Deutsches Creepypasta Wiki
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Der Schatten, der Vogel, der Teer. Ein Engel.

Der Wecker klingelte schrill, vibrierte auf dem dunklen Holz des Nachttisches. „Das letzte Mal“, seufzte Nina schlaftrunken. Sie öffnete ihre Augen. Helles Sonnenlicht strahlte ihr entgegen und durch ihr offenes Fenster hörte sie einige Vögel zwitschern. Sie saßen bestimmt im Kirschbaum, direkt vor ihrem Fenster. Nina setzte sich auf und sofort kam das ihr bereits bekannte Gefühl wieder zurück. Nur heute war es so viel stärker als jemals sonst.

Es fühlte sich an, als würde heißer Teer auf ihren Kopf fließen, ihre Gefühle und ihre Gedanken verkleben. Ein Keuchen von Nina: „Ugh“ Ein Donnern erschütterte den Himmel, ein Blitz zuckte durch die Luft und schlug weiter weg ein. Schwarzes Wasser brach durch die Wolken und prasselte auf die Erde nieder. Und mit dem Regen kam ihr die Erkenntnis. „Nichts wird mehr so sein, wie es gestern noch war“, sagte sie mit monotoner Stimme, erhob sich und machte sich auf den Weg zu ihrer Schule.

Sie ließ alles zurück. Ihre Familie, ihren geliebten Hund und ihre Freunde. Das Gefühl, der Teer, er vernebelte und verklebte alles. Mit freien und federleichten Schritten ging Nina den Weg entlang, den sie schon auswendig kannte. Unter ihrem schwarzen Mantel trug sie die Pistole ihres Vaters mit sich. Sie lächelte und summte, bis sie an ihrer Schule ankam.

Durch ihre Hand starben sieben Menschen einen schnellen Tod. Das Kreischen erfüllte die ganze Schule, das Blut schmückte viele Wände. Ein lauter Knall ließ sie zusammen zucken, ihr Körper fiel zu Boden. Trotz der Schusswunde, dem Blutverlust, verstummte ihr irres Lachen nicht. Erst als der letzte Funke Leben aus ihrem Körper schwebte, verstummte das Lachen. Die Überlebenden des Amoklaufes sagten, dass es seltsam war. „Glücklicher habe ich sie noch nie gesehen!“ „Sie sah engelsgleich aus, so strahlend.“

„Sie denken, du warst ein normaler Mensch, Nina“ – „In den letzten Minuten meines Lebens konnten sie sehen, was ich war“, kicherte Nina und lehnte sich gegen einen Felsen. „Ein Engel, voller Hass. Ein dunkler Vogel in der Welt. Der schwarze, quälende Schatten wird nie wieder zu dir kommen, Nina“ – Glücklich seufzte sie. Menschen nannten es Depressionen, die gefallenen Engel nannten es Schatten oder Teer. Das, was sie zum Töten oder Selbstmord animiert. Denn alle wollen nur nach Hause.


Willst du auch nach Hause?

Wolfsmaedchen

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