Deutsches Creepypasta Wiki
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Zoran wachte auf. Die Sonne war gerade erst aufgegangen. Wirklich gut hat Zoran auf dem harten Waldboden nicht geschlafen. Dazu hatte er weder eine Decke, noch besonders dicke Klamotten an, daher fror er.

Zoran ließ sich die Erlebnisse von Gestern, noch einmal durch den Kopf gehen. Was sollte er nur tun? Jeder Mensch der ihn jetzt sah, wollte ihn töten. Konnte er etwas daran ändern? Mit den Menschen darüber reden zu wollen viel flach. Sie handelten nicht rational. Jeder schien schon, bei seinem bloßen Anblick mörderischen Hass zu verspüren.

Er kam zu dem Schluss, nichts daran ändern zu können. Zumindest wusste er nicht wie. Seit er in dieser Höhle war und das rote Leuchten in ihm Eindrang, war er verdammt. Was konnte man da nur machen? Eventuell gäbe es Möglichkeiten, wenn er sich mit dem Okkulten auskennen würde. Nur das tat er nicht. Und jetzt Dinge darüber zu lernen viel auch flach. Wo sollte er suchen und wonach genau. Einfach in eine Bibliothek gehen, war für ihn auch nicht drin. Nicht solange jeder seinen Tod wollte, sobald er ihn sah. Dasselbe Problem hatte er bezüglich Internetrecherchen. Dafür bräuchte er ein Gerät und dafür müsste er wieder unter Menschen. Dazu waren Internetverbindungen in der Regel nur da gut, wo es viele Menschen gab.

Zoran musste einen Weg finden, in der Wildnis zu überleben. In die Zivilisation konnte er nicht mehr. Dafür benötigte er Nahrung. Wo kann ich nur etwas zum Essen organisieren?, dachte er verzweifelt. Dann kam ihn ein Geistesblitz. Landwirte! Landwirte sind meine Chance. In der Nähe gibt es doch den Einen oder Anderen. Es ist nicht leicht für sie, ihre Felder permanent zu beobachten.

Glücklich eine Idee gefunden zu haben, machte sich Zoran auf den Weg. Er hatte schon oft genug Felder außerhalb der Stadt gesehen. Außerdem kannte er Fernsehberichte, in denen sich Obstbauern beschwerten, regelmäßig würden Passanten etwas von ihrer Ernte stehlen. Nur selten ertappten sie diese auf frischer tat.

Zoran wusste nicht genau, wo er den nächsten Bauern fand, aber wenn er die Gegend erkundete, fand er sicher welche. Trinken würde er natürlich auch brauchen, immerhin gab aber Flüsse, Seen und Bäche. Tatsächlich hatte er auch ein Trinkgefäß bei sich. Als er in der Nacht die Schultasche entleerte, um Platz für Lebensmittel zu schaffen, behielt er die Sodastream Plastikflasche. Er hatte sie immer in der Schule dabei und trank dort daraus. Sie war zwar schon leer, aber geistesgegenwärtig behielt er sie. Nun konnte er Wasser damit schöpfen.

Als er die Gegend erkundete, um nach Landwirten zu schauen, hielt er die Augen auch nach anderen Dingen offen. Er konnte schlecht immer unter freien Himmel schlafen, spätestens im Winter würde es Probleme geben. Vielleicht sah er an einem der Berghänge eine Höhle. Dazu hoffte er hier einen der illegalen Müllentsorgungsplätze zu finden. Gelegentlich fand man Stellen, wo Menschen unerlaubt ihren Müll abluden. Da konnte es Nützliches geben. Kleidung konnte er ja auch nicht mehr im Geschäft kaufen, vielleicht wurde er ja da fündig.

Als er auf dem Weg war und Ausschau hielt, ging er die Ereignisse immer wieder durch. Die Menschen wurden ablehnend und schließlich kam es zu Angriffen auf seine Person. Es gab keine Ausnahme, außer? Zoran erinnerte sich an einen Mann, der ihn gestern an der Schulter gepackt hatte. Statt ihn anzufeinden oder anzugreifen, fragte er ihn, ob er beim Erdrutsch in einer Höhle gelandet war. Wusste dieser Mann vielleicht darüber Bescheid? Oder war das nur ein kruder Zufall. Zoran konnte sich keinen Reim darauf machen. War aber auch egal, er wusste eh nicht wo er den Mann finden sollte. Auch wusste er nicht, ob der Mann ihn nicht trotzdem angreifen würde.

Zoran entdeckte einen Bach und legte eine Pause ein. Erst trank er einen Schluck, dann füllte er seine Flasche auf. Er schaute in seinen Rucksack und holte ein zweites Stück Käse, dass er in der Nacht aus dem Müll gefischt hatte. Dann aß er diesen auf. Dabei dachte er an sein altes leben. Zoran, Zoran, wo bist du nur hineingeraten. Ich habe doch nie Ärger gemacht. Trotzdem muss ich jetzt ums Überleben kämpfen. Früher hatte ich doch Träume, wie jeder andere Mensch auch. Ich hatte Hobbies, ich hatte Freunde, ich hatte meine Eltern. Nun bin ich ganz allein. Alles nur dank diesem Arsch. Wenn ich Michael Geissner erwische, schleife ich selbst in die Höhle und schaue mir an, was die Kristalle mit ihm machen. Findet er bestimmt nicht so lustig, wenn ihn alle kalt machen wollen.

So saß er eine Weile da. Erinnerte sich an die letzten Jahre. Wie er begeistert an Boxwettkämpfen teilnahm. Wie er seine Geocaching Touren gemacht hat. Wie er sich einfach mit Freunden traf. Dann wie er zu dem Streit kam, mit Michael. Der einfach nur den Chef raushängen lassen wollte und obendrein ein Rassist war. Schon das Zoran Eltern aus Serbien hatte und eben auch einen serbischen Namen, machte ihn zum Ziel für Michael und seine Clique.

Warum gab es nur solche Arschlöcher, fragte sich Zoran. Er war doch im Grunde ein Deutscher, Deutsch war seine Muttersprache und die sprach er auch besser als serbokroatisch. Seine Eltern waren ja auch recht jung hierher gekommen. Er fühlte sich auch kulturell deutsch und verhielt sich dementsprechend. Aber einige Typen konnten das offenbar nicht akzeptieren. Aber wichtiger war wohl noch, dass Zoran Michael so einfach ausgeknockt hatte.

Als Möchtegern-Gangsatboss konnte er das nicht verkraften. Deswegen hatte er auch so viele Freunde und Brüder zusammengetrommelt, um es Zoran heimzuzahlen. Das sie letztlich im Knast landeten, war nicht Zorans Schuld. Sie mussten ihn ja mit Stahlketten bewaffnet angreifen und haben ihm ganz schön zugesetzt. Die Richter fanden es jedenfalls nicht lustig.

Statt sich für den Knastaufenthalt an Zoran rächen zu wollen, hätte Michael sich auch mal fragen können, was mit ihm nicht stimmte. Aber solche Menschen würden niemals selbstreflektierend sein. Aber das tat jetzt auch nichts mehr zur Sache. Zoran hatte nun größere Probleme. Aber sollte er Michael wiedersehen, würde er ihn platt machen, ein für alle Mal. Dieser kriminelle kleine Wichser war Schuld an seiner Lage. Das nächste Mal würde Zoran keine Zurückhaltung und schon gar keine Vergebung kennen. Michael musste bluten, sollte er ihm je wieder über den Weg laufen.

Zoran stand wieder auf und ging weiter. Irgendwo musste es doch Bauern geben. Sobald er Obstplantagen oder Gemüsefelder ausmachen konnte, wusste er wo er sich bedienen würde. So ging er noch eine Stunde bis er in einiger Entfernung eine landwirtschaftliche Nutzfläche mit Apfelbäumen erspähte. Hier konnte er sich mit Nahrung eindecken, aber bevor er hinging, wollte er den Sonnenuntergang abwarten. Es war besser, wenn ihn keiner sah.

Da noch etwas Zeit war, bis zum Sonnenuntergang, schaute er sich in der Gegend noch etwas um. Er fand auch noch ein Feld mit Birnenbäumen. Dann setzte er sich in die Büsche und beobachtete aus der Deckung die Gegend. Wenn die Sonne unterging, wollte er aus dem Versteck und etwas vom erspähten Obst pflücken. Vorher blieb er gut verborgen. Zwischen sich und den Obstbäumen, war eine eine Landstraße. Aus den Büschen konnte er beobachten, wie dann und wann ein Auto vorbei fuhr. Gelegentlich konnte er auch den Bauern sehen, der seine Bäume begutachtete.

Mit der Zeit viel ihm etwas auf, bzw. es schien sich etwas zu entwickeln. Er nahm Emotionen war, wenn Menschen nahe kamen. Erst ganz schwach, aber nun wurde es deutlicher und deutlicher. Bildete er sich das nur ein? Vielleicht war es ja auch ein Nebeneffekt seines Fluches. Er spürte, was die anderen Menschen empfanden. Egal ob es der Bauer oder die Menschen in den vorbeifahrenden Autos waren. Er konnte jedes Mal etwas wahrnehmen, wenn sie nahe genug waren.

Es war interessant, aber auch beängstigend. Zoran vermochte zwar nicht ihre Gedanken zu erkennen, aber ihre Emotionen und damit wohl manchmal auch ihre Intentionen ließen sich durchaus erkennen. Einige waren gestresst, sie wollten vermutlich nach der Arbeit nur schnell nach Hause fahren. Andere waren glücklich, wieder andere waren sehr fokussiert, es schien sie etwas zu bewegen. Der Bauer war konzentriert und sehr engagiert. Zoran spürte die Bedeutung, die das Obst für ihn hatte. Es war seine Lebensgrundlage und anders als bei anderen, vernahm er nicht einfach eine Aussage in diese Richtung, er spürte es wirklich.

Er fühlte sich etwas schuldig, einige Äpfel und Birnen stehlen zu wollen, spürte er doch, welche Bedeutung sie für diesen Mann hatten. Aber es half ja nichts. Irgendwie musste er ja an Nahrung kommen. Jetzt war gerade August und Zoran konnte sich wohl noch recht einfach eindecken. Spätestens für den Winter brauchte er aber einen Plan, um an Nahrung zu kommen. Vielleicht musste er jagen lernen. Jedenfalls würde die Selbstversorgung dann schwieriger sein.

Zoran schreckte innerlich einmal auf, als ein Bus voll mit Menschen vorbeifuhr. So viele Emotionen waren doch enorm. Für ihn war das eine Belastung, dass alles zu spüren. Selbst wenn die Leute ihn nicht angreifen würden, so konnte in keiner Stadt mehr leben. All diese Gefühle selbst zu spüren, wäre auf Dauer zu viel für jeden Menschen. Er fragte sich einen Moment, ob er die Emotionen von Tieren auch spürte, glaubte dies aber nicht, sonst hätte er wohl schon etwas vernommen.

Zoran verharrte weiter in den Büschen, nahm gelegentlich einen Schluck Wasser und erkundete seine neuen emphatischen Fähigkeiten. Langsam ging die Sonne unter und es war so weit. Er schaute auf die Straße ob er anfahrende Autos sehen konnte und horchte mit seinen neuen emphatischen Sinnen. Niemand war in der Nähe. Also begab er sich zu den Obstbäumen und deckte sich ein. Als sein Rucksack voll war, ging er wieder in den Wald zurück.

Nun musste er Ausschau halten, um einen Schlafplatz zu finden. Er hoffte eine Höhle zu finden, vielleicht auch etwas Anderes was Schutz bot. Er suchte und suchte, wurde aber erstmal nicht fündig. Es war schon gruselig allein im Wald zu sein und das mitten in der Nacht. Wie sehr er doch sein Zuhause und seine Familie vermisste. Sein kuscheliges Bett kam ihn in den Sinn, was würde er nur für ein kuscheliges Bett im warmen tun. Hier hatte er nicht mal ein Zelt. Eine Isomatte und einen Schlafsack konnte er auch nicht nutzen. Wenn einige Leute schon das Zelten unbequem fanden, sollten sie mal in seiner Lage sein. Für ihn wäre das jetzt purer Luxus.

Als er wanderte und wanderte kam er irgendwann an einen kleinen See. Er setzte sich erstmal an diesen und wusch die Pestizide vom Obst im Wasser des Sees. Außerdem trank er einen Schluck und füllte seine Flasche wieder auf. Danach nahm er einen Apfel und eine Birne, um sie zu verspeisen. Während seinem Nachtmal schaute auf den See. Heute war Vollmond und das Licht spiegelte sich im Wasser wieder. Da der Himmel klar war, bot ihm der Vollmond ein gewisses Licht, um seine Umgebung zu beobachten.

Ihm viel ein kleines Bootshaus mit einem Steg auf. Eventuell konnte er da etwas Nützliches draus stehlen. Also machte er sich auf zum Bootshaus, um es genauer unter die Lupe zu nehmen. Als er am Haus war, schaute Zoran es sich kurz an, die Tür war abgeschlossen. Allerdings gab es ein Fenster, durch das er konnte. Zoran schaute sich kurz in der Gegend um und fand einen größeren Stein, den er dann durch das Fenster warf. Kurz horchte er, ob jemand den Lärm gehört hatte und angerannt kam. Allerdings vernahm er nichts. Dann drückte er ein paar Glassplitter ein, um das durch den Wurf entstandene Loch zu vergrößern. Danach griff er durch das Loch und packte den Fensterknauf, um das Fenster zu öffnen.

Schnell war Zoran eingestiegen und schaute sich um. Er sah einige Werkzeuge, Nägel, Farbe, Taue und Planen, offensichtlich um Boote zu reparieren und zu pflegen. Da nahm er sich einen Hammer und steckte ihn in die Hose, dazu packte nahm er sich ein Tau und eine Plane und warf durchs Fenster, um kurz danach wieder aus dem Fenster zu steigen. Plötzlich spürte er etwas Unheimliches. Es schien ihm gewissenlos und zornig zu sein, dazu äußerst angespannt, aber auch erregt. Irgendwie strahlte es Gefahr aus und er hörte ein Schleifen in der Nähe, dann hörte er jemand rufen.

„Hey, wer ist da?“

Zoran sah erschrocken in die Richtung aus der der Ruf kam. Dort sah er einen Mann, der einen schweren Sack hinter sich herzog. Der Mann sah ihn und auf einmal spürte Zoran einen unfassbaren Hass in diesem Mann aufsteigen. Es war kaum noch begreifbar, was er dort wahrnahm. Plötzlich zog der Mann ein Messer und griff ihn an. Wirklich Weglaufen konnte hier Zoran nicht. Das Bootshaus war auf einem Steg und er musste dem Mann erst entgegenkommen, bevor er wieder am Ufer war. Auch auf seine Fähigkeiten als Schwimmer wollte Zoran sich nicht verlassen. Also nahm er den Hammer und holte gegen den Heranstürmen aus, während er einem Stoß mit dem Messer auswich.

Zoran traf den Mann im Gesicht und ein fieses knacken war zu hören, aber der Mann drehte sich einfach nur ihm um und griff wieder an. Zoran wich zurück, der Mann vollführte unkontrollierte Schwinger mit dem Messer. Er schaffte es dem wild tobenden Angreifer die Klinge aus der Hand zu schlagen mit dem Hammer und er traf ihn an der Schläfe. Aber der Mann verharrte nur ganz kurz und griff Zoran erneut an. In dieser kurzen Pause sah er erschrocken, dass er dem Angreifer mit dem ersten Hieb den Kiefer ausgerenkt haben musste. Jedenfalls hing der Unterkiefer in einem unnatürlichen Winkel. Der zweite Hieb hatte eine übel blutende Wunde am Kopf hinterlassen.

Aber trotz dieser Treffer, griff ihn der Mann weiter an. Vor Überraschung konnte Zoran den kommenden Schlag nicht rechtzeitig abwehren und er wurde hart an der Brust getroffen. Der Hieb warf ihn gut 3 Meter nach hinten, ans Ende des Stegs. Zum Glück war er hart ihm nehmen und das Adrenalin hatte ihn durchflutet, denn der Mann rannte wieder auf ihn zu. Geistesgegenwärtig trat er dem Angreifer die Beine weg, welcher stürzte und Zoran schlug mehrere Male mit dem Hammer auf dessen Schädel ein. 6 Mal hatte er auf ihn eingedroschen und dann innegehalten, aber der Mann lebte noch und versuchte unkoordiniert aufzustehen und wieder anzugreifen. Das durfte eigentlich nicht passieren, der Mann musste tot sein, der Schädel war nur noch eine blutige Ruine. Dennoch lebte er weiter und wollte Zoran töten, welcher daraufhin noch dreimal auf den Schädel des Angreifers eindrosch und ihn schließlich tötete.

Was war das nur für eine abgefuckte Scheiße?, dachte sich Zoran, während er sich von seinem Schock erholte. Einige Minuten saß am Steg vor der Leiche des Angreifers. Er war überfordert mit der Situation, noch nie zuvor hatte er jemanden getötet, aber der Mann ließ ihm keine Wahl. Was hatte ihn nur so rasend gemacht? Erst jetzt bemerkte er, dass die Emotionen des Mannes, während des Kampfes immer wilder und wilder wurden. Im Eifer des Gefechts konnte er das nicht verarbeiten, aber jetzt realisierte er die Empfindungen, die er Empfing von dem Mann.

Dieser Mann empfand die absolute Raserei, während des Kampfes. In ihm waren Zoran, Hass, Aggressionen und Mordwillen. Das alles konnte Zoran in der Konfrontation wahrnehmen. Diese Gefühle waren wohl so übel, dass sie den Angreifer selbst dann noch beflügelten, als er schwer verletzt war, ja als er sogar schon hätte tot sein müssen. Erst in einem ziemlichen Overkill, konnte Zoran den Mann stoppen. So viele Treffer bis der Mann erledigt war, ist das auch eine Nebenwirkung des Fluchs?, fragte sich Zoran in seinen Gedanken.

Langsam kam er wieder etwas mehr zu sich, auch wenn ihn das ganze immer noch schwer zu schaffen machte. Er Stand auf warf den Hammer ins Wasser und ging zum Ufer, dann wusch er sich das Blut des Mannes im See ab. Danach ging Zoran zum schweren Müllsack, den der Mann hinter sich hergezogen hatte. Er schnitt den Sack mit seinem Taschenmesser auf und zum Vorschein kamen die Leichenteile einer Frau und einige Steine zum Beschweren. Zoran war überrascht, aber dieses Mal nicht mehr geschockt, bzw. der letzte Schock saß noch so tief, dass er dieser Anblick auch nichts mehr verschlimmerte. Ja irgendwo hatte es ihn etwas beruhigt. Er hatte keinen Unschuldigen getötet.

Dieser Mann war offenbar auf dem Weg zum See gewesen, um die zerstückelte Leiche seines Mordopfers zu versenken. Als er Zoran bemerkte, erschrak der Mann wohl und wollte ihn sowieso töten. Der Fluch tat dann sein Übriges und ließ ihn richtig abdrehen.

Zoran war einfach nur fertig. Er stand auf und ging in den Wald. Er nahm nichts von der Beute mit, sondern ging einfach nur gedankenverloren immer tiefer in den Wald. Nicht mal seinen Rucksack hatte er noch auf seinem Rücken, aber das kümmerte ihn gerade nicht. Er konnte dieses Erlebnis einfach nicht verarbeiten, es war zu schlimm. Auch wenn er sich zunächst gefangen und gewaschen hatte, die Erlebnisse auf dem Bootssteg kamen wieder in ihm hoch.

Zoran konnte nicht mehr, er setzte sich auf den Boden und hielt sich verzweifelt den Kopf. Es wurde immer schlimmer und schlimmer. Er konnte keine klaren Gedanken mehr fassen. Panik stieg in ihm auf. Was sollte er nur tun, wie sollte er diese Lage nur überstehen. Er traf immer wieder auf Menschen und jedes Mal wurde es übler als das Mal davor.

Er hatte keine Kraft mehr. Der Tag zerrte an seinen Reserven. Er legte sich hin und schlief ein.

Ein neuer Tag war angebrochen und Zoran wachte wieder auf. Die Sonne stand sogar schon ziemlich hoch. Er war immer noch müde, aber nicht weil er zu wenig geschlafen hatte. Die Lage ermüdete ihn einfach. Zoran war einfach ratlos, was er jetzt machen sollte. So saß er einfach da und hatte keinen Antrieb überhaupt etwas zu tun.

Plötzlich hörte er aus einiger Entfernung Polizeisirenen. Sie hatten wohl die Leichen gefunden. Weder hatte Zoran die Leiche des Mannes noch die der Frau entsorgt. Er raffte sich wieder auf. Zoran musste verschwinden, sonst würden sie ihn bald finden und töten. Also bewegte er sich weiter, immer tiefer in die Wälder. Noch konnte er niemanden hören, aber sicherlich würden sie suchen nach ihn. Also beschleunigte Zoran und wollte mehr Abstand gewinnen. Zoran rannte jetzt sogar und achtete kaum noch auf seine Umgebung. Er achtete auch nicht darauf, dass wieder Emotionen von Menschen zu ihm drangen. Plötzlich stolperte er und brauchte einen kleinen Moment, zum Aufstehen.

Als er sich erhoben hatte, sah er auf einmal einige Wanderer, denen er über den Weg gelaufen war. Sie sahen ihn mit einem Schlag hasserfüllt an. Es waren 4 Stück, einer von ihnen rief, „schnappt ihn euch, tötet ihn.“ Sofort machten sie sich daran ihn anzugreifen. Die ersten 3 hatte Zoran schnell und gezielt mit seinen Fäusten ausgeknockt. Der Letzte hatte währenddessen einen dicken Ast aufgehoben und ihn mit einem Hieb am Kopf getroffen. Der Treffer trieb Zoran nach hinten und zweiter Schlag folgte, welcher ihn zu Boden schickte. Sofort war der Angreifer drauf und dran, Zoran den Rest zu geben, da wurde er selbst niedergeschlagen.

Hinter dem Angreifer war ein weiter Mann aufgetaucht und er blickte Zoran an. Zoran merkte auf einmal eine fürsorgliche Emotion bei diesem Mann, welche sich mit etwas Argwohn und Abneigung mischten, aber anders als die Anderen machte er keine Anstalten ihn anzugreifen. Plötzlich erkannte er den Mann. Er war dieser komische Kauz, der Zoran an der Schulter gepackt und nach der Höhle gefragt hatte, an dem Tag wo Zorans Leben in die Brüche ging.

„Habe ich dich endlich gefunden. Nun, sieht so aus, als wenn du wirklich in der Höhle warst. Anders lässt sich nicht erklären, warum die Leute dich gleich töten wollen, obwohl du ihnen nichts getan hast.“

„Sie, sie wissen davon. Was ist das nur für eine verdammte Höhle und was ist das für ein verdammter Fluch?“

„Ich verstehe das du fragen hast, Junge. Aber erst müssen wir dich in Sicherheit bringen. Es gibt noch eine weitere Höhle, die als Zuflucht dient für die, die mit diesem Fluch in Berührung kamen. Los! Steh auf und folge mir, viel Zeit bleibt nicht.“

Zoran gehorchte. Er stand auf und folgte dem Mann. Seitdem es alle auf ihn abgesehen hatten, war

er der Erste, der ihn nicht töten wollte. Vielleicht sollte Zoran misstrauischer sein, aber wirklich viele Optionen blieben ihm nicht. Sie gingen einige Zeit, bis sie an eine Felswand ankamen. Der Mann ging zu einer kleinen Felsspalte und löste offenbar einen Mechanismus aus und auf einmal öffnete sich eine im Fels verborgene Tür. Der Mann ging hinein und bedeutete Zoran ihm zu folgen, was dieser auch tat. Drinnen war ein Gang, mit blau leuchtenden Runen an den Wänden. Sie ging den Gang entlang, bis sie eine Art Wohnquartier erreichten. Dort setzten sich beide und der Mann sprach Zoran wieder an.

„Du hast Glück, dass ich dich gefunden habe. Die Menschen werden dich in der Regel angreifen statt dir zu helfen oder auch nur mit dir zu reden. Ich bin Übrigens Georg, Georg Hammersberg. Du heißt Zoran Mitic, wenn ich das richtig recherchiert habe, oder?

Zoran nickte etwas zögerlich. Er wusste nach wie vor nicht, was Sache war. Warum half ihm Georg, wie konnte er dem Fluch widerstehen?

„Ich sehe, für dich ist das ganze noch ziemlich überwältigend. Nun du wirst dich gefragt haben, warum ich dir helfe und warum ich nicht in Raserei verfalle, wenn ich die sehe.“

Zoran nickte nur. Der Mann hatte gleich verstanden was Sache war.

„Nun, meine Familie bewacht die Höhle mit den roten Kristallen. Schon seit Jahrtausenden gibt es immer wieder Menschen die von ihr ins Unglück getrieben werden. Wir haben sie versiegelt, aber gelegentlich bricht doch einer zu ihr durch. Es gibt immer mal wieder Zugänge, dass Höhlennetzwerk, welches sich mit der Höhle mit den roten Kristallen verbindet, ist sehr weit verzweigt. Leider lässt sich nicht immer vermeiden, dass jemand ihr Opfer wird.

„Aber wie schaffen Sie es, diesem Zorn zu widerstehen?“, fragte Zoran nun, welcher sich langsam etwas fing.

„Meiner Familie sind einige Geheimnisse bekannt. Wir üben uns darin, extremen Emotionen zu widerstehen und wir haben an unseren Körpern spezielle Siegel, welche die Wirkung des Fluchs mindern. Allerdings können auch wir uns nur begrenzt davor schützen, ich kann nicht die ganze Zeit bei dir bleiben, sonst werde ich dein Feind. Genauso wie es die Anderen geworden sind.“

„Was soll ich nur machen? Wie soll mein Leben jetzt weiterleben?“

„Ich weiß die Lage ist schwer, aber hier bist du erstmal sicher. Die Höhle wurde mit Runen versehen, welche eine dämpfende Wirkung auf den Fluch haben, außerdem ist sie sehr gut verborgen. Ich habe dir einige Vorräte hier gelassen und ich komme von Zeit zu Zeit vorbei um nach dir zu sehen und die Vorräte aufzustocken. Aber ich muss jetzt gehen. Ich habe mich zu lange in deiner Nähe aufgehalten, bald würde Fluch auch bei mir anfangen zu wirken. Ich verspreche dir schnellstmöglich wiederzukommen, wenn ich die Finsternis abgeschüttelt habe. Dann kann ich dir auch noch mehr erklären.“

Zoran spürte tatsächlich, wie eine steigende Abneigung in Georg aufkam, also akzeptierte er diesen vorübergehenden Abschied, ohne zu murren. Georg verabschiedete sich kurz und ging. Zoran blickte sich in der Höhle um, die tatsächlich einigermaßen wohnlich eingerichtet war. Erleuchtet wurde sie von den Runen und ein paar Fackeln, die Georg angezündet hatte.

Georg sah einen sich um und erspähte einen Waschzuber und ein Bett. Er freute sich darauf, sich waschen und in einem Bett schlafen zu können. Erstmal musste sich Zoran erholen. Mehr erfahren konnte er, wenn Georg wieder da war.

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Autor: Schatteneremit

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