Fandom


Der Fotograf....

Dies ist also mein Ende. Nachdem ich diese Zeilen geschrieben habe und auch mein Werk vollends vernichtet habe, werde ich von dieser Welt, die mir so wenig bringt, so wenig Freud bereitet hatte, Abschied nehmen.

Der Strick ist zurecht gemacht und wartet nur, sich um meinen Hals zu legen, um das letzte Keuchen aus meiner verdorbenen Seele zu drücken. So als wenn man eine Flasche Ketchup auszudrücken versucht, wo nur noch ein kleiner Tropfen die schon kalt gewordenen Pommes Frittes besudelt. Ein kleiner Schritt nicht weiter - ein Schritt in die Leere des Todes.

Ich hinterlasse eine Welt, die meine Erkenntnis nicht zu teilen vermag. Ich hinterlasse eine Welt voller Ahnungslosigkeit. Was ich gesehen habe, sprengt jegliche Vernunft. Es ist das abgrundtiefe, elende Grauen, wessen wir alle ausgesetzt sind und keiner weiß davon - bis auf meine Person.

Ich kann nicht mehr; doch ich muss es erklären. Es geht weiter und sei gewarnt, werter Leser, die nun kommenden Zeilen werden dich ebenso in den Abgrund ziehen wie mich. Willst Du es denn wirklich erfahren? - nun gut.  Lass mich meine Geschichte erzählen:

Die Kamera bekam ich als Geschenk auf meinem Geburtstag. Es war ein lang ersehntes Päckchen gewesen. Ich machte das Papier auf und achtete nicht darauf, dass es dabei völlig zerrissen wurde. Meine Freunde standen um mich herum. Jeder war gespannt auf meine Reaktion und allen fiel ein Stein vom Herzen, als sie merkten, dass ich mich überglücklich dabei fühlte, jetzt der stolze Besitzer einer Spiegelreflex-Kamera zu sein. Heute verfluche ich jenes "Ding" was ich damals erhalten hatte.

Ich legte eine Speicherkarte ein und schon machte ich mich auf, die Geburtstagsgesellschaft zu fotografieren. In allerlei Posen lichtete ich Sie ab und ich freute mich über mein neues "Spielzeug", wenngleich es wohl mehr ein Werkzeug war.

Als es spät wurde und die letzten Gäste das Haus verlassen hatten, wollte ich natürlich gleich die Fotos in meinem Computer hoch laden und die Bilder auf den großen Bildschirm betrachten. Was ich an jenem Abend erblickte, lies mein Blut in den Adern gefrieren. Mein Gott! WAS WAR DAS?

Die Bilder zeigten meine Freunde, wie sie alle in guter Laune Cola, Bier und Wein tranken und hier und da sich gegenseitig "anlachten". Eine ausgelassene Stimmung eben - eine Stimmung die eigentlich nicht hätte besser sein können. Ich sah die Bilder noch vor mir, vor meinem geistigen Auge. Es waren Bilder die auf dem ersten Blick recht harmlos wirkten, doch auf dem zweiten Blick, offenbarten Sie das, was mich heute zu diesem drastischen Schritt verleiten lässt.

Es waren nicht meine Freunde die anders waren. Es war "etwas" anders auf diesen Bildern. Inmitten dieser Partygesellschaft stand "ETWAS", was direkt in die Linse zu starren schien. Ja es blickte direkt in die Kamera und ich konnte schwören, dass es nicht menschlich war!

Ein Schatten - eine Kreatur? - mehrere Schatten, viele Kreaturen! Sie waren überall, auf jedem Foto. Es waren Geschöpfe der gefürchteten und erbarmungswürdigen Hölle. Dämonen, Geister, Monster! Abscheulichkeiten, die meine Seele für immer verdarben.

Keiner meiner Freunde hatte sie bemerkt. Keiner hatte eine Ahnung davon, was sich unter uns gemischt hatte. Auf eines der letzten Fotos konnte ich erkennen, dass sich eine dieser Gestalten - es war ein riesenkrötenähnliches, buckliges, schleimiges Geschöpf - auf meine Position zu bewegte. Ich konnte das sagen, weil dieses Wesen von Foto zu Foto immer größer wurde und alsbald das gesamte Bild ausfüllte. Doch es schien das letzte gewesen zu sein, denn danach folgte nichts mehr. Die Speicherkarte war voll.....

Ich dachte erst daran, dass einer meiner Kollegen sich einen üblen Scherz erlaubt hätte. Doch dies war ein absurder Gedanke oder? Wie hätten meine Freunde dies machen sollen? Meine Gedanken führten zu nichts, denn es war praktisch unmöglich gewesen, hier eine Manipulation zu bewerkstelligen. Außerdem waren die Bilder in der Kamera auf den kleinen Bildschirm ja zu sehen - doch da war nichts.... absolut nichts!

Was wäre wenn das nicht alles doch wahr sein sollte? Werden wir von Dämonen beobachtet? Hat diese Kamera die Möglichkeit sie zu sehen? Die Anderen. Die... die mir eine Angst in die Seele brannten. Das Entsetzen was, so hoffe ich, bald enden wird.

Ich beschloss meine Vermutungen zu testen und wollte ein "Selfie" von mir machen. Ich stellte die Kamera auf ein Stativ und regulierte die Zeit, Blende und Iso und nahm den Funkauslöser in die Hand. Ich war bereit das zu ergründen, was wohl noch niemand vor mir hätte getan, wenn er nicht diese schrecklichen Wesen gesehen hätte. Der Gedanke etwas zu sehen, was ich nicht sehen wollte, schoss in mir hoch und ich musste mir selbst Mut zusprechen. Was würde wohl nach dieser Aufnahme auf mich warten?; würde überhaupt was auf mich warten?

Ein Klick und ein kurzes Piepen... nichts weiter mehr.

Bei der Aufnahme konnte ich einen leichten Luftzug wahrnehmen. Einen Atem? Es war nicht lange etwas bei mir, was sich offenbar in meiner Nähe befand. Ein kurzer Moment des Unbehangens und dann war alles wieder ruhig. Etwas benommen stand ich auf und öffnete die Kamera und holte den Speicherchip raus. Setzte mich an meinem Computer und lud die Dateien hoch.

Es war nur ein Klick und schon öffnete sich das Bild. Ich sah es an.... nein... ich starrte es an! Andere mögen mir nun verzeihen und wenn euer Leben noch einen funken von Verstand beherbergt, dann lest, um Himmels Willen, nicht weiter! Ich hätte es nicht tun dürfen und die Tatsache, dass ich euch nun davon berichte, sollte als Warnung gelten, niemals zu nahe an dem gekommen zu sein, was ich habe fast berührt.

Auf dem Foto war eine Kreatur. Doch es war keine Kröte oder ähnliches. Es war noch nicht einmal besonders abscheulich - nein - ES war menschenähnlich und glich MIR in vielerlei Hinsicht. Mein Geist weigerte sich daran zu glauben; doch es ist eben so, wie das Bild es zeigte. Ich hatte in das geblickt, was wir als Seele bezeichnen! Ein wahr gewordener Albtraum.  Auf meinem Foto war ich neben einer dieser Seelen, Monster, oder Kreatur die mein Abbild darstellen sollte. Es war eine bleiche, ausgemergelte Gestalt mit einem großen Kopf, dort wo eigentlich ein Gesicht hätte sein sollen, klaffte ein rötlich, schwarzes Loch. Der Kopf hatte nur Ohren und  das klaffende Loch, war dicht an meinem Ohr. Ich wusste nun, woher dieser Luftzug gekommen war und ich wusste nun, was ich jetzt zu tun hatte.

...der Strick .....DER STRICK.......

ENDE

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