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Die Vögel zwitschern prächtigste Melodien. Ich finde es wunderschön in diesem Wald. Hier zu sein ist Balsam für meine Seele und heute ist es ganz besonders.

Das Licht. Das Licht ist einfach wundervoll, wie es durch die Baumkronen leuchtet.

Durch den feuchten Dunst des Waldbodens, sind die einzelnen Strahlen fast greifbar. Das Aroma ist betörend. Nadelhölzer mischen sich mit uralten Eichen und feuchtem Moos. Der Duft der Natur ist durch nichts zu imitieren.

Ich liebe die Tiere. Wie friedlich und harmonisch sie hier zusammenleben. Eine kleine Gruppe von braunen Häschen sitzen zusammen. So zutraulich. Sie ergreifen nicht die Flucht als sie mich erblicken. Seelenruhig knabbern sie weiterhin an ihren Wurzeln und Gräsern.

Dort drüben wird der Wald etwas dichter. Ich ducke mich unter mächtigen Ästen hindurch. Hier ist es dunkler. Aber auch kühler was bei der Hitze eine willkommene Abwechslung ist. Aus dem Schutz der Schatten heraus, kann ich ein Rehkitz sehen. Es steht auf einer Lichtung hinter den dichten Tannen. Es zieht sich zurück. Nicht aus Furcht, eher aus natürlicher Vorsicht. Es hat mich nicht gesehen, wusste aber, dass jemand da ist.

Das Wandern durch den Wald bereitet mir Freude. Egal wie lange ich schon gewandert bin, meine Beine bereiten mir keine Probleme. Gefühlte Ewigkeiten bin ich nun schon unterwegs und ich könnte noch weitere gehen. Vielleicht sollte ich eine Pause einlegen, aber ich habe keine Lust dazu.

Ein Hirsch steht in der Ferne wie festgewurzelt still und beobachtet mich.

Der König des Waldes. Ein wunderschönes Wesen.

Ich grüße freundlich und ziehe weiter meines Weges. Als sich die Sonne senkt erstrahlt der Himmel in feinen Nuancen von Orange bis Weinrot. Das Geäst zu meiner linken gerät in Bewegung. Die Äste teilen sich ruckartig. Ein riesiger Bär stürmt heraus. Er kommt direkt auf mich zu, bleibt aber überrascht stehen als er mich entdeckt. Ich habe mich sehr erschrocken.

Sein Pelz ist so kuschelig und weich. Erst als ich einige Meter entfernt bin, setzt er seinen Weg fort. Er hatte seinen Blick nicht eine Sekunde von mir abgewendet. Ich muss schmunzeln, dass eines der mächtigsten Geschöpfe, gleichzeitig eines der ängstlichsten ist.

Die Dunkelheit nimmt den Wald nun immer mehr in ihren kühlen Griff. Eine Eule leitet in der Ferne mit ihrem Ruf den Beginn der nächtlichen Jagd ein. Leben und Sterben. Auch das ist die Natur. Ein Fuchs macht sich für die Nacht bereit. Füchse mag ich besonders gerne. Diese Tiere sind wahrlich sehr schlau. Vielleicht haben sie aus diesem Grund auch keine Furcht. Er schließt die Augen und genießt meine Streicheleinheiten. Wie eine Katze schnurrt er und drückt sich an mich, nachdem ich ihn wieder runtergesetzt habe.

Plötzlich erstarrt er.

Ja, ich habe es auch bereits bemerkt mein kleiner, orangener Freund.

Mit einem Satz ist er ich nächsten Busch verschwunden. Sie müssen noch weit weg sein, aber ihre Anwesenheit ist spürbar. Ich hoffe sie finden mich nicht. Ich setze mich langsam wieder in Bewegung. Inzwischen ist es stockfinster und jede Begegnung wird von nun an sicherlich mit fürchterlichen Schrecken einhergehen. Sie sind ja nicht zwanghaft böse, aber sie sind dumm, und das macht sie gefährlich.

In der Ferne kann ich etwas ausmachen. Ich glaube das sind sie. Ich nähere mich vorsichtig und lautlos. Sie haben Feuer gemacht. Sie tanzen darum. Ein Feuer, in einem Wald. Sie sind wirklich dumm. Ich möchte nicht dass sie mich sehen. Aber meine Gelassenheit schwindet...

Meine Entspannung schwindet…

Das große Feuer auf der Lichtung lässt kleine Funken in den sternenklaren Nachthimmel schwirren. Ich sehe wie die Äste und Blätter der hohen Bäume um die Lichtung versengt werden. Ein Klirren, gefolgt von Gelächter. Scherben liegen im hohen Gras. Wut macht sich in mir breit. Es sind sechs. Sechs Wesen die so viel Schaden anrichten und es nicht einmal wahrnehmen. Wieder klirren und Gelächter.

Ich hasse Sie!

Ich spüre wie ich mich verändere. Ich will es nicht, doch ich weiß, dass ich nichts dagegen tun kann. Meine Wut gewinnt die Oberhand. Ich trete näher heran. In meinem jetzigen Zustand bewege ich mich lautlos. Ich werde eins mit dem Wald. Ich spüre die Hitze des Feuers. Das Feuer ist natürlich. Es macht mir nichts aus.

Sie hören Musik und tanzen ausgelassen. Sie lachen und küssen sich. Ich sehe mich um. Neben einem dunkelgrünen Pickup, mit dem sie hergekommen sein mussten, liegt etwas in den Büschen. Ich strecke mich hinüber. Es ist Müll. Abfall. Sorglos hingeschmissen.

Ich verändere mich… Sie sind einzig und allein dafür verantwortlich. Als ich an einem kleinen Baum, einige Meter von mir entfernt, wackele, werden sie sofort darauf aufmerksam.

Sie lachen nicht mehr.

Einer der größeren von ihnen stellt seine Flasche auf der Haube des Pickup ab und deutet den anderen sich hinter ihm zu halten. Sie stehen verängstigt beieinander, genau zwischen ihm und mir. Ich werfe einen Stein direkt in das Feuer, wodurch die aufgetürmten Holzstücke mit einem Rauschen zusammensacken und die ganze Gruppe herumfährt. Sie blicken in das Feuer welches tausende kleiner Funken in den Nachthimmel entlässt. Einige blicken mich direkt an, aber sie sehen mich nicht. Sie sehen mich nie.

Sie sollen verschwinden. Den Wald verlassen und nicht weiter ihr Unwesen treiben.

Ich bewege mich durch die Bäume, sorge immer wieder für neue Geräusche und Bewegungen. Panik kommt auf. Ich erkenne es an ihren Gesichtern. Selbst kenne ich das Gefühl nicht.

Zwei von ihnen rennen zum Wagen und springen auf die Ladefläche. Die Ladefläche…

Was ist das?

Nein…!

Schmerz erfüllt meine Seele. Dort liegt etwas. Angefahren und blutverschmiert. Es ist das Rehkitz...

Ich spüre dass es noch Leben in sich hat.

Und sie tanzen und lachen...

Sie haben Spaß...

Sie machen sich nicht die geringsten Gedanken...

Es ist zu spät…

Ich will das nicht, aber es ist zu spät.

Ich bringe mich über das Feuer und lösche es wie eine riesige Kerze, die ausgeblasen wird. Große glühende Holzteile und unzählige Funken verbreiten sich explosionsartig über die gesamte Lichtung. Sie schreien und laufen wild durcheinander.

Es ist zu spät.

Im Schimmer der Glut zeige ich mich.

Sie blicken mich an und es passiert. Das, was immer passiert. Immer ist es gleich.

Sie erstarren, und innerhalb von Sekundenbruchteilen werden ihre Haare schneeweiß und ihre Haut dunkel. Sie können nichts mehr sehen und schreien in Todesangst. Dann löst sich die Starre und sie nutzen ihre letzte Lebensenergie, um die blinde Flucht zu ergreifen. Wie immer, erliegen sie wenige Meter weiter meinem Anblick.

Ich will das nicht.

Ich wollte es nie.

Doch es ist unabbringlich… für das Gleichgewicht in dieser Welt.

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