Deutsches Creepypasta Wiki
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Eine Kurzgeschichte von

MR SHERWOOD[]

Vorwort des Autors[]

Wir alle sind irgendwann an einem Punkt unseres Lebens angekommen, an welchem wir nichts anderes tun können, als an die fantasievollsten, brutalsten Gedanken der puren, nackten Gewalt des Blutes und der spritzenden Gehirnmassen zu denken. Der Grund sind manchmal böse und tragische Schicksalsschläge auf einmal, mit denen wir nicht fertig werden. Es steckt in jedem von uns – wie eine ernsthafte Krankheit, welche im Laufe unseres Lebens zum Vorschein kommt und eventuell schon seit unserer Geburt an festgelegt ist. Egal was wir auch versuchen und tun, wir könnten es nie verhindern.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann jene Gedanken unseres finsteren Ichs zum Vorschein kommen, indem sie wie dunkle Dämonen die Tiefen unseres düsteren Abgrundes, unseres geisteskranken Gehirns heraufklettern. Und wenn diese irgendwann an die Spitze angekommen sind, schreien sie und entfliehen zum Gehirnzentrum unseres Kopfes. Und wenn genau dies der Fall ist, übernimmt unser böses Ich (unsere dunkle Seite), die Macht über unsere Psyche und deren Entscheidungen. Wenn dies geschehen ist, ist es für Jenen bereits zu spät. Vielleicht wissen genau Sie nicht, dass auch in Ihnen solche Dämonen Ihres finsteren Unterbewusstseins stecken, die nur darauf warten, hochzuklettern, indem Sie es zulassen.

~ Terence Sherwood

Blutiges Karma.jpg

Es wurde das Ende des Septembers im Jahre 1967 geschrieben, als in einem Ortsteil namens 'Witherseed' ein unheimlich brutales Unwetter wütete. Es strömten regelrecht ganze Flüsse des nasskalten Niederschlags durch die Straßen. Dies führte zu Überschwemmungen höchsten Grades.

Nachdem sich das unruhige Unwetter ein wenig beruhigt hatte, drohte in einem düsteren Schleichweg einer kleinen Waldregion, ein locker gewordener, dicker, fetter Ast – welcher nur noch an einen seidenen Faden hing, sich zu lösen und mit einer heftigen Wucht auf die Erde herunter zu rasen.

Als ein gewisser gekündigter Geschäftsmann namens Marvin Rainey, in jener Nacht des lockeren Astes, mit seinem schwarzen 1966er Ford Lincoln Continental die verregneten Straßen entlang fuhr, fühlte er sich, als könne er morden. Marvin hatte gerade seinen wichtigen Job verloren – durch welchem er sich ein Haus am See und seinen Ford leisten konnte. Mit seiner Frau Laura hatte er drei Kinder. Ihre Namen waren; Christine, sie war sechs Jahre alt. Louise, er war acht. Samuel, welcher elf war. Außerdem besaß Marvin einen schönen Pitbull namens Jacky und eine Katze namens Molly, welche er noch nie leiden konnte.

Er lebte das perfekte Leben der Vollkommenheit. Ein Haus am See in einem reichen Ortsteil mit Pool, eine edle Karosse (in welcher er sich gerade befand) und seine eigene Familie. Geld auf dem Konto hatte er ebenfalls genügend. Doch als er seinen Job verlor und unmittelbar danach seine Frau, die die Scheidung wollte und das komplette Sorgerecht seiner Kinder verlangte (sie hatte die beste Anwältin vom ganzen Staat), wurde es ihm zu viel. Vor allem, dass seine Frau aufgrund eines jungen Schönlings die Scheidung wollte. Dazu kam auch noch, dass sein Vater an einem Schlaganfall starb und eine Woche zuvor sein dreiundzwanzigjähriger Bruder an einer Überdosis schlimmster Drogen verstarb.

Man kann sich nicht vorstellen, was Marvin in jener Zeit fühlen musste. Es waren all die gemischten Gefühle der verschiedensten Faktoren im Leben des gefeuerten Geschäftsmannes, welche schlussendlich zu zornigen, rachesüchtigen Gedanken schlimmster Art führten. Während er schnell mit seinem Auto fuhr – ohne darauf acht zu geben, ob er jemanden überfahren würde, dachte er darüber nach, wie er Jeremiah, dem Schönling, welcher Marvins Frau nur betrügen würde, aufschlitzen und seine komplette einst so reine Haut abziehen würde, um sie ins lichterloh brennende Feuer zu schmeißen. Bevor er dies täte, hätte er die Lust dazu, Jeremiah auf schlimmste Weise zu foltern, bis er aus allen Körperöffnungen blutet. Diese Gedanken brachten Marvin zum Lächeln. Seinen ca. siebzigjährigen Chef namens Charles Mannix, welcher ihn ohne jeglichen Grund gekündigt hatte, würde er nach Feierabend mit seiner rot gefärbten Holzfäller Axt psychisch runterziehen. Womöglich würde Marvin dazu im Stande sein, seinen Chef nicht nur mental zu bedrohen. Vielleicht wäre seine Axt nur ein Druckmittel. Doch er könnte auch handgreiflich werden.

So würde er den Kopf von Mr. Mannix packen und ihn auf verschiedenste Tische und Regale schmettern, bis dieser böse blutet. Wäre Mannix noch bei Bewusstsein, so würde Marvin ihm eventuell mit seiner Axt die Beine abhacken. Wenn dieser ihm zu laut schreit, könnte er es mit der Axt schnell beenden, in dem er ihm seinen runden Dickschädel mit jener roten Axt einschlägt. Marvin dachte, dass wenn die Gehirnmasse von Mannix die weißen kargen Wände wie ein Samenerguss bespritzen würde, es nicht viel wäre. Er bezeichnete Mannix als einen dummen Hurenbock, welcher nicht viel Hirn hat und nur an seine hohen Zahlen am Ende seiner Bilanz denken musste.

Man kann behaupten, dass es Marvin in jener Nacht bei der rasanten Autofahrt nicht besonders leicht hatte, als er gegen seine aufsteigenden dunklen Dämonen (wie William Wallace, der tapfere Krieger) ankämpfte, welche langsam aber sicher seine pechschwarze Felswand seines noch schwärzeren, psychopathisch gefährlichen Abgrund seines – mit einer schweren Krankheit – befallen Gehirns, gnadenlos heraufkletterten. Er dachte nicht nur daran, wie er Jeremiah oder seinen Chef Mannix brutal um die Ecke bringen würde...

Einen noch größeren Hass hatte er auf Laura, seine Frau. Die Tochter einer dummen Hure. Er konnte nicht nachvollziehen, dass sie sich aufgrund eines dummen, jungen Schwuchtel Schönlings, von ihm scheiden lassen wollte. Er hatte ihr alles gegeben. Einen Mercedes, vier edle Wände und ein teures Dach über ihren dämlichen Kopf. Als Marvin mehr und mehr darüber nachdachte, überkam ihm in seiner ganzen Magengegend das Gefühl des kribbelnden Hasses. Die unbeschreibliche Undankbarkeit seiner Frau wollte und konnte er verständlicherweise nicht fassen. Er riss sich seinen blanken Arsch auf, dass sie im puren Luxus leben konnte, während er nur Überstunden machen musste und fast nie zu Hause war. Und während er seine Überstunden tätigte – damit er seiner Frau womöglich den neuen Cabrio für den anstehenden Sommer im nächsten Jahr kaufen könnte – schlief sie in seinem eigenen Bett, was er ebenfalls finanziert hatte, bereits mit Jeremiah, der nur auf ihr Geld aus war, was eigentlich alles Seins war.

Auch, dass sie bereits nicht mehr auf seiner Seite war, als sein Vater nach einem schweren Leiden, eines noch schwereren Schlaganfalls letzten Endes verstarb und sein junger Bruder an einer Drogenüberdosis krepierte, kränkte ihn zu tiefst. Schon alleine die Vorstellung, dass Jeremiah sich bei seiner dummen Frau einschleimte und vor Marvins Kindern der coolste Typ sein wollte, ließ ihn seinen blanken Zorn zu einem eventuell bevorstehenden Herzinfarkt führen. Doch er durfte nicht sterben. Seine Frau würde nur noch mehr erben und ohne nennenswerten Grund auf sein Grab spucken. Für ihn gab es nur einen Ausweg. Und er war gerade auf dem Weg nach Hause gewesen... Bei all diesen Gedanken liefen ihm die Tränen der Verzweiflung, welche schon längst von dem puren Zorn ummantelt war. Dieses Bauchgefühl, was er hatte, drang zu ihm hinauf.

Dies führte dazu, dass er während der Autofahrt schrie, sein Gesicht rot anlief und seine ausgeprägten Adern zum Vorschein kamen. Er schlug wie ein mit der Tollwut befallender Gorilla gegen das Lenkrad. Er dachte auch daran, warum ausgerechnet er jener sein musste, welcher so viel leiden musste. Ein Elend, gefesselt vom eigenen Schicksal. Aussichtslos, ohne jeglichen Ausweg. Die Zwickmühle unseres Verstandes.

Alles war so unfair. Er wurde regelrecht paranoid und war im Glauben, die ganze Welt würde sich gegen ihn stellen, um ihm schlimmste Schmerzen zuzufügen. Bis zu jenen Geschehnissen war Marvin ein recht gläubiger Mensch. Doch in den Augenblicken der Erkenntnis, dass gerade er es war, welcher das gesamte Leid auf sich nehmen musste, wollte er Gott dafür bestrafen. Er beleidigte seinen Namen in schlimmster Weise. Er dachte daran, dass, wenn Gott neben ihm, in einer menschlichen Hülle stehen würde, er Gott wahrscheinlich verprügelt, um ihm zu zeigen was er alles fühlte. Es wäre ihm in jenem Moment egal gewesen, dass er in die Hölle kommen könnte. Er wollte es vielleicht sogar; war regelrecht scharf drauf.

Marvin wollte die ganze Welt brennen sehen. Er wollte jeden und alles brennen sehen. Sogar seine eigene Familie.

Als er genau darüber nachdachte, hatten die Dämonen bereits sein Gehirnzentrum erreicht. Nun schrien sie laut auf. Es war zu spät... Er musste laut und schreiend lachen, als wäre er der größte Psychopath auf Erden. Der Teufel hatte ihn geholt und nun war er von ihm wie eine kalte Klobrille besessen. Regelrecht im Bann des Teufels gezogen. Er wollte nur schnellstens nach Hause, was er auch gleich sein würde. Als er immer noch lachte und er nichts dagegen tun konnte schrie er;

„ICH KOMME UND WERDE EUCH ALLE UMBRINGEN! IHR SEID DIE VERDAMMTEN DES TODES!“

Es war ein Fehler, dies zu schreien. Denn dabei schüttelte er wie ein wild gewordener Irrer seinen Kopf und verlor seine Brille. Nun blinzelte er und kniff seine Augen zu, um zu erkennen... Doch er sah nur verschwommen. Es war zwecklos. Marvin verlor die Kontrolle und raste mit voller Wucht gegen einen Baum.

Einige Minuten der schweigenden Stille vergingen... Marvin war nicht ohnmächtig gewesen, doch durch den Aufprall war er ruckartig mit seinem Kopf auf das Lenkrad geknallt. Er brauchte einige Zeit, um aus den sich surreal anfühlenden Klauen des Schädelhirntraumas zu erwachen. Als er realisierte was passierte, war das Einzige was er tat, sich schnell seine Brille zu schnappen, welche auf dem Boden seines nun zerschmetterten Wagens lag. Er schüttelte seinen Kopf, kniff dabei die Augen zu und setzte sie auf. Sie war etwas schief, aber das Glas war noch heile. Er fasste sich an seine Stirn. Sie blutete nicht und eine Delle konnte er durch seinen Innenspiegel auch nicht erkennen.

Es schien knapp gewesen zu sein. Das Schicksal hatte es gut mit ihm gemeint. Doch da kamen sie wieder. Die Dämonen aus dem Abgrund seines Gehirns. Dann tat er etwas, was die wenigsten in solch einer Schocksituation wohl tun würden. Marvin holte aus seiner Hosentasche seine zerquetschte 'American Spirit' Zigarettenschachtel, nahm eine heraus und steckte sie in den Mund. Dann zündete er sie sich mit seinem Zippo an. Ein kräftiger Zug des Qualms durchdrang tief seine Lunge. Es fühlte sich gut an. Eine Zigarette schmeckte immer dann am besten, sobald man eine direkt nach einem guten Essen zu sich nahm, oder dann, wenn man schon seit längerem keine mehr geraucht hatte. Bei ihm war letzteres der Fall. Gegessen hatte er schon lange nicht mehr. Vielleicht zwei Tage. Als er seine Fluppe halb auf geraucht hatte, griff er ins Handschuhfach nach seiner Handpistole und stieg aus. Zum Glück war er nicht direkt in einer Siedlung, in welcher er womöglich Leute aus der Nachbarschaft, aufgrund des lauten Knalls, aus deren Tiefschlaf riss. Höchstens Tiere, doch die konnten nichts erzählen. Es war nicht mehr weit bis zu seinem Haus am See gewesen. Er musste nur noch die Landstraße herunterrennen. Marvin steckte seine Handpistole in die Rückseite seiner Hose, zog seine Brille nach oben, sah sich kurz seinen kaputten Wagen an – dessen Front vollkommen am Baum zerschmetter war, und die Motorhaube gefährlich anfing zu rauchen – und rannte los, nachdem er seine Kippe wegschmiss. Ein leichter Nieselregen kitzelten seine nassgeschwitzten Haare.

So schnell wie Marvin in jener Nacht wie ein bekloppter die Straße entlang rannte, tat er es noch nie zuvor. Getrieben vom Hass und Zorn. Er war die Marionette des Teufels persönlich. Die Dämonen steuerten im Zentrum seines Hirns die sich angesäuerten und schweren Beine. Seine Lungenflügel brannten wie die Höllenfeuer. Seine Beine schmerzten, als würde man von den Römern auf einer Streckbank gefoltert werden. Es fühlte sich an, als würden sie sich bis ins Unermessliche ziehen. Doch all diese Gefühle waren ihm egal. Sein Verstand strebte nur danach, so schnell wie möglich nach Hause zu gelangen.

Mit jedem Gedanken daran, wie er seine Frau strangulieren könnte, und ihr Kopf rot anlaufen würde, wurde er immer schneller. Er rannte wie jemand, welcher von texanischen Stieren gejagt wird. Er war das rote Tuch und seine psychopathischen Gedanken waren der Stier. Ihm donnerten kurze Blitzgedankenbilder auf, welche den leblosen Körper seines kürzlich verstorbenen Vaters zeigten. Dann sah er seinen Bruder, aus dessen Mund weißer, dickflüssiger Schaum floss. Die Augen ohne Pupille, der Kopf rot wie eine mörderische Tomate.

So eine Überdosis gemischter Drogen können einen so richtig hässlich aussehen lassen, während man gerade dabei ist, qualvoll abzukratzen. Solche Gedanke jener Art ließen ihn schwächer werden. Doch dann dachte er wieder an seine Frau, wie er sie auf die verschiedenste Arten killen könnte. Er hatte große Auswahlmöglichkeiten, wie ein kleines Kind im Kindershop. Messer, Knarre, Baseballschläger oder Strangulation. Plüsch-Teddy, Plastikauto, Puzzle oder Lego...

Getrieben vom Wahnsinn der Sünden, welche er ganz bestimmt tätigen würde, rannte er immer weiter. Sein Herz pochte bis zum Hals, sein Kreislauf nahm ab und er fühlte sich beschissen. Trotzdem konnte er nicht stoppen. Er war wie in einen undefinierbaren Bann voller Gefühlslagen des puren Zorns gezogen. Wie ein alter zerzauster Hund hechelte er. Sein kalter Schweiß lief ihm in den Mund. Was würde er erblicken, wenn er nach Hause käme? Etwa, wie seine Frau friedlich schlafen würde? Wenn sie gerade in ihrem Tiefschlaf wäre, könne er sie einfach mit einem frisch geschliffenen Küchenmesser, mit welchem man Melonen schneidet, umbringen. Natürlich würde Marvin dieses in ihren Kopf rammen, während sie schlief. Er wusste, sie hatte stets einen festen Schlaf. Wie ein Stein. Die Aktion mit dem Messer wäre am leisesten. Doch wofür hatte er dann seine Handpistole illegal erworben? Es war pure Geldverschwendung, dachte er. Er hatte vier Patronen. Die eine für seine Frau, die andere für Jeremiah. Die dritte war für seinen Chef. Doch die letzte... Wollte er es wirklich tun? Hatte er den Mumm, sich selbst abzuknallen?

Wollte er wirklich sterben? Oder wollte er einfach nur jene umbringen, welche verantwortlich dafür waren, warum er überhaupt gerade jetzt darüber nachdachte... Wenn er sich selbst eine Kugel in den Kopf drücken würde, könne er ja nicht mehr auf das zukünftige Grab seiner Frau urinieren. Er wollte seine Suizidgedanken verdrängen.

Er fragte sich in jenen Augenblicken – während er immer noch wie einer der Läufer auf einer Olympiade rannte – ob das Leben an sich schon die Hölle sein könnte. Und noch viel wichtiger; was käme nach dem Tod? Noch hatte er es nicht getan. Noch hatte er seiner Frau kein Messer in den Schädel gerammt. Noch hatte er kein Blut an seinen Händen kleben, welches er nie wieder für den Rest seines Lebens abwaschen könnte. Es war diese dumme Zwickmühle im Leben, in der man so verzweifelt ist, dass man einfach nicht mehr weiter weiß. Genau an diesem Tiefpunkt befand er sich. Wenn er sie umbringen würde, könnte er damit leben? Doch er musste einfach. Es gab keinen anderen Ausweg mehr. Die Dämonen hatten es ihm zugeflüstert. Eigentlich wollte er nicht an die Tür seiner Gedanken klopfen, welche ihm die Vernunft öffnete. Dafür hatten seine schattigen kleinen Teufelsgnomen seines finsteren, mörderischen Verstandes, Überhand über ihn. Er war die Marionette des puren Bösen. Er konnte nicht an eine Verherrlichung der Situation denken. Diesmal nicht. Diesmal würde er es wirklich tun. Komme was wolle. Aber auch darüber konnte er eigentlich nicht nachdenken. Nur daran, dass er seiner Frau vielleicht sogar mit seinen Daumen die Augen in den Schädel pressen würde, während er ihr ins Ohr flüstert, dass sie in der Hölle elendig schmoren und tausendmal verrecken muss, während sie sein lächelndes Gesicht vor Augen haben soll!

Wie in eine tief gefallene Trance der sündigen Gedanken der puren Gewalt kam er endlich an. Er sah die Einfahrt seines Hauses. Doch etwas war seltsam. Das Licht im Schlafzimmer brannte. Er konnte undeutliche Silhouetten erkennen. Doch nicht, was diese darstellen sollten. Er musste erst einmal Luft holen. Er war gerade knapp anderthalb Kilometer durchgerannt. Alles brannte und kribbelte in ihm. Auch das Adrenalin der gnadenlosen Wut. Nun war er an der Stelle seiner bevorstehenden Missetat angekommen, an der er zweifelte. Er spürte, wie er anfing zu zittern. Realistisch gesehen stand er vor einer unsichtbaren Mauer Gottes, welche ihn davon abhalten wollte, etwas zu tun, womit er nicht unbestraft davon kommen könnte. Jedoch war er trotz dessen zu sehr im Bann des Zorns. Immer noch schrien seine Dämonen des Unterbewusstseins;

„Geh rein Marvin! Schlachte sie! Schlachte sie! Schlachte sie!

Marvin's Haus

Schlachte sie! SCHLACHTE SIE!“

Die kleinen Viecher der dämonischen Bosheit und Psychopathie tanzten und schrien in ihm. Während dies geschah, dachte er wieder daran, was ihm seine Frau alles angetan hatte. Damit durfte sie nicht davonkommen. Nicht dieses eine Mal. Und so ballte er seine Fäuste, atmete durch und ging zielstrebig auf die Eingangstür zu. Dabei blickte er sich hastig um, wie ein paranoides kleines Ferkel, was genau wusste; es wird in einigen Sekunden abgeschlachtet.

Sein Herz knallte bis in seinen brummenden Schädel.

Er hatte Angst... Angst, er könne es doch nicht tun. Vielleicht war das wieder eine Warnung. Doch er musste es tun. Das hatten ihm seine Teufelsgnomen und Dämonen bereits befohlen. Auftrag vom Prinzen der Finsternis persönlich. So ging er schleichend näher auf die Tür zu. Er holte leise seinen klimpernden Schlüssel heraus. Er konnte etwas wahrnehmen. Es war wie ein verschwommenes Geräusch. Es kam von oben. Vielleicht eine Art Stöhnen. Er schüttelte seinen Kopf. Marvin musste sich konzentrieren. Er blickte sich ein letztes Mal hastig um. Er war allein. Keiner war ihm in jener finsteren Nacht gefolgt. Nun schob er den Hausschlüssel in das Schlüsselloch. Er drehte ihn langsam nach rechts. Dabei biss er sich auf die Oberlippe und begann zu schwitzen. Er drehte und drehte... Doch irgendwie schien der Schlüssel nicht zu passen.

„Moment Mal! Hat die hässliche Schlampe etwa das Türschloss ausgetauscht?“

Da kamen sie wieder zum Vorschein. Seine Dämonen, welche ihm mit diesen einen Satz zu verstehen gaben, jetzt musste er sie endgültig auf die brutalste Art und Weise töten. Hass kam in ihm auf. Es stieß ihm hoch wie ansteigendes Erbrechen. Adrenalin von Hass. Hass, welcher zuvor noch nie stärker gewesen war.

„Was soll ich nur tun?“

Fragte er sich innerlich, während er seinen Schlüssel herauszog. Es dauerte nicht eine Sekunde, dass seine Puppen der Dunkelheit antworteten...

„Na, Marvin! Du musst die Hintertür im Garten benutzen! Du hattest sie noch nicht repariert. Die geht ohnehin auf. Auch ohne Schlüssel! Tu es! Tu es! Nimm den Hintereingang, der ist immer am sichersten. Wie du einst den Hintereingang deiner Frau genommen hast! Schlachte sie! Schlachte sie! Schlachte sie!“

Er atmete tief durch... Dann erkannte er; >>Ich muss sie schlachten! Ich muss sie schlachten!<< Die Dämonen schienen fröhlich zu tanzen.

„Genau! Und jetzt TU ES ENDLICH DU WICHSER!“

Getrieben vom Zorn, welcher unmittelbar wieder den Weg in sein Gehirnzentrum gefunden hatte, rannte er auf den Garten zu. Er sprang über den Zaun und sprintete um die Ecke. Dann erblickte er die Tür. Sie war nicht einmal richtig zugedrückt. Je näher er sich dem Inneren seines Hauses näherte, umso schneller und heftiger schien sein Herz zu pochen. Bis ins Unermessliche. Und dann... Dann erreichte er sie endlich. Die Tür seines Schicksals. Gott hatte ihn oft genug gewarnt. Nun hätte Marvin selbst erkennen müssen. Doch seine Dämonen in ihm waren stärker. Es hing nur alles von seiner Entscheidung ab. Doch er verließ sich wie ein Blinder mit Blindenhund auf seine Wesen, die in seinem Hirnzentrum lebten.

Er drückte sie langsam aber sicher auf. Es knarrte und quietschte. Er wollte sie ölen und reparieren. Doch letzteres kam ihm jetzt zu Gute (wie man es sieht. Hätte er sie repariert, könne er jetzt nicht alarmlos einbrechen). Nun war er drinnen. Endlich. Das Einzige, was er wahrnahmen, waren große runde Augen, welche ihn anstarrten. Sie kamen aus der dunkelsten Ecke des Wohnzimmers.

Sie schienen auf ihn zuzukommen. Sie waren einfach nur weiß und leuchteten ihn an, als wäre er des Todes. Doch es war nur Molly, seine blöde Katze. Sie miaute, als würde sie ihm etwas sagen wollen. Er bekam Panik. Was wäre, wenn seine Frau dadurch wach werden würde, oder seine Kinder. Sie mussten tief und fest schlafen. Er musste etwas unternehmen. Sie miaute immer lauter und weiter. Sie kratzte jetzt an seinen Beinen. Es gab keinen anderen Ausweg...

Molly die Katze

Er packte sie im Nacken, drückte fest zu. Sie fing nun an zu knurren. Jetzt drückte er ihr die Kehle ein. Sie stöhnte nur noch leise... Dabei wehrte sie sich, indem sie seine Handgelenke zerkratzte und knapp an der Pulsschlagader vorbei strich. Doch er hörte nicht auf. Er drückte immer weiter. Dabei lief er rot an und seine Sabber tropfte ihm auf das Fell seiner sterbenden Katze.

Während er dies tat, musste er sich einnässen. Es dauerte etwas, bis die Katze nachgab und nun reglos in seinen Händen lag. Sie baumelte mit ihrem leblosen Körper herunter. Er legte sie auf den Boden und griff in die Hinterseite seiner Hose nach seiner Knarre. Er sah sich wieder um, aber da war nur Schwarz.

„Gut gemacht Marvin! Und jetzt geh die Treppe hinauf, ins Schlafzimmer und schlachte sie! Schlachte sie!...“

...Und so geschah es auch...

Er schlich langsam die Treppe hinauf... Es war dunkel, doch er konnte genug erkennen, um nicht zu stolpern. Seine Augen sperrangelweit aufgerissen. Seine Schweißperlen heruntertropfend. Sein Atem schwer. Sein Herz schnell und laut. Je höher er kam, desto lauter nahm er ein Geräusch wahr. Es war das, was er womöglich von draußen hörte, als er vor der Haustür stand. Es war nun deutlich. Ein Stöhnen. Doch nicht nur eins... Gleich zwei. Es war das Stöhnen seiner Frau. Der Zorn kehrte zurück. Nun hatte er keine Angst mehr. Er ging zielstrebig hinauf und war nun an der Tür angekommen. Die Tür zum Schlafzimmer. Rechts neben ihr war ein älteres Familienfoto von ihm, seiner Frau und seinen drei Kindern, mit Jacky dem Hund und Molly der Katze gewesen. Alle lachten und schien glücklich. Doch der Anblick hielt ihn nicht ab. Die Schlafzimmertür war nur angelehnt, ein Lichtkegel strömte heraus.

Nun hörte er es am deutlichsten. Ein männliches Gestöhne, und dass seiner eigenen Frau...

Sein Herz schlug durch seinen ganzen Körper. Es fühlte sich in jenen Augenblicken des Zorns, der Panik und der Verzweiflung so an, als würde es jeder hören...

Marvin steckte seinen Kopf ein wenig durch den Türspalt. Was er erblicken würde, wusste er die ganze Zeit. Doch die Erkenntnis, dass er richtig lag, ließ ihn schockiert erschaudern. Seine Nackenhaare stellten sich hoch und er bekam das Kribbeln im Bauch. Er sah seine Frau. Splitternackt, wie sie sich von dem ebenfalls splitternackten Jeremiah durchknallen ließ. Sie trieben es wie wild gewordene Kinder des Sex Gottes. Sie küssten sich, fassten sich überall an und ihre Blicke sahen so aus, als würde jener Moment der Schönste auf Erden sein. Marvin merkte, wie sich Tränen in seinen Augen sammelten.

Er wurde jetzt zorniger denn je. Er biss seine Zähne zusammen, ballte seine linke Faust. Die rechte Hand, in welcher sich sein Schießeisen befand, fing an zu zittern. Wie jemand, der Diabetes hat und gerade einen Zuckerschock schlimmster Art erleiden würde.

Trotz seines Zorns spürte er, wie sich bei diesem ekelhaften Anblick zwischen seinen Beinen eine Erregung bemerkbar zu machen schien. Doch das Gefühl des bitteren Zornes übertrumpfte alles auf der Welt. Alles, was sonst noch existierte, könne nie intensiver sein als das, was er gerade fühlte. Ohne zu zögern knallte er die Tür auf und zielte direkt auf die Beiden – welche sich gerade gnadenlos liebten. Sie erschraken, schrien kurz auf und blickten zu ihm. Die Blicke beider Sex Maschinen sahen so aus, als hätten sie den Schock ihres Lebens.

Marvin sah so aus, als wäre er gerade durch die gewaltige Hölle gewandert. Seine Haare nassgeschwitzt, sein Brille schief auf der Nase sitzend und der Blick eines psychopathischen hungrigen Tigers. Hungrig auf Mord und Totschlag. Es war ruhig. Jeremiah war immer noch in Laura. Sie waren in ihrer Sexposition vor dem puren Schock versteift. Lauras Stimme ertönte, welche vor Schreck regelrecht zitterte;

„Sch-sch-atz... W-was machst du de-denn hier?!“

Im nächsten Moment sprang Jeremiah auf und fasste sich splitternackt an sein Geschlechtsteil. Er versuchte es zu verdecken. Bei der ruckartigen Bewegung reagierte Marvin schnell und schoss vier Mal auf ihn. Zuerst in den Bauch, dann in die Brust, ein Streifschuss in den Hals und den Letzten mitten ins Herz. Er zuckte und es strömte Blut wie eine Fontäne gegen die Wände. Laura fing an, elendig zu schreien und zu zappeln. Marvin starrte nur auf Jeremiah, welcher durch die Schüsse an die Wand gedrückt wurde und mit seinem Hinterkopf gegen diese knallte. Da sein Hals durch den Streifschuss seine Hauptschlagader getroffen hatte, spritzte das Blut mit einer unbeschreiblich heftigen Wucht in das Gesicht von Marvins Frau, welche den Schock ihres Lebens erlitt.

Jeremiah fasste sich zuckend und zitternd an den offenen Hals. Er sah Marvin mit weit aufgerissenen Augen schockiert und schmerzerfüllt an, wobei er nach Luft röchelte und langsam in die Knie sackte. Als er niederkniete, ließ Marvin seine Waffe fallen und blickte erschrocken zu ihm, während er langsam in sich zusammenfiel. Nun lag er da. Blutverschmiert und immer noch zuckend. Doch so tot, wie man nur sein kann.

Laura war in eine Schockstarre verfallen, hielt ihre Hand vor den Mund und heulte, während sie auch schrie. Dann trat Marvin mit seinem rechten Fuß gegen den leblosen Körper von Jeremiah, welcher mittlerweile aufgehört hatte, zu zucken. Im nächsten Augenblick drehte er seinen Kopf langsam in Richtung seiner Frau – sie starrte ihn einfach nur undefinierbar schockiert an. Es gefiel ihm zu sehen, wie sie mental litt. Er ging langsam auf sie zu. Sie hatte das frische Blut von ihrem jüngeren Liebhaber im Gesicht.

„Bitte! Bitte tu mir nichts! Oh Gott... Was ist nur los mit dir... Was ist nur los mit dir! Was zum Teufel...“

schrie sie auf und heulte dabei. Sie rührte sich jedoch keinen Millimeter. Das Einzige, was Marvin tat, war, mit seinem Kopf in die Schultern zu gehen und zu knacken. Er sah sie mit weit aufgerissenen Augen des puren Wahnsinns und mit einem schräggestellten Kopf an. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„O... Was zum Teufel sagtest du? Halt dein hässliches Maul du dumm Hure!“

schrie er wie der letzte Psychopath mit einer ironischen Tonlage. Je näher er auf sie zukam, desto lauter schrie sie auf.

„Du bist an all dem Schuld! Du warst es, die mein ganzen Leben ruiniert hat! Nur wegen dir muss ich es tun! Du bist die hässlichste, dümmste Schlampe die es überhaupt gibt, hörst du? Du wirst in der Hölle schmoren und elendig verrecken, während du mich lächeln siehst.“

Während er dies sagte, fing er an, gleichzeitig zu heulen und zu lachen. Es war ein Massaker der Hölle, was in jener Nacht im Hause Rainey vor sich ging. Als er auf das Bett zukam, blickte Laura zum Türrahmen. Doch er nicht. Sie wollte ihm etwas mit Blicken sagen, doch er ließ keine Gnade walten. Er stürzte sich auf sie und packte mit beiden Händen ihr mit Jeremiahs Blut verschmiertes Gesicht. Sie fasste seine Handgelenke an, doch kam nicht gegen seine drahtige Muskelkraft an. Er presste mit seinen Daumen wie in seiner Vorstellung ihre Augen, tief in ihren Schädel. Sie schrie und strampelte mit ihren nackten Beinen. Was Marvin dabei fühlte, während er seine Frau umbrachte, könnte man nie beschreiben. Er wurde einfach von den kleinen Teufelsgnomen gesteuert. Er konnte nichts dagegen tun.

Er selbst fühlte sich in jenen Momenten – immer noch vom puren Zorn getrieben – als könne er hoch in den Himmel springen, um dann mit einem tiefen Fall auf die Erde zu stoßen und direkt mit unglaublicher Wucht in die Hölle zu fallen.

Er presste immer und immer weiter. Dann packte er mit seiner linken Hand ihren Hals, mit seiner rechten geballten Faust schlug er ihr ins Gesicht. Ihre Augen waren tief in den Schädel gedrückt, es floss nur noch Blut aus den Augenhöhlen. Er schlug auf sie ein und lachte dabei wie ein Clown – darauf aus, Kleinkinder zum Lachen zu bringen. Sie schrie und zappelte noch immer, doch ihre Kraft nahm ab.

Nun presste er mit seinen beiden Händen ihren Kehlkopf ein. Sie lief rot an, ihre ausgeprägten Adern kamen zum Vorschein und das einst so laute, schmerzerfüllte Schreien verwandelte sich in ein Röcheln der ringenden Luft, ähnlich wie bei Jeremiah... nur schöner. Wenn ihre Augen nicht eingedrückt wären, würde sie ihn vermutlich ansehen, als wäre er der Teufel selbst, welcher ihr Leben auf die brutalste Art beendete. Seine Sabber tropfte auf sie. Lauras Beine strampelten wie verrückt, doch langsam versteiften sie... sie ließ locker. Aus ihrem Mund lief Schaum, fast so wie bei seinem Bruder. Doch sie war noch nicht tot. Marvin sah auf das Nachtschränkchen. Dort lag eine Nagelfeile, nach welcher er griff. Sie röchelte immer noch und schien kurz seinen Namen zu stöhnen. Er rammte ihr die stabile Nagelfeile tief in das linke eingedrückt Auge, bis Blut in sein Gesicht spritzte. Er spürte, wie seine kleinen Dämonen in seinem Gehirnzentrum tanzten und glücklich Gesänge der Todesengel sangen.

Er lachte und ließ die Nagelfeile in ihrem Kopf stecken. Nun lag sie da. Reglos...

Er hatte sie umgebracht... Sie lag einfach regungslos da, in seinem Bett. Nun fing er an, bitterlich und jämmerlich zu heulen... Doch dabei konnte er sich sein Lachen immer noch nicht verkneifen. Da saß er nun... Mit einem blutverschmiertem Gesicht und schiefer Brille, lachend auf seiner splitternackten Frau, welche er gerade umgebracht hatte.

Es war die Nacht des 27.09.1967 – Die Nacht, als Marvin

Rainey seine Frau umbrachte...

Einige ruhige Moment vergingen, als er den leblosen Körper seiner Frau anstarrte. Dann erhob er sich aus dem Bett. Ihm war ein wenig schwindelig. Nun hörte er keine Teufelsschreie seiner einst so lauten, dunklen Dämonen. Sie waren verstummt. Er nahm seine Brille ab und wischte mit seinem Hemd das Blut von den Gläsern. Er setzte sie wieder auf und sah in Richtung Türrahmen. Er zuckte zusammen und erschrak. Er sah drei kleine Gestalten, welche ihn anstarrten. Im nächsten Augenblick war er schockiert. Die Tränen liefen ihm seine blutverschmierten Wangen herunter. Da standen sie nun. Seine drei kleinen Kinder. Die sechsjährige Christine stand mit dem leblosen Körper ihrer süßen Katze Molly in den Armen da und blickte ihren Vater in ihrem Schlafkleid verstört an. Links neben ihr; der achtjährige Louise, welcher schluchzte und seinen Vater mit Tränen ansah. Ihm war sein kleiner Plüsch-Teddy namens Max aus seiner kleinen, zerbrechlichen Patschhand gefallen. Der elfjährige Samuel stand rechts neben Christine. Dieser sank zu Boden, konnte aber nicht weinen. Er starrte seine leblose Mutter an. Dann zu seinem psychopathischen, mörderischen Vater. Dieser musste nun anfangen zu weinen.

„Hallo... Kinder. Ich habe vergessen, euch etwas von McDonalds mitzubringen... Es wurde ein wenig später...“

sagte er, während er weinte. Er ging langsam auf den am Boden liegenden Sammy zu. Er umarmte ihn, doch dieser erwiderte die Umarmung nicht. Dann ging er zu Christine. Er kniete sich vor sie und streichelte das tote Fell von Molly, welche sein Geschenk zu ihrem dritten Geburtstag war. Er sah ihr dabei tief in die Augen.

„Ist Mami tot? Papa... Wieso hast du da Blut.“

Er antwortete nur;

„Molly ist jetzt an einem besseren Ort.“

Dann ging er zu Louise, welcher weinte. Er nahm ihn auf seinen Arm und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, während er mit seinem jüngsten Sohn weinte.

„Was hast du... du getan, Papa?!“

Doch auch darauf fand er keine Antwort. Was hatte er gerade getan? Er konnte es nicht fassen. Marvin sah seine Kinder an. Und dann sah er auf die Nagelfeile, welche immer noch im Schädel seiner Frau steckte...

Einige Minuten der Stille vergingen. Marvin Rainey kam in jener Nacht aus seinem Haus heraus und war mit dem Blut seiner Familie beschmutzt. Er lief mit schwammigen und zittrigen Beinen wie in einer Starre auf die Straße zu. Blut klebte an seinen Händen. Blut, welches er nie wieder abwaschen könne. Sechs... Sechs Morde... Seine Augen blinzelte er keine Sekunde. Der Regen war stärker geworden. Der Vollmond kam durch die sich vom Wind dehnenden Unwetterwolken zum Vorschein. Die Nachteulen und Grillen gaben Laute von sich. Das war das Einzige, was er hörte. Doch dann, dann hörte er etwas. Es war ein bellen. Er drehte sich um. Da kam sein Pitbull Jacky angerannt. Er bellte und rannte auf ihn zu. Sein Herz schien stehen zu bleiben. Er rührte sich nicht vom Fleck.

Red Kenworth Killer-Truck

Doch im letzten Moment erleuchtete er aus seiner Starre und rannte. Er rannte über die Straße, auf welcher ein roter Kenworth Killer-Truck in seine Richtung zuraste. Der Truck raste mit einer undefinierbaren Geschwindigkeit und hupte. Die Scheinwerfer erleuchteten Jacky, welcher stehen blieb und in die Lichter des Trucks starrte. Es gab einen dumpfen Knall, doch Marvin rannte weiter. Der Truck schien umgekippt zu sein, als er im letzten Augenblick versuchte, zu bremsen. Doch er blickte nicht zurück. Er rannte immer weiter. Immer weiter in den Wald hinein.

Der Wind wehte scheinbar heftiger... Er rannte so schnell wie er nur konnte. Noch schneller, als er nach Hause rennen wollte. Er dachte in jenen Sekunden nicht. Er dachte nur an ein Wort; Sieben. Sieben Morde... Oder vielleicht auch mehr.

Nach einiger Zeit, als die Erschöpfung einsetzte, blickte er noch ein letztes Mal nach hinten. Er blieb auf einer Stelle stehen und sah in Richtung Haus, welches nun weit weg war. Doch das Licht des Schlafzimmers schien noch durch die dichten Bäume zu funkeln. Er musste anfangen zu weinen, und brach in seinen Knien zusammen.

Im nächsten Augenblick brach der Wind den seidenen Faden des dicken fetten Astes, welcher direkt über seinem Kopf hing und sauste mit einer heftigen Geschwindigkeit auf ihn zu, ohne dass er es merkte. Mit einer schrecklichen Wucht rammte sich der Ast brutal in den Schädel von Marvin. Er war auf der Stelle tot. Es war ruhig in jener Nacht. Der Regen wurde stärker und benässte den nun leblosen Körper von 'Marvin Rainey'

Es war die unsichtbare Vollstrecker Hand Gottes, welche jene Sünder das gab, was sie verdienten.

Das nächste, was Marvin sah, war ein grelles Licht. Doch es war angenehm. Es schien auf ihn herab, während er darauf zu flog. Er schwebte und fühlte sich vom Leid erlöst. Er flog durch Wolken – durch welche das goldene Licht schien und am Ende war da ein riesiges Tor. Es war vergoldet. Es öffnete sich und er glitt hindurch. Er erblickte die hohlen Körper von Laura, Christine, Louise, Samuel, Molly, Jacky und Jeremiah. Sie alle blickten ihn mit einem Lächeln an. Dann sah er eine undefinierbare Silhouette einer großen Kreatur. Und aus jener Richtung kam die Stimme Gottes. Sie erklang so, als würde sie weinen;

„O Marvin... Ich habe dich gewarnt. Du bist mein Sohn! Marvin! Ich liebe dich doch wie jeden anderen meiner Söhne. Du bist mein Kind! Ich habe doch versucht, dich zu warnen. Der Unfall gegen den Baum, das nicht funktionierende Türschloss, die aufschreiende Katze. Es hat alles nichts geholfen. Der Teufel in dir war stärker. Es tut mir leid, dass ich den Kampf gegen den Teufel verloren habe. Nun musst du zu ihm. Ich liebe dich, mein Kind.“

Plötzlich war es still. Die weißen Wolken verblassten, sowie die Silhouette und die seiner Familie. Nun wurde es schwarz. Es schien so, als würde er fallen. Immer tiefer, bis ins Unermessliche. Dann wurde es heiß.

Es war das ROTE, was Marvin erblickte...

Schlusswort des Autors[]

Wenn die Dämonen unseres Unterbewusstseins es schaffen, uns zu kontrollieren (welche in meiner Kurzgeschichte unsere mörderischen Gedanken und Entscheidungen verkörperten), sind wir verloren. Der Mensch hat immer zwei Seiten. Die Helle und die Dunkle. Wenn die Dunkle den Schatten über unsere Psyche bringt, tun wir das, was uns in die Hölle führt. Es sind die Schicksalsschläge, mit denen wir womöglich nicht fertig werden. Das, was gerade in dieser Geschichte widerfahren ist, nennt man Karma.

Vielleicht haben Sie die metaphorischen Andeutungen erkannt und verstanden, worum es wirklich ging. Es ist das Karma, welches uns schlussendlich vollstreckt. Komme was wolle. Kleiner Tipp von mir; Töten Sie nicht, auch wenn alles hoffnungslos zu sein scheint!

~ Terence Sherwood

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