweifel da waren.
Und dann, zwei Wochen später, als ich dabei war, Mr. Kellerman beim Sortieren der Biologiematerialien zu helfen hörte ich durch das halb geöffnete Fenster, wie Raya sich draußen auf dem Hof mit Lana und Britney unterhielt.
Zunächst redeten sie nur über unwichtiges Zeug; Klamotten und Schminke, lästerten über Mitschüler und Lehrer...bis sie schließlich auf den Schulball zu sprechen kamen.
Und damit zu den Sätzen, die ich niemals vergessen werde.
“Und du bist wirklich immer noch mit dem zusammen?”, fragte Lana, und so wie sie “dem” sagte, hätte sie auch “Der, dessen Name nicht genannt werden darf” sagen können.
Rayas Stimme klang unfassbar gelangweilt, als sie antwortete: “Jaa. Noch zwei Wochen, dann schuldet ihr mir alle 50$.”
Gefolgt von Britneys hoher, furchtbar nervigen Stimme: “Und er hat immer noch nichts gerafft? Nach fast vier Monaten?”
”Der Typ muss echt dämlich sein!”, kicherte Lana und die anderen beiden stimmten mit ein.
Ich stand einfach nur da, genau so reglos wie der tote Wüstenspringmausembryo in dem Glas, das ich gerade in der Hand hielt.
Ich hatte es gewusst. Die ganze Zeit. Von Anfang an.
Ich freute mich nicht darüber, das kannst du mir glauben. Nein, ich fühlte mich grauenhaft.
Und ich war wütend.
Als ich einen vorsichtigen Blick aus dem Fenster warf sah ich, wie Robert auf die drei zuging. Erinnerst du dich noch an Robert Simmens? War früher zwei Klassen über uns und hat mit 15 die Schule abgebrochen.
Und jetzt ging er zu Raya, umarmte sie und küsste sie.
Mir wurde fast schlecht vor Wut. Ja, ich hatte geahnt, dass sie hinterhältig und falsch war, aber...dass sie so gottverdammt dreist war?!
Die Vier verließen zusammen das um diese Uhrzeit fast leere Schulgelände und ich stand immer noch wie eingefrohren und festgewachsen da und starrte ihnen hinterher.
Mein erster Impuls war es, sofort mein Handy zu nehmen und dich anzurufen. Gleich darauf wollte ich mich dafür schlagen, dass ich keine Beweisfotos gemacht hatte. Dann hättest du mir glauben müssen.
Doch letztendlich wurde mir eine Sache klar.
Ich konnte dir nichts davon erzählen. Dafür war es längst zu spät.
Du vertrautest Raya viel zu sehr, du liebtest sie viel zu sehr.
Angenommen, ich hätte die eben beschriebene Unterhaltung gefilmt.
Und ich hätte sie dir gezeigt. Du wärst am Boden zerstört gewesen, nicht wahr?
Dann hätte Raya es trotzdem geschafft. Sie hätte dich zerstört.
Wenn ich etwas weiß, dann, wie es ist, von einer Person, die einem nahesteht, vorgeführt, hintergangen und verraten zu werden.
Nein. Das konnte, das durfte ich nicht zulassen.
Mr. Kellerman fragte mich fast besorgt ob alles in Ordnung sei, als ich kurze Zeit später beim Einsortieren der Skalpelle fasziniert auf die scharfen feinen Klingen starrte und mir vorstellte, wie es wäre, sie in Rayas Kehle zu stoßen.
Natürlich konnte ich das nicht wirklich tun. Die Ermordung einer geliebten Person wäre wohl nicht unbedingt ertragbarer als ein Betrug.
Ich wurde fast wahnsinnig, und immer und immer wütender.
Mir fiel keine Möglichkeit ein, das Ganze für dich möglichst angenehm zu beenden. In allen Szenarien, die ich mir ausmalte, verlor Raya vielleicht ihre Wette (ich nahm zumindest einfach mal an, dass “Noch zwei Wochen, dann schuldet ihr mir 50$” auf eine Wette a’la “Wetten ich schaffe es, einen Jungen vier Monate lang zu verarschen?” schließen ließ), doch ihr eigentliches Ziel hätte sie trotzdem erreicht: Sie hätte dich ausgenutzt und bloßgestellt.
Den ganzen Tag lang überlegte ich.
Statt linearen Funktionen zeichnete ich als Mathehausaufgabe Optionen, um Raya möglichst grausam umzubringen (keine davon wirklich ernst gemeint) und statt der Gedichtanalyse zu “Do not go gentle into that good night” erstellte ich einen schon etwas realistischeren Plan, wie Raya auf tragische Weise bei einem furchtbaren Unfall ums Leben kommen würde.
Nichts davon zog ich ernsthaft in Betracht. Ich musste mich einfach abreagieren.
Und am Ende verbrannte ich all die grausamen Ergüsse meiner Fantasie, bevor mein Vater sie noch sah.
Doch geholfen hatte es trotzdem. Ich konnte jetzt klarer denken.
Mir war nun klar, ich durfte nicht impulsiv handeln, durfte jetzt nichts Unüberlegtes tun, was ich später bereuen oder mir womöglich zum Verhängnis werden konnte.
Und ich glaubte, mich an etwas zu erinnern.
Mit meinem uralten, furchtbar langsamen Laptop nach ihren Facebook-Profil suchend hoffte ich, dass diese Erinnerung nicht falsch war; ich nichts durcheinanderbrachte, doch als die Seite endlich geladen hatte fand ich relatv schnell, was ich suchte.
Eine beachtliche Anzahl von Posts, die zusammengefasst folgendes aussagten: Rayas größter Traum war es, Model zu werden, sie hatte auch bereits an einigen professionellen Shootings teilgenommen (die Fotos, die sie davon hochgeladen hatte sahen wirklich gut aus, das musste sogar ich zugeben) und sollte sie jemals ein Angebot von einer Argentur oder beim Fernsehen oder was auch immer bekommen würde sie sofort alles stehen und liegen lassen.
Davon hatte sie auch schon oft in der Schule erzählt und ich war mir sicher, dass mir das weiterhelfen würde.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit, ein Szenario zu erarbeiten, das glaubwürdig war, keinen Verdacht erregen würde, bei niemandem.
Ich saß bis weit nach Mitternacht daran, bis ich endlich halbwegs zufrieden war.
Nicht hundertprozentig, doch es musste ausreichen.
Angenommen, Raya würde von einem Fotografen angesprochen werden, der ihr einen festen Job als Modell in einer Großstadt anbot. Ich war mir recht sicher, dass sie nicht lange nachdenken und zusagen würde; wie bereits erwähnt hielt ich sie nicht für allzu intelligent.
Es würde wahrscheinlich niemanden wundern, wenn sie einfach so die Stadt verlassen würde, um ihren großen Traum zu verwirklichen, mit nicht mehr als ein paar Whats App Nachrichten als Verabschiedung.
Ja, Raya war jemand, dem man so etwas durchaus zutrauen würde.
Ihre Eltern würden wohl eine Vermisstenanzeige aufgeben, doch bei der Menge an Jugendlichen in ihrem Alter, die alleine in diesem Staat jährlich davonliefen würde die Polizei dem wohl nur sehr oberflächlich nachgehen. Diesbezüglich machte ich mir keine weiteren Sorgen.
Auch über ihre Freundinnen und Robert dachte ich nur kurz nach.
Ich glaubte nicht, dass Lana und Britney nach Rayas Verschwinden noch Interesse daran hätten, dir die Wahrheit über sie zu erzählen, viel eher nahm ich an, dass sie dich einfach wieder ignorieren würden, so wie se es all die Jahre zuvor getan hatten und sich um ihre eigenen Dinge kümmern würden, und selbst wenn nicht, wenn sie dir doch erzählen sollten, dass Raya dich verarscht hatte...wieso solltest du ihnen glauben?
Und was Robert anging...ich bezweifelte, dass ihn das Ganze sonderlich interessierte, wahrscheinlich würde er bereits in den nächsten Tagen eine neue Freundin haben.
Vielleicht war das alles sehr optimistisch gedacht, aber...ich konnte ja schlecht alle vier umbringen.
Ja, ok. Solltest du diesen Brief widererwartend doch lesen, dann weißt du’s jetzt: Ich habe Raya umgebracht.
Es tut schon gut, das so direkt aufzuschreiben. Raya ist tot, und ich habe sie umgebracht.
Eigentlich wollte ich hier aufhören zu schreiben. Ich dachte, das Wichtigste wäre gesagt, aber...
Du fragst dich sicherlich, wie ich es getan habe, oder? Bestimmt tust du das.
Für den Fall, dass ich mich irre, steht es dir aber selbstverständlich frei, den Brief einfach beiseite zu legen.
Also...
Es dauerte noch vier weitere Tage bis ich endlich meine Gelegenheit bekam.
Sie noch immer auf Facebook stalkend hatte ich mitbekommen, dass sie am Freitagabend zu irgendeinem Konzert in der Mall gehen wollte und auch, dass sie wütend darüber war, dass keiner von ihren Freunden Zeit hatte, mitzukommen (du warst an diesem Wochenende bei deinen Großeltern in Topeka, wenn ich mich richtig erinnere) und sie deshalb alleine hingehen musste.
Das Konzert sollte erst um zwei Uhr morgens enden; eine bessere Gelegenheit konnte sich mir gar nicht bieten.
Würde ich an irgendeinen Gott glauben, würde ich wohl annehmen, dass dieser mir eben diese Gelegenheit verschafft hatte, aber da das nicht der Fall war freute ich mich einfach über den für mich wahnsinnig günstigen Zufall.
Die vier Tage bis zum Freitag gaben mir genügend Zeit, genauestens durchzuplanen, wie ich vorgehen würde. Dass ich beinah die ganze Nacht über nicht zuhause sein würde, würde niemandem auffallen, mein Vater hatte wie so oft am Wochenende Nachtschicht.
So würde es auch kein Problem sein, abends den Revolver aus seiner Nachttischschublade zu nehmen und ihn später rechtzeitig wieder zurückzulegen.
Was mir am schwersten fiel, war, den Rest der Woche über so zu tun als wäre nichts, als wüsste ich nichts von Rayas hinterhältigem Spiel und als würde ich selbst nicht planen, sie in wenigen Tagen umzubringen.
Jedes Mal, wenn ich euch beide sah, wollte ich ihr am liebsten die Augen auskratzen und dich anschreien, ob du eigentlich blind wärst, dass du nicht sahst, was für eine falsche Schlange sie war, doch ich riss mich zusammen. Versuchte, mich normal zu verhalten.
Ist mir das gelungen?
Solltest du das hier lesen, sag mir bitte, ob ich mich in dieser Woche irgendwie merkwürdig benommen habe. Falls du nicht so wütend bist, dass du nie wieder ein Wort mit mir reden willst...das interessiert mich.
Ich habe auch nur sehr wenig geschlafen in dieser Woche.
Meist lag ich bis fünf Uhr morgens wach, unfähig, meine Gedanken abzuschalten und meine Zweifel und Ängste zu ignorieren.
Konnte ich das wirklich tun? Konnte das funktionieren?
Hatte ich irgendetwas übersehen, irgendeinen Fehler in meinen Plan eingebaut? Ich wollte sicherlich nicht die nächsten fünfzehn Jahre in irgendeiner Anstalt verbringen, nur weil ich irgendetwas nicht bedacht hatte.
Gleichzeitig bekam ich Panik davor, dass ich am Ende alles versaute, weil ich zu müde war, was das Ganze natürlich nicht unbedingt besser machte.
Zusammengefasst kann man sagen: Das waren wahrscheinlich die längsten vier Tage meines Lebens.
Den Freitagnachmittag verbrachte ich eigentlich nur damit, zitternd auf meinem Bett zu hocken und darauf zu warten, dass mein Vater endlich zur Arbeit ging.
Als es um kurz nach sieben endlich soweit war ging ich in sein Schlafzimmer und nahm den Revolver an mich.
Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie man ihn bediente; Waffen gehörten definitiv nicht zu den Dingen, mit denen ich mich auskannte, aber wie schwer kkonnte das schon sein?
Und dann wieder warten.
Mir war noch nie zuvor aufgefallen, wie lang fünf Stunden eigentlich waren. Es war mir vollkommen unmöglich, mich abzulenken, weder durch fernsehen, noch durch sinnloses Geklicke durchs Internet noch durchs Lesen.
Im Endeffekt saß ich einfach nur da und starrte die Wand an.
Um kurz nach zwölf zog ich meinen Mantel an, nahm meine Tasche mit den Energydrinks, die ich mir am Mittag gekauft hatte, steckte den Revolver hinein und verließ dann, die Kapuze des Mantels tief ins Gesicht gezogen, das Haus.
Es schneite leicht, und trotz meiner warmen Kleidung begann ich bereits nach wenigen Schritten zu zittern.
Nur zwei Querstraßen bis zur Mall, wie du sicher weißt, die Musik des Konzertes war bereits von Weitem zu hören, Songs aus der Richtung “Justin Bieber One Direction”.
Es war zehn nach zwölf als ich mich auf eine verschneite Bank am Rande des großen Platzes vor dem Eingang der Mall setzte und begann, erneut zu warten. Trotz der drei Energydrinks die ich in den nächsten knapp anderthalb Stunden trank wäre ich mehrmals fast eingeschlafen und beim letzten Mal wurde ich nur durch einen betrunkenen Mann aus dem Halbschlaf gerissen, der mich nach Zigaretten fragte und dann mich wüst beschimpfend von dannen zog als ich ihm sagte, dass ich keine hätte.
Nicht sonderlich sympatsch, wirklich nicht, aber wäre dieser Typ nicht gewesen, dann wäre ich wohl wirklich eingeschlafen und hätte nicht mitbekommen, wie sich kurz darauf die Eingangstür der Mall öffnete und die Person, auf die ich die ganze Zeit gewartet hatte, ins Freie trat.
Raya starrte stur auf den Boden als sie den Weg entlang in Richtung St. Alfred Bourlevard durch den Schnee stapfte, ich erhob mich von meiner Bank und tastete in meiner Tasche nach dem Revolver.
Warum Raya schon eine halbe Stunde vor Ende des Konzertes gegangen war weiß ich bis heute nicht, vielleicht war sie von der Musik genervt, was ich sehr gut nachvollziehen könnte. Aber noch besser konnte es nun wirklich nicht laufen; das war schon fast unheimlich.
Sie ging an mir vorbei, ohne den Kopf zu heben, schien mich nicht einmal zu bemerken, und ich folgte ihr in einem Abstand von etwa fünf Metern den nur schwach beleuchteten St. Alfred Bourlevard entlang.
Nicht einmal meine Schritte schien sie zu hören und als sie kurz vor der Abzweigung zur Arkham Street stehenblieb, um ihr Handy aus der Tasche zu holen, war ich in weniger als zwei Sekunden bei ihr und drückte ihr den Lauf des Revolvers gegen die Schläfe.
Eigentlich hatte ich ihr mit der anderen Hand den Mund zuhalten wollen, doch in meiner Anspannung und Nervosität dachte ich nicht daran.
Erschrocken und entsetzt riss sie die Augen auf, öffnete den Mund zu einem Schrei, doch noch bevor sie einen Ton herausbringen konnte zischte ich: “Wenn du schreist bringe ich dich sofort um, verstanden?”
Hätte sie trotzdem geschrien...ich weiß nicht, was ich getan hätte. Wahrscheinlich abgedrückt, vielleicht wäre ich aber auch einfach weggerannt.
Doch sie schrie nicht. Starrte mich einfach mit weit aufgerissenen Augen an wie ein Kaninchen eine Schlange, und als sie mich schließlich erkannte, stieß sie ein lautes, angsterfülltes Keuchen aus.
“W...was...”, flüsterte sie mit heiserer Stimme, ich konnte sehen, wie sie zitterte, und das bestimmt nicht nur aufgrund der Kälte.
Ich erwiderte ihren angsterfüllten Blick mit einem Lächeln.
“Mach einfach, was ich dir sage, dann passiert dir nichts.”
Ich gebe zu, das war eine Lüge. Ich hatte nie vorgehabt, sie gehen zu lassen.
“Was willst du von mir?”, wimmerte sie, Tränen bildeten sich in ihren Augen.
”Komm mit.”, war meine knappe Antwort, ich legte ihr meinen linken Arm um die Schulter, was nicht ganz einfach war, da sie auf ihren High Heels größer war als ich und überquerte zusammen mit ihr die Straße, den Revolver noch immer gegen ihre Schläfe gepresst.
“Wohin?”, krächzte sie, gefolgt von einem Schluchzen, ich konnte sehen, dass sie angefangen hatte zu weinen. Ich antwortete nicht, ich hatte auch kein Mitleid mit ihr. Von mir aus konnte sie heulen so viel sie wollte.
Danach schwieg sie, wir gingen die Ivy Lane entlang zur Creek Street und dann in Richtung Bahnhof.
Die meisten Leute regen sich ja immer darüber auf, dass der Bahnhof so weit außerhalb der Stadt liegt, aber ich war unfassbar erleichtert als wir die Brücke, die über den Silversteam-River führte, überquert hatten und uns nun bereits praktisch im Wald befanden.
Ich blieb stehen, nahm meinen Arm von ihrer Schulter und sah ihr direkt in die Augen, Tränen liefen ihr übers Gesicht, ihre Schminke war verlaufen und verwischt; sie sah ein weng aus wie ein Pandabär.
“Gib mir dein Handy.”, forderte ich sie auf.
Sie reagierte nicht, stieß nur ein seltsames hohes Wimmern aus und wischte sich mit einer Hand übers Gesicht, wonach sie noch furchtbarer aussah als vorher.
Ihr Blick war starr auf den Revolver gerichtet, den ich noch immer in der Hand hielt.
“Was willst du von mir?”, stieß sie schließlich hervor, ihre Stimme zitterte so sehr dass ich Mühe hatte, sie zu verstehen. “Gottverdammt, was willst du? Geld? Ich geb dir was, so viel du willst, kein Problem, meine Eltern sind reich genug, aber bitte...bitte lass mich in Ruhe...”
“Du sollst mir dein Handy geben.”, wiederholte ich ruhig, mich in Gedanken darüber amüsierend wie aus dem arroganten, selbstgefälligen, eingebildeten Mädchen ein solches Häufchen Elend geworden war.
Es dauerte noch einen Moment bis sie endlich in ihre Jackentasche griff, ihr Handy herauszog und es mir hinhielt. “Hier!”
Fast hätte sie es fallenlassen, so sehr zitterte sie; schnell nahm ich es an mich. “Kann ich jetzt gehen?”
“Klar.” Den Akku des Handys entfernend, was mit nur einer freien Hand gar nicht so einfach war, zuckte ich mit den Schultern. “Ich habe dich nur mit nem Revolver bedroht und in den Wald gebracht, damit du mir dein Handy gibst. Macht doch jeder so.”
“Echt?” Unsicher und zugleich hoffnungsvoll blickte sie mich an und mir wurde klar, dass sie ganz offensichtlich auch den offensichtlichsten Sarkasmus nicht als solchen erkannte.
Das Handy fiel mir aus der Hand auf den Boden und zerfiel in seine Einzelteile, ich fluchte, aber zumindest war der Akku jetzt draußen.
“Wärst du bitte so nett, mir das Handy aufzuheben?”, bat ich Raya mit übertrieben freundlicher Stimme und lächelte sie dabei an; ich muss zugeben, das Ganze fing fast an, mir wirklich Spaß zu machen.
Als ich die Einzelteile des Handys endlich in meiner Tasche verstaut hatte führte ich Raya weiter, zunächst noch die Straße entlang, doch dann, etwa dreihundert Meter vom Bahnhof entfernt, auf einem kleinen Trampelpfad tiefer in den Wald.
Ahnst du schon, wohin? Bestimmt.
Eine gefühlte Ewigkeit später, Raya hatte auf dem Weg zwei hysterische Heulkrämpfe bekommen, die das Vorankommen nicht unbedingt erleichterten, waren wir endlich am Ziel angekommen.
Mir war unglaublich kalt, die Hand, in der ich den Revolver hielt, schmerzte fürchterlich und ich hatte das Gefühl, gleich im Stehen einzuschlafen, doch das Wissen, dass ich es bald geschafft haben würde, bewahrte mich davor.
“Was...was ist das hier?”, fragte Raya, bevor sie die Hände vors Gesicht schlug und erneut in ein herzerweichendes Schluchzen ausbrach. “Wo sind wir? Was hast du mit mir vor, du verdammter...” Sie bracht ab, anscheinend war selbst sie intelligent genug, zu erkennen, dass es in dieser Situation keine allzu gute Idee war, mich zu beleidigen.
Nicht, dass das noch irgendeine Rolle spielen würde.
Als sie weitersprach war ihre Stimme so leise geworden, dass sie fast vom Rauschen der sich im Wind bewegenden Blätter verschluckt wurde.
“Bitte! Ich...ich nehm alles zurück, was ich je über dich gesagt habe! Ich werde dich nie wieder beleidigen, und ich werde auch niemandem hiervon erzählen...Aber bitte...lass mich gehen...”
“Ich glaube, du verstehst das nicht so ganz.” Ich nahm den Revolver in die linke Hand, legte den Kopf schief und sah sie mit einem mitleidigen Blick an. “Es interessiert mich schon lange nicht mehr, was du über mich erzählst. Damit habe ich mich schon seit Jahren abgefunden. Aber weißt du, was mich wirklich ankotzt? Leute, die andere zu ihrer eigenen Belustigung verarschen, vorführen und ihr Vertrauen missbrauchen, weil sie offensichtlich armseelige Arschlöcher sind, die in ihrem Leben sonst nichts auf die Reihe kriegen!”
Das Mitleid in meinem Blick war nun durch Wut ersetzt worden, hasserfüllt funkelte ich Raya an, ich hatte das Bedürfnis auf sie einzuschlagen, so lange, bis sie nur noch ein blutiger, lebloser Haufen aus Haut, Knochen und Gedärmen auf der hauchdünnen Schneedecke war, doch ich riss mich zusammen. Atmete tief durch und starrte in ihr von Tränen verquollenes Gesicht.
Ein paar Sekunden lang herrschte Stille, nur das Rauschen der Blätter und das Heulen des Windes waren zu hören.
“W...Woher...”, stieß sie schließlich hervor, bevor sie heftig den Kopf schüttelte. “Ich weiß nicht, wovon du redest...”
Ich seufzte nur und verdrehte die Augen. “Spar dir das. Es wird dir nichts bringen, weiter rumzulügen. Hast du das immer noch nicht kapiert?”
”Was soll das heißen? Was? Sag mir endlich, was du vorhast!” Ihr Gejammer find langsam an, mir auf die Nerven zu gehen.
”Ich werde dich töten.”, gab ich zurück, meine Stimme klang kalt und emotionslos; mit einer ausladenen Geste zeigte ich auf die weite, im Schatten der dichten Baumkronen liegenden Fläche vor uns.
“Weißt du, was das hier ist? Wahrscheinlich nicht, sonst hättest du ja nicht gefragt. Irgendwie kennt kaum jemand diesen Ort hier, was wirklich praktisch ist, wenn du mich fragst. Also, das ist ein Sumpf.” Ich kam mir ein bsschen vor wie ein Grundschullehrer. “Und weißt du, was das Tolle an diesem Sumpf ist? Hier wird keiner deine Leiche finden.”
Und jetzt schrie sie doch.
Ich ließ sie. Es war egal. Niemand würde sie hier draußen hören.
Sie wollte losrennen, und ich packte sie am Kragen ihrer Jacke, sie keuchte, knickte um und stürzte zu Boden, wobei sie mich fast mitgerissen hätte, wenn ich sie nicht losgelassen hätte.
Jetzt lag sie vor mir im Schnee, atmete schnell und flach, machte jedoch keine weiteren Versuche mehr, zu fliehen, was mich verwunderte; anscheinend war sie vor Angst wie gelähmt.
“Das...das kannst du nicht!”, kreischte sie schließlich, dabei wild den Kopf hin und herschüttelnd. “Gott, du bst doch vollkommen irre, du verdammter Freak! Verpiss dich! Verpiss dich!”
Dann bracht sie in einen erneuten Heulkrampf aus. “T...tut mir leid! Tut mir leid! Bitte, bitte tu mir nichts! Bitte nicht! Bitte, bitte, bitte...”
Ich ignorierte sie. Zerrte sie wieder hoch und in Richtung Sumpf, bis sie direkt an der Grenze zwischen Waldboden und Morast stand.
Zielte mit dem Lauf des Revolvers auf ihre Brust und drückte ab.
Der Schuss zerriss die Stille der Nacht.
Der Rückstoß riss mich zurück, ich rutschte auf dem verschneiten Boden aus und stürzte; noch im Fall sah ich wie Raya den Mund zu einem letzten Schrei öffnete, doch kein Ton kam heraus, und dann schlug ich auf dem Boden auf und ein höllischer Schmerz durchzuckte meinen Körper.
Ein lautes Platschen aus der Richtung des Sumpfes. Und dann nichts mehr.
Wie lange ich einfach so liegen blieb, den durch die Wipfel der Bäume scheinenden Mond anstarrend, die fast vollkommende Stille genießend und mich auf die eisige Nachtluft konzentrierend, die in meiner Lunge brannte, kann ich nicht sagen.
Vielleicht nur zehn Sekunden, vielleicht fünf Minuten. Ich weiß es nicht,
Und dann fing ich an, zu lachen.
Scheiße, ich hatte es wirklich getan! Sie war tot! Tot, tot, tot!
Eine unfassbare Erleichterung hatte mich überkommen, ich rappelte mich auf und griff nach dem Revolver, der mir bei meinem Sturz aus der Hand gefallen war, bevor ich zurück zum Ufer des Sumpfes ging, wo Raya bis vor Kurzem gestanden hatte.
Auf der dünnen Schneedecke waren ein paar dunkelrote Flecken zu sehen, doch was ich viel interessanter fand war der reglose Körper vor mir, der bereits zur Hälfte im Morast versunken war.
Rayas Augen waren weit aufgerissen, starrten mich voll leblosem Entsetzen an, der Mund war zu einem leblosen Schrei geöffnet.
Tot.
Eine Zeit lang stand ich einfach nur da und betrachtete mein Werk, ich hatte aufgehört zu lachen und auch meine kurzzeitige Erleichterung war verschwunden, alles, was ich jetzt noch spürte war Kälte.
Gefolgt von unfassbarer Möglichkeit.
Ich wollte nur noch nach Hause und ins Bett, möglichst nicht über das nachdenkend was ich in dieser Nacht getan hatte, denn falls du angenommen hast, dass mir das Ganze wirklich Spaß gemacht hat, dann irrst du dich. Auch wenn ich es nicht wirklich bereute.
Doch eine Sache musste ich noch erledigen.
Bestimmt hast du beim Lesen dieses Briefes an Rayas Whats App-Nachricht gedacht, in der sie dir geschrieben hatte, dass sie ein Angebot als Modell bekommen hatte und sie deshalb die Stadt verlassen hätte, dass sie dich lieben würde und bla bla bla.
Du kannst dir jetzt sicherlich denken, wer diese Nachricht geschrieben hat, oder?
Ich bin extra zum um diese Uhrzeit leeren Bahnhof gegangen, für den Fall, dass die Polizei den letzten Aufenthalt ihres Handys orten würde, und verbrachte eine viertel Stunde damit, Nachrichten an ihre wichtigsten Kontakte zu verschicken, bevor ich den Akku wieder entfernte und mich endlich auf den Heimweg machte.
Unterwegs warf ich die Einzelteile des Handys in den Silversteam-River.

Ich muss echt bekloppt sein. 18 Seiten? 18 verdammte Seiten?
Ich hab mir gedacht, hey, sicher hilft es mir, das Ganze aufzuschreiben, als Erleichterung oder was auch immer.
Und jetzt habe ich mir alles noch mal durchgelesen und frage mmich jetzt ob das ganze überhaupt noch ein Brief bzw. Ein Geständnis ist oder vielleicht eher ein halber Roman.
Mrs. Cline wäre stolz auf mich, sie sagt doch immer, dass meine Aufsätze so grauenhaft wären.
Aber was solls.
Geholfen hat es mir wirklich. Als wäre irgendeine Last von mir abgefallen.
Ich schreibe das hier übrigens zwei Monate nach Rayas Tod, bzw. Ihrem Verschwinden.
Dass sie ermordet wurde weiß bis heute niemand; die Ermittlungen der Polizei waren genau so oberflächlich wie ich erwartet hatte.
Wenn man mal so darüber nachdenkt ist es eigentlich schon traurig, dass sich kaum jemand wirklich Gedanken über ihr Verschwinden gemacht hat.
Nicht einmal du.
Ich weiß zwar noch, dass du ein paar Tage lang ziemlich deprimiert warst, aber im Endeffekt warst du der Meinung, dass es doch toll für sie war, wenn ihr großer Traum endlich in Erfüllung ging. Und dass sie sich irgendwann sicher wieder bei dir melden würde.
Was sie natürlich bis heute nicht getan hat.
Und jetzt weißt du auch warum.
Solltest du diesen Brief hier bis hierhin gelesen haben, dann bin ich wahrscheinlich entweder tot oder sitze in irgendeiner Anstalt, denn mir würde kein anderer Grund einfallen, wie du ihn bekommen haben solltest.
Sollte das mit der Anstalt zutreffen, ich also noch am Leben sein...Scheiße, eigentlich habe ich keine Ahnung, was dann sein soll.
Ich würde dich ja gerne bitten, dass du mich zumindest einmal besuchen kommst, um mir ins Gesicht zu sagen, ob du mich jetzt hasst...würdest du das tun?
Dann kann ich mich zumindest einmal entschuldigen.
Es tut mit nicht um Raya Leid.
Nur für dich.

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