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Türchen 10

Autor: The dark Antichrist

Als die Venus blutete[]

Teil 1: Witterung[]

Als die Venus rote Tränen weinte und der kalte Himmel über unseren Köpfen zu zerfallen begann – da wusste ich, dass wir bald im Blute Gottes ertrinken würden und etwas meinem Schoß entstiege, das niemals stirbt, aber auch niemals wirklich lebe.

 

Der Weihnachtsmarkt war seit jeher ein äußerst fröhlicher Anlass für mich gewesen, um mich des Lebens zu erfreuen und jede Sekunde lang zu zelebrieren, wie sorgenlos doch alles zu dieser festlichen Zeit erschien. Doch dieses Jahr fühlte ich nicht die Wärme des Glühweins, den ich vor keiner halben Minute geleert hatte. Jedes Jahr kaufte ich dieses traditionelle Getränk am selben Stand, trank ihn beinahe zur selben Zeit wie eh und je, und auch wenn der Preis jedes Mal ein wenig mehr in die Höhe schoss, so schmeckte er dennoch genauso wie immer und erfüllte meinen Leib mit einer sanften Woge des Wohlbefindens. Wie ein kleiner Sonnenstrahl, der meinen zuvor noch kalten Körper auftauen ließ.

Doch dieses Jahr war es anders. Zwar schmeckte er gleich und ich verbrühte mir in traditioneller Weihnachtsmarktmanier die Zunge an dem heißen Gebräu, aber als es erst meine Kehle hinunter in den Magen lief, verflog das Gefühl von Wärme sogleich und ich fokussierte mich wieder vollends auf diesen dumpfen Schmerz, der in meinem Bauch pochte. Seufzend holte ich eine Fluppe aus meinem Zigarettenetui hervor und versuchte sie anzustecken, doch wie schon so viele Male zuvor versagte Saschas Feuerzeug kläglich bei dem Versuch, mir meine nötige Dosis Nikotin zukommen zu lassen.

Entnervt, und insgeheim diesen Nichtsnutz verfluchend, suchte ich den Markt nach einer anderen potentiellen Feuerquelle ab, die sich als brauchbarer erweisen würde als das Scheißding, welches ich noch in meiner linken Hand hielt und das ich langsam, aber energisch, zusammendrückte, bis sich meine Fingerknöchel weiß wie Schnee verfärbten. Ha, Schnee… wie lange hatte ich diese kleinen Flöckchen aus gefrorenem Wasser schon nicht mehr gesehen. Inzwischen hatte ich sowieso jegliche Hoffnung aufgegeben, jemals wieder sowas wie einen Schneemann oder zumindest einen einzigen fliegenden Schneeball zu sehen.

Als ich die kleine Feuerstelle direkt neben der Pommesbude entdeckte, stolperte ich fast binnen einer Sekunde über den ganzen Markt, um mir einen Platz neben dieser zu sichern und mir sogleich eine Kippe daran anzustecken. Die Blicke, die ich mir dabei einfing, waren giftiger als all die ekelhaften Schlangen, die Sascha in einem Terrarium direkt neben seinem Bett im Schlafzimmer hielt, zusammen. Was ging es sie an? Rauchverbot wurde mir ja schließlich nicht erteilt und wenigstens unter freiem Himmel sollte es einem ja wohl noch gestattet sein, oder nicht? Zumal es mein Körper war, und mit dem konnte ich ja wohl verdammt nochmal anstellen, was ich wollte.

,,Was für eine Schande…“, flüsterte ein älterer Herr im Vorbeigehen, während die ebenfalls ältere Dame, die ihn begleitete, mich nur kurz schweigend von oben bis unten musterte und dann wortlos den Kopf schüttelte.

,,Schämen sollten sie sich!“, meldete sich eine etwas jüngere Frau zu Wort, die ihren Worten auch deutlich mehr Nachdruck verlieh, als es der ältere Herr getan hatte.

Ich ignorierte ihre Versuche, mir Schuldgefühle einzureden, und zog genüsslich weiter an meiner Zigarette, schloss die Augen und versuchte die Hitze, die das Feuer abgab, in meinen erkalteten Leib aufzunehmen, doch es schien beinahe so, als würde sämtliche Wärme von meinem Körper abprallen, so als sei ich eine fleischgewordene Thermoskanne, die von allen Umwelteinflüssen verschont bliebe.

Plötzlich zog ein kühler Luftzug an meinem Gesicht entlang, und als ich die Augen wieder öffnete, sah ich nur noch, wie meine Zigarette aus meinem Mund in eine dreckige Pfütze vor mir fiel und zischend ihre kleine Glut verlor. Fast zeitgleich sah ich zudem noch die zierliche Hand, die wieder zu Boden sank, nachdem sie eben noch durch die Luft gesaust war, um mir meine Kippe wegzuschlagen. Zunächst noch fassungslos, dann aber umso erboster stürzte ich nach vorne und gab der dämlichen Ziege einen so heftigen Stoß, dass sie rücklings in eine kleine Gruppe von Menschen fiel und, von einem dumpfen Geräusch begleitet, auf ihrem knöchernen Arsch landete.

,,Was zum Teufel sollte der Scheiß?!“, brüllte ich sie an.

,,Genau dasselbe habe ich mich auch gerade gefragt, als ich sie gesehen habe, sie verantwortungsloses Miststück! Wie können sie nur sowas Abstoßendes tun?!“

,,Entschuldigung? Das ist mein verfluchter Körper, und mit dem kann ich ja wohl anstellen, was ich will!“

,,Gott weiß, dass es mir scheißegal ist, ob ihre Lunge einem Schornstein ähnelt oder ob sie mit zwei Raucherbeinen wie ein überdimensional fetter Pinguin über den Weihnachtsmarkt watscheln, aber das, was da in ihnen wächst, ist nicht ihr Körper, also hören sie in Gottes Namen auf, es mit ihrem Dreckszeug gleich mit zu vergiften!“

Schuldgefühle wollte sie mir einreden? Dann kam sie sowieso ein wenig zu spät, denn nach acht Monaten Rauchen und Trinken würde dieser letzte Monat sicherlich nicht mehr allzu entscheidend sein. Als ich meinen Glühwein vorhin in Windeseile ausgetrunken hatte, hatte sich ja auch keiner darüber beklagt – als ob Rauchen jetzt so viel schlimmer wäre.

Gerade als ich mir eine weitere Zigarette anstecken wollte und sich das dumme Blondchen wieder aufrichtete, um in den Angriffsmodus zu gehen, legte sich auf einmal eine große Hand, mehr einer Pranke gleichend, auf meiner Schulter ab und zog mich sanft, aber dennoch fordernd davon, und da mir diese Geste recht entgegenkam, um mich schnellstmöglich aus dieser doch sehr lästigen Situation zu befreien, gab ich dem Impuls nach, den mir jene fremde Hand gab, und ließ mich hinter die nächste Bude ziehen, wohin mir diese dämliche Schlampe zum Glück nicht folgte.

Ich wollte mich umdrehen, um meinem „Retter“ ins Gesicht zu sehen, doch bevor ich einen Blick auf sein Antlitz erhaschen konnte, hielt er mir zwei volle Tassen Glühwein entgegen und blockierte mit diesen meine Sicht auf ihn.

,,Bitte, trinken sie. Sie sehen ja völlig verfroren aus.“

Seine Stimme war so klar und wirkte dennoch so unheimlich verzerrt. Beinahe wie eine Eisskulptur stand er vor mir und streckte mir die Tassen weiterhin entgegen, ohne sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Nicht einmal zittern tat er, und das war eigentlich recht verwunderlich, wo wir doch bereits wieder -7 Grad hatten. Naja, andererseits war das natürlich nichts im Vergleich zu den Temperaturen, die noch vor ein paar Jahren zur Weihnachtszeit die Straßen erfüllt hatten.

,,Diese Menschen wissen doch gar nicht, was sie da reden. Ich finde, eine Frau sollte doch noch selbst darüber entscheiden dürfen, was sie ihrem Körper zumutet und was nicht. Wer zur Hölle sind die schon, dass sie sich anmaßen, ihnen ihre Ansichten so gewaltsam aufdrängen?“

Er überraschte mich mit seinem Einfühlungsvermögen. Zwar war ich wenig begeistert von dem Verhalten der anderen Passanten, aber das volle Verständnis des Fremden erschien mir in diesem Fall doch deutlich suspekter als die Abscheu eines jeden anderen. Dennoch nickte ich zustimmend und nahm dankend eine der Tassen entgegen, um sie binnen weniger Züge zu leeren, während ich interessiert sein Gesicht musterte, das ich nun erstmals zu erblicken vermochte.

Seine Augen waren kalt, starrten wie zwei Glaskugeln, in denen pulveriger Schnee umherschwebte, an mir vorbei. Zunächst war ich etwas verblüfft, dass er mich mit solcher Leichtigkeit an den vielen Buden vorbei zu lotsen vermochte, doch dann dachte ich daran, dass Blinde ihre Umgebung schließlich auch ganz anders wahrnahmen, als ich es beispielsweise tat. Was kümmerte es mich auch? Wichtig war nur, dass dieser Mann nett zu mir war, und in Anbetracht der Umstände kam mir ebensolch ein Mensch zurzeit sehr gelegen. Denn anstatt mit Nettigkeiten warfen die Menschen mit Steinen nach mir, und selbst daheim gab es niemanden außer Sascha, den Mann, der mir Halt geben und mich aus diesem See aus Elend und Scheußlichkeit heraushieven sollte, doch stattdessen hängte er lediglich tonnenschwere Betonschuhe an meine Füße, um meinen Untergang endgültig zu besiegeln.

Ich griff nach der zweiten Tasse, die er mir ebenfalls mit einem fast schon grotesk erwartungsvollen Ausdruck überreichte.

,,Wissen sie schon, wie sie es nennen wollen?“

Ich überlegte einen Moment. Sascha hatte sich bereits Namen überlegt, doch gefallen hatte mir keiner so wirklich. Mich hatte er jedoch bezüglich dieses Themas überhaupt nicht zu Wort kommen lassen, da er offenbar nicht einmal in Erwägung zog, dass ich als Mutter vielleicht auch einen Namensvorschlag haben könnte.

,,Natalie – falls es ein Mädchen wird. Wird es ein Junge, würde ich ihn vermutlich Bastian nennen.“

,,Und wie steht der Vater dazu, dass sie während der Schwangerschaft ihrer Nikotinsucht weiterhin nachgehen und sich zudem alkoholische Getränke zu Gemüte führen?“

Oh nein, er würde doch jetzt nicht auch damit anfangen, doch gerade als ich darüber philosophierte, warum er sich jetzt beschwerte, nachdem er mir zwei Tassen Glühwein ausgegeben hatte, fuhr er mit seinem Satz fort.

,,Nicht, dass ich sie verurteile, doch mich interessiert ihre Familienplanung außerordentlich.“

,,Und wie genau kommt das? Sicherlich haben sie doch einen triftigen Grund, dass sie mich vor dieser wütenden Meute gerettet, mir zwei Tassen Glühwein ausgegeben haben und sich nun so sehr für mein Kind interessieren.“

,,Sagen wir, ich bin einfach nur eine überaus neugierige Person.“

Nicht gerade eine Antwort, die mich zufriedenstellte, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mich dem Fremden anvertrauen konnte. Klar, vielleicht war es der Alkohol oder die Dankbarkeit, die ich für ihn empfand, basierend auf all den Freundlichkeiten, die er mir in dieser kurzen Zeit entgegengebracht hatte, doch mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit war es einfach meine Einsamkeit und das Gefühl, von allen verlassen worden zu sein, die mich in die Arme einer Person trieben, die ich zuvor noch nie erblickt hatte, doch für die ich bereits jetzt mehr Liebe empfand als für all die anderen Menschen in meinem Umkreis. Diese waren nämlich inzwischen nichts weiter als gierige, aasfressende Insekten, die sich über mich hermachten, als sei ich ein verendetes Tier, das als Brutstätte genutzt und dann vertilgt werden konnte.

,,Den Vater kenne ich selber kaum und ich bezweifle, dass Klein-Natalie beziehungsweise Klein-Bastian ihn jemals kennenlernen wird.“

,,Heißt das, dass sie niemanden haben, der sich nach der Geburt des Kindes um sie kümmert? Ich meine, sicher werden sie Mutter und Vater haben, die sich ihnen annehmen, aber meinen sie, dass sie sie ausreichend zu unterstützen vermögen?“

,,Mein Freund ist auch noch mit von der Partie und steht mir bei, wenn ich mein Kind großziehe.“

,,Sagten sie nicht, sie kennen den Vater kaum?“

,,Tue ich auch nicht. Er ist schließlich nicht der Vater, sondern irgendein Typ, der mal gut mit meinem Bruder befreundet war und jetzt seit einiger Zeit scharf auf mich ist. Er ist nicht gerade der Hellste und seine Definition von Liebe ist auch nicht gerade auf dem neusten Stand, aber da meine Eltern schwer krank und somit kaum eine Hilfe für mich sind, ist er zumindest eine kleine Absicherung meinerseits, um mit meinem Baby gut über die Runden zu kommen.“

,,Und der Vater? Was ist aus ihm geworden?“

,,Keine Ahnung. Vielleicht sitzt er im Gefängnis, vielleicht wurde er abgeschoben oder vielleicht irrt er sogar genau in diesem Moment über diesen Weihnachtsmarkt hier, ohne dass ich es jemals mitbekommen würde. Wen kümmert das schon? Ich habe es inzwischen überwunden, denke ich. Manche Frauen zerbrechen förmlich an einer Vergewaltigung, aber ich denke, dass ich es ziemlich gut verkraftet habe. Die ersten Wochen danach waren wirklich furchtbar, aber überwunden habe ich es dennoch. Inzwischen hätte ich es vielleicht sogar gänzlich aus meinem Gedächtnis ausradiert, wenn er mir nicht dieses grässliche Andenken dagelassen hätte.“

Mit einer guten Portion Wut, die in meinen Augen aufblitzte, sah ich auf meinen Bauch hinab und dachte sogleich wieder an den Tag, an dem ich von der Schwangerschaft erfahren hatte. Ich war bereits im zweiten Monat, doch aus irgendeinem Grund dachte ich, dass es passieren kann, dass meine Periode so lange ausblieb. Sascha kannte ich zu diesem Zeitpunkt schon, und als er von dem Baby erfuhr, schlug er mich zunächst erbarmungslos zusammen, so als wäre es meine Schuld, dass ich vergewaltigt worden war. Warum hast du Schlampe nicht die Pille genommen?!, hatte er gefragt, doch ich habe ihm nie eine Antwort darauf gegeben. Schließlich war ich auch fest davon überzeugt, dass ich ihm keinerlei Erklärung schuldig wäre. Ich schlug ihm vor es abzutreiben, doch dann schrie er plötzlich, dass das Leben heilig sei und er mir den Schädel zerschmettern würde, wenn ich das tun würde.

Ich denke, die Tatsache, dass er mir mit Mord drohte, weil Töten falsch war, spiegelte seinen allgemeinen Geisteszustand ziemlich gut wider, aber auch wenn er dumm wie kein anderer war, so war er dennoch überzeugend genug und ich schlug mir die Abtreibung wieder aus dem Kopf. Dass ich rauchte und trank, interessierte ihn hingegen nicht. Scheinbar war er zu blöd, um zu wissen, dass diese beiden Dinge unter Umständen zu einer Fehlgeburt oder Missbildungen führen könnten. Warum ich bei ihm blieb, konnte ich selber gar nicht mehr genau sagen. Vermutlich hatte ich einfach Angst, dass er mir nachsteigen und mich wahrhaftig umbringen würde, wenn ich es wagen sollte, ihm den Rücken zuzukehren. Und jetzt stand ich hier. Hochschwanger, die Zigarette in der einen Hand und die Glühweintasse in der anderen, während ich mich mit einem blinden Typen unterhielt, der beinahe euphorisch von all den Dingen war, die ich ihm erzählte, und dem beinahe der Speichel aus dem Mund lief, wenn ich mir über den Bauch strich, an meinem Getränk nippte und einen Zug von meiner Kippe nahm.

Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte es beinahe so, als würden die Augen des Mannes heller scheinen. So als wären sie zwei Vollmonde, die soeben ihr Licht erhalten haben, um die Dunkelheit ein Stück weit zu vertreiben.

,,Sie sind eine wirklich faszinierende Frau, wissen sie das?“

,,Ich wüsste nicht, was mich so faszinierend machen sollte.“

,,Nun…“, begann er und steckte sich nun selber eine Zigarette mit einem sehr alten, aber wunderschönen Feuerzeug an, die ich selbst nur aus teuren Antiquitätenshops kannte.

,,… sie sind eine höchst ungewöhnliche Frau. Sie haben so eine völlig andere Ausstrahlung als all die anderen Menschen hier auf dem Markt.“

Er kam näher an mich heran, und für einen Moment glaubte ich mich in dem schneegleichen Weiß seiner Augen spiegeln zu können.

,,Während Menschen wie sie, Menschen mit funktionstüchtigen Sehnerven, andere Leute anhand ihres Äußeren erkennen und beurteilen, schaue ich hingegen auf ihre Aura – die Energie, die von ihren Körpern ausgeht. Eine Woge, die uns allesamt umhüllt und die all das in die Welt aussendet, was uns ausmacht. Gewöhnliche Menschen haben verlernt, diese Aura wahrzunehmen, doch ich spüre sie jedes Mal deutlich an mir entlangstreifen, sobald ein Fremder meinen Weg kreuzt.“

Was dieser Mann da von sich gab, vergrößerte meine anfängliche Skepsis ihm gegenüber umso weiter, doch andererseits wuchs in meinem Innern eine Faszination für diese fremde Person heran.

,,Und was sagt meine Aura über mich aus?“

Jetzt strich er mir sanft über die Wange und grinste. Es hatte beinahe etwas Diabolisches an sich. Wie bei einem Raubtier, das die Zähne zeigte.

,,Oh meine Teuerste, wenn ich ihnen das sagen würde, hielten sie mich für verrückt.“

Fast eine halbe Minute lang standen wir nur schweigend da und verweilten völlig ruhig in der eingenommenen Pose. Dann ließ er von mir ab, wich ein paar Schritte zurück und lächelte mich an.

,,Wenn sie wollen, könnten sie mir ihre Telefonnummer oder Adresse geben. Ich würde es dann an meine Schwester weiterleiten. Sie ist nämlich Tagesmutter, müssen sie wissen, und würde sich ihrer mit Sicherheit sehr gerne annehmen.“

,,Hm… nun ja, es wäre schon schön, aber… ach wissen sie was – hier, sie kriegen meine Telefonnummer. Bitteschön.“

Mit einem verschmitzten Lächeln reichte ich ihm ein Stück Papier, das ich aus meiner Tasche herausgekramt und auf das ich kurzerhand meine Nummer draufgekritzelt hatte. Er nahm den Zettel dankend an, nickte mir aufmunternd zu und verschwand zwischen den Buden, um eins mit der vor mir liegenden Menschenmasse zu werden. Und als ich letztendlich beschloss, es ihm gleichzutun, wurde ich von der Menge förmlich eingesogen, und ich hatte für einen kurzen Augenblick die Hoffnung, dass ich stürzen und unter diesem Meer aus Fleisch begraben werden würde, damit sie dieses Etwas aus mir heraustrampelten. Ich hasste es nicht – ich hasste das, woran es mich erinnerte und woran es mich immer erinnern würde, und alleine deswegen konnte ich mir nicht vorstellen, eine gute Mutter zu sein, denn jedes Mal, wenn ich es ansehen würde, dann würde ich nur seine Augen sehen, die mich anstarrten.

Mit demselben kalten, jedoch gierigen Blick, mit dem er mich fixierte, als er wieder und wieder in mich eindrang und seinen Samen wie einen quälenden Fluch in meinen Körper strömen ließ…

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