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Ich habe genug von euch und euren Schauermärchen. Immer werden solche Geschichten aus der Perspektive eines Menschen erzählt, der etwas "paranormales" vernimmt und dann nimmt der ganze Horror schon seinen Lauf. Und da ist das Problem:

"Horror"

Was zur Hölle verleitet euch dazu, all das als Horror zu bezeichnen? Dinge, die anders sind als ihr sind doch kein Horror, nur weil sie anders sind. Auch ich habe die Schnauze voll. Ich bin das, was ihr Arschlöcher als eine "Horrorkreatur" betiteln würdet. Machen wir mal die klassischen Klischees durch.

Im Keller:

Ihr geht in den Keller aus dem ihr komische Geräusche gehört habt. Und ihr durchsucht ihn und seht mich dort. Ich liege zusammengekauert auf dem kalten Kellerboden. Habt ihr euch je gefragt, warum ich ausgerechnet da unten bin und nicht da oben bei euch? Naja, zum einen, weil ihr ja dann sowieso aus dem Fenster springen und Hilfe holen würdet. Und sofort würde man mich töten, obwohl ich nichts getan habe.

Ich sitze da unten, weil es dort überraschenderweise wärmer ist als in der klirrenden Kälte außerhalb eures Hauses. Ist es nicht mehr verständlich einfach in einem warmen Umfeld leben zu wollen?

Ich gebe zu, dass meine Erscheinung möglicherweise nicht so mega schön ist, aber Schönheit liegt im Auge des Betrachters, deshalb habt einfach kein Recht meinen Körper zu verurteilen. Tut mir ja leid, dass ich euren Anforderungen nach all dem Leid nicht gerecht werde! Und schon lauft ihr weg oder greift mich an. Und ich muss mich wehren! Würdet ihr das nicht? Und eigentlich bin ich eine friedlebende Kreatur.

Und sobald ich einen Menschen aufgeschreckt habe, muss ich wieder raus in die Kälte und mir einen neuen Kellereinstieg suchen, um die Nacht zu überleben und vor der annahenden Polizei sicher zu sein...

Im Wald:

Der Wald ist herrlich. Eine schöne Natur, viele Tiere und ein weicher, grasbedeckter Boden, kombiniert mit herrlichen Gewässern und natürlich die Jäger, die unschuldige Tiere einfach töten. Und dann soll ich verscheucht werden, wenn ich versuche in eurem Keller zu überleben? Das ich mich dann nicht tagsüber zeige ist ja wohl klar. Wenn ihr das nächste Mal also Nachts in einen Wald geht und mich da seht, hört bitte einfach auf alle Tiere im Wald mit euren verzweifelten Schreien auf euch aufmerksam zu machen, wenn ich einfach nur dabei bin, die herrliche Natur zu erkunden und Nahrung suche. Daran ist nichts verwerflich.

Ich kann das am Tag leider nicht machen. Und daran seid ihr schuld! Ihr Menschen tötet alles, was euch vor die Flinte läuft und ihr denkt gar nicht daran, dass das nicht das einzige Leben sein könnte, dass ihr damit zerstört. Ihr seid die wahren Dämonen dieser Erde!

Nachts in eurem Haus:

Der einzige Moment, wo ich die Wärme eures Hauses genießen kann ist Nachts, wenn alle Menschen schlafen. Ich wandere ein bisschen im Haus herum und sehe, wenn die Familie im Urlaub ist, beziehungsweise die Eltern, die ihren einzigen Sohn alleine im Haus lassen. Freie Bahn aus dem Keller zu kriechen und meine knochigen dürren Arme zu allen Türgriffen zu bewegen und herauszufinden ob da jemand ist.

Und dann sehe ich ihn, den verängstigten Teenager hinter seinem Sofa auf dem Handy rumtippen und nach Hilfe rufen. Ich sollte Mitleid mit diesem verängstigten Kind haben. Wie gesagt: "Sollte". Und dann stelle ich mir die Frage:

Wer sagt denn, dass ich immer nett sein muss?

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