Deutsches Creepypasta Wiki

      A strange, secret website[]

Teil 1[]

Eine alte Freundin schrieb mir wegen einer seltsamen, geheimen Website.[]

Manchmal fällt es mir schwer zu glauben, dass ich das Internet jetzt schon seit zwanzig Jahren benutze. Das ist älter als einige meiner Mitarbeiter. Es ist älter, als die Hälfte meines Lebens. Und immer noch fühlt sich das Internet wie der neuste Schrei an. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit geworden. Für uns alle. Aber wenigstens weiß ich noch, wie es war, als es, es noch nicht gab. Als man noch in mehreren Enzyklopädien nachblättern musste, um Antworten zu bekommen. Als man Bilder von Promis nur in Zeitschriften bekommen konnte. Oder später noch, als Songs 30 Minuten dauerten herunterzuladen und Filme in voller Länge fast unmöglich zu finden waren, weil niemandes Festplatte genug Speicher hatte.

Das erste Mal online zugehen, war super aufregend. Ich meine, das erste Mal, ohne Aufsicht. Weil ich wusste, ich hatte alles zur Hand. Ich konnte es einfach ins gute alte Lycos tippen und schon hatte ich die Antwort. Die Antwort auf alles. Damals interessierte ich mich für nackte Prominente und Paranormales. Ich war erst 13, macht mal halblang. Ich habe mich damals so sehr für Paranormales interessiert, dass ich sogar eine Fortunecity Homepage hatte und sie mit dem DarkNet Webring verlinkte, wo die besten finsteren Webseiten und Homepages aufeinandertrafen. Seiten über Zauberbücher, Goth babes, das okkulte, dark art und ein oder zwei grossout Seiten. Dort war es, wo ich Angelica kennenlernte.

Angelica hatte eine an Wicca oder Tripod Homepage, die ich besonders ansprechend fand. Nein, warte, es war Angelfire. Sie machte einfach das Beste aus cool animierten Gifs, Midis und Frames - erstaunliches Zeug, zu dieser Zeit. Genau wie sie, war die Seite kreativ und attraktiv, aber trotzdem schlicht.Der Grund, warum ich sie erwähne, ist, weil sie mich vor ein paar Wochen per Mail kontaktiert hat und mich fragte : „Was ist in letzter Zeit so passiert?“ Eine Fangfrage. Und das ist Angelica, wie sie leibt und lebt. Sie unterschrieb die Mail mit ihren ICQ Kontaktdaten. Ich genoss den altmodischen Touch. Es war wie jemand, der in den 90ern einen Brief mit Wachssiegel verschickte.

Ich antwortete mit einer Zusammenfassung, was in den letzten 18 Jahren bei mir so passiert ist. 18 Jahre - das regt zum Nachdenken an.  Sie antwortete fast sofort und fragte nach Details. Wir tauschten so ein paar Mails aus. Ich war tatsächlich ziemlich aufgeregt, nach Hause zukommen und mit ihr zu schreiben. Nichts romantisches. Es war nur so, als würde ich mich wieder mit meiner Vergangenheit verbinden. Es fühlte sich seltsam an.

Aber als ich die Nachrichten immer wieder durchging, fiel mir etwas auf. Sie schrieb nie wirklich über sich. Sie ignorierte meine Angebote, ob wir schreiben oder telefonieren könnten. Dafür wollte sie immer mehr über mich wissen. Ich fragte mich, ob etwas nicht stimmte. Ob sie im Sterben lag und einfach nicht mit der Sprache rausrücken wollte. Also fragte ich sie, warum sie nichts über sich erzählte und ob es etwas gibt, was ich wissen sollte.

Ich laß mir unsere vorherigen Mails durch. Man könnte sagen, ich suchte nach Hinweisen. Nach einiger Zeit entdeckte ich etwas, dass ich bisher übersehen hatte. Ihre Emailadresse war  von globetrotter.net. Ich weiß, dass viele Leute noch ihre alte Email haben, aber es kam mir einfach seltsam vor. Globetrotter war Mitte der 90er ein kanadischer ISP. Ich wusste nicht mal, dass sie noch hosteten. Es schien so, als würde sie absichtlich altmodisch wirken wollen.Aber irgendetwas daran war beunruhigend. Als würde sie zu sehr versuchen, mich nostalgisch zu machen. Es ist schwer zu erklären.

Wieder musste ich nicht lange auf ihre Antwort warten. Sie sagte mir nicht, was nicht stimmte. Sie fragte mich nur: „Hey, erinnerst du dich noch an ‘The Hole’?“ Tat ich nicht. Da war nur die vage Erinnerung, dass ich mal von etwas geträumt hatte, das ‘The Hole’ hieß. Was auch immer es war, ich hatte das instinktive Gefühl, dass es nichts Gutes war. In meinem Kopf ging ich IRC Räume, Websiten und andere Newsgroups durch. Aber mir fiel nichts ein.

Sie schrieb mir eine neue Mail, bevor ich überhaupt antworten konnte. „Du erinnerst dich wirklich nicht? ‘The Hole’ war unser kleines Geheimnis. Nicht viele wussten davon. Noch weniger, wie man es finden konnte. Aber wir haben es gefunden. Es war die ganze Zeit da. Manchmal, wenn man das Darknet in Netscape lud, war da dieser kleine schwarze Fleck, in der linken, unteren Ecke, in all dem leeren Raum. Man musste mit der Maus direkt darüber fahren und ihn anklicken. Und schon war man da. Man war in ‘The Hole’. Jetzt erinnerst du dich, nicht wahr?“

Sie hatte recht, ich erinnerte mich. Ich erinnerte mich nicht, es ‘The Hole’ genannt zu haben, aber ich erinnerte mich an diesen kleinen Raum, den wir gefunden hatten.

Ich erinnerte mich, dass der Browser es nicht als echte Website sah. Es gab nicht mal eine Adresse, die man hätte kopieren können. Da war nur der Buchstabe ‘M’ Ich tat alles, um eine IP Adresse zu finden, aber ‘M’ war alles, was ich finden konnte.

Ich erinnerte mich wieder. Aber ich mochte die Seite nie wirklich. Da war nichts. Es war nur leerer Raum. Ich erinnere mich, dass ich aufgeregt war, als wir sie das erste Mal gefunden hatten, weil ich dachte, wir hätten etwas geheimes gefunden. Und es fühlte sich so an, als ob wir nicht da sein sollten. Und dann habe ich es gehasst. Weil dort einfach nichts war. Und es brachte mich dazu, mich schlecht und leer zu fühlen. Ich habe mich nie wirklich darum bemüht, mich daran zu erinnern.

Ich antwortete Angelica und erzählte ihr das. An diesem Abend, antwortete sie nicht mehr. Das war seltsam. Normalerweise antwortete sie sofort. Wahnsinnig schnell, als hätte sie die Antwort schon geschrieben, egal was man ihr schreiben würde. Aber jetzt wartete ich auf eine Antwort, weil mich das ganze wahnsinnig aufwühlte. Aber natürlich antwortete sie nicht.

Als ich am nächsten Tag von der Arbeit kam, wartete schon eine Email auf mich. Sie schrieb, wir hätten so viel verpasst. Es gäbe so viel zu entdecken in ’The Hole’. So viele Geheimnisse. Man könne einfach weitermachen. Es wäre wie ein endloses Puzzle. Alle hörten in der ersten Ebene auf. Aber sie hatte das Gefühl, dass da noch etwas anderes sein musste. Dass niemand dieses Ding einfach, ohne Grund, erschaffen und dann versteckt hätte. Also suchte sie weiter, bis sie herausgefunden hatte, wie man tiefer gehen kann. Und sie machte weiter. Sie sagt, es wäre immer noch da, wenn ich nachschauen wolle. Der Webring ist weg, Netscape ist weg, aber ‘The Hole’ wäre immer noch da.


Mir lief ein seltsamer Schauer über den Rücken, den ich als meine Nerven abtat. Ich stand kurz vor einer Beförderung und war etwas gestresst. Dann fragte ich mich, ob sie mir einen Streich spielte. Aber Angelica war kein wirklich humorvolles Mädchen. Sie lachte über deine Witze, aber sie machte selber nicht wirklich welche. Und ich hatte einfach das Gefühl, dass sie es ernst meinte. Tatsächlich war irgendetwas an ihrer Ernsthaftigkeit beunruhigend.

Ich antwortete ihr nicht sofort. Ich entschied mich, erstmal etwas über sie zu recherchieren. Es passte einfach nicht zusammen. Ich fing mit ihrer Email Adresse an, um zu sehen, ob sie irgendwo etwas gepostet hatte. Ich suchte eine ganze Weile, bevor ich etwas fand. Ich fand keine Posts auf Foren oder Webseiten. Was ich fand war, dass Ihr Email Host, Globetrotter, vor elf Jahren aufgehört hatte zu hosten. Es war einfach unmöglich, dass sie mir von dieser Email Adresse schrieb.

Warum würde sie so einen Aufwand betreiben, eine falsche Email Adresse zu erstellen, die einer, wie man sie in den 90ern benutzt hätte, glich? Das war nicht mehr nur Nostalgie. Das war verrückt. Ich fing an, mir wirklich Sorgen um sie zu machen. Aber gleichzeitig fing ich an, mir Sorgen um mich zu machen. Ich stand ihr nie wirklich nah. Ich meine, wir hatten seit 18 Jahren nicht mehr miteinander geredet. Warum wollte sie so plötzlich wieder Kontakt zu mir aufnehmen? Und wenn, warum nur, um über eine seit langem vergessene Website zu reden? Ich hatte das Gefühl, dass sie die ganze Zeit darauf hinaus wollte. Es ist alles so seltsam.

Ich suchte also weiter. Ich benutzte ihre ICQ Nummer, ihren Namen, den Staat, in dem ich glaubte, sie hätte gelebt, alles was ich über sie wusste. Aber ich fand kein Anzeichen einer Aktivität, nach der Angelfire Homepage. Kein Facebook, kein Google Plus, nicht einmal ein Myspace. Es ist so, als wäre sie das letzte Mal in den 90ern online gewesen. Man kann es mit der Nostalgie auch zu weit treiben.

Ich versuchte, nicht darüber nachzudenken. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ihr seit einer Woche keine Mail mehr geschrieben und auch keine von ihr erhalten. Ich fühlte mich schlecht deswegen. Aber ich hatte jedes Recht dazu. Ich hatte schon zu viele schlaflose Nächte deswegen verbracht, in denen ich darüber nachdachte. Ich wusste einfach, dass ich es bereuen würde, ihr eine weitere Mail zu schicken. Und es schien so, als hätte sie den Wink zuerst erkannt. Aber dann erhielt ich eine neue Email. Sie erzählte mir, wie sie glauben würde, in das Zentrum von ‘The Hole’ zu kommen. „Aber du könntest dein ganzes Leben hier verbringen.” Ich erinnere mich noch genau an diese Worte, weil sie mich beunruhigten.

Eine Woche danach bekam ich eine andere Art von Mail. Diese hatte nicht einmal einen Absender. Das war schon unheimlich genug. Aber dann sagte der Text nur : „Wenn du eine Mail von jemandem bekommst, der sagt, er wäre jemand, lösch sie und vergiss, was du gelesen hast.”   Sie war nicht unterschrieben. Ich dachte mir, es müsse Angelica sein. Aber es war so vage. Ich wurde langsam wirklich nervös. Ich dachte darüber nach, die Polizei einzuschalten, aber mir war klar, dass sie nichts machen konnten.

Ich erhielt eine weitere Mail, mit Anweisungen, wo ich nach ‘The Hole’ suchen sollte. Ein ort auf ‘archive. org’, auf ihrer Wayback Machine, sollte angeblich immer noch diesen kleinen schwarzen Punkt haben, der einen nach ‘The Hole’ brachte. Ich dachte darüber nach, es zu überprüfen. Aber ehrlich gesagt hatte ich zu viel Angst. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht, mit dieser ganzen Situation.

Die andere Mail, kam von der leeren Email Adresse. Darin war nur der Link, zu einer Gopher Seite. Ich hatte seit gut 15 Jahren keine mehr gesehen. Ich musste sogar einen alten Browser herunterladen, nur um sie zu öffnen. Falls du damals noch nicht im Internet unterwegs warst, Gopher Seiten enthielten nur eine Reihe von Textdateien in Ordnern. Du würdest also zu Gopher://blablabla.com gehen. Sie wurden normalerweise von Universitäten genutzt.

Diese spezielle Gopher Seite hatte nur ein paar wenige Dateien. Alle Dateien hatten unterschiedliche Namen, aber der Inhalt war immer der gleiche: „Hilf mir bitte”. Immer und immer wieder. Diesmal habe ich die Polizei eingeschaltet. Sie waren zuvorkommend. Aber sie dachten, dass das alles nur ein Streich wäre. Ich bat sie darum, ob sie wenigstens Angelica überprüfen könnten. Ich erzählte ihnen alles, was ich über sie wusste. Sie sagten, sie würden es versuchen.

Ich bekam keine neuen Mails von Angelica oder der leeren Email Adresse. Ich hoffte, dass es ganz aufgehört hatte. Ich glaube, es verging ein ganzer Monat, bevor wieder etwas passierte. Ich bekam einen großen, manila Umschlag mit der Post. Keine Absenderadresse. Ich zögerte, ihn zu öffnen. Aber ich tat es. Darin befand sich ein kompletter Ausdruck meiner Gespräche mit Angelica. Nicht nur die neuen Mails. Es waren sogar Nachrichten, die ich ihr in den 90ern geschrieben hatte. Ich erinnerte mich vage an sie. Aber ich erkannte meine alte Email Adresse und die Nachrichten klangen nach meinem Teenager Ich. Die einzigen Nachrichten, die sich nicht darin befanden, waren die, der leeren Email Adresse.

Ich brachte den Stapel zur Polizei, um ihnen zu zeigen, dass hier definitiv etwas nicht stimmte. Sie sagten mir, dass sie immer noch glaubten, dass das alles nur ein kranker Streich wäre. Ich fragte sie: „Warum krank?” Weil mir das so hart vorkam. Da erfuhr ich, dass sie eine Rückmeldung ihrer örtlichen Polizeiwache bekommen hatten. Angelica gilt seit 1999 als vermisst. Ihre Eltern versprachen eine Belohnung für Hinweise und sowas. Aber es gab keine Anzeichen von ihr. Eines Abends saß sie in ihrem Zimmer vor dem Computer und hörte Musik. Am nächsten Morgen war sie verschwunden.

Ich war so schockiert, dass ich mich ersteinmal setzten musste. Ich stellte mich erst einmal auf die Seite der Polizei, dass das alles nur ein Streich sei. Aber gleichzeitig fragte ich mich, was, wenn es wirklich sie war? Vielleicht hatte sie einen psychotischen Zusammenbruch oder sowas? Was hatte es mit ‘The Hole’ auf sich?  War es überhaupt real?  Und was ist mit der leeren Email Adresse? Ich hatte keine Ahnung.  Und das war es, was mir bei der ganzen Sache eine Heidenangst einjagte.


Autor: Jared Roberts