Deutsches Creepypasta Wiki

Während meines Kontrollganges durch die Gegend habe ich beobachtet, wie unser Essen geliefert wurde. Zu meinem Glück hat niemand Fremdes mein Territorium betreten. Es war ein befriedigender Rundgang, entlang an den Mauern meines schönen Gefängnisses.

Wir hören unserem Meister aufmerksam zu und dadurch erfüllen wir unsere soziale Pflicht gegenüber ihm. Unser Meister redet immer so freundlich und voll Hingabe mit uns. Aber insgeheim glaube ich, dass er böse ist, denn hin und wieder verschwindet einer aus meiner Familie, ohne ersichtlichen Grund, für immer. Wir sehen unsere armen Verwandten nie wieder. Die Tage davor sieht er immer besorgt aus, als ob er sich über etwas den Kopf zerbricht und einige schwierige Entscheidungen treffen muss.

Unser Herr streichelt uns sogar manchmal durch unser schönes Gefieder. Nicht jeder von uns mag das, jeder hat da seine Vorlieben, wie man ihn oder sie streicheln soll. Jemand, der sich nicht dran hält, wird halt gebissen, mal fester mal leichter. Der Herr tut immer so verletzt, wenn wir ihn mal beißen, dabei weiß unser Meister, wie wir es mögen. Wie kann man so etwas Mächtiges ernsthaft verletzen? Es ist unmöglich!

Sobald unser Herr geht, verschwindet er hinter einer unüberwindbaren Mauer. Ganz selten ist das Tor geöffnet. Es ist so groß hinter der Mauer und alles ist so fremd, auch wenn ich oft weglaufen möchte, weil es hier einfach zu eng ist. Dort draußen ist es böse, da will dich alles fressen, wenn du nur kurz nicht auf dich aufpasst. Es wird noch schlimmer, wenn etwas dich ableckt und dann wedelt es noch so bedrohlich mit dem Schwanz. Das schlimmste ist, dass es ein paar Köpfe größer. Das ist richtig gruselig, dazu diese spitzen Zähne. Es geht ein eiskalter Schauer durch mich durch, bei dem Gedanken daran, als ich im Draußen war. Es ist nun eine Ewigkeit her, mindestens 50 Sonnen. Da bin ich entflohen und weit weg gelaufen und hatte Angst, da wurde ich abgeschleckt, da sah es bedrohlich aus... Nach einer kurzen Zeit ist mein Herr zu meiner Rettung gekommen und hat beruhigend auf mich eingeredet. In meinem Mauern, war ich wieder sicher. Und werde niemals wieder versuchen zu flüchten, egal, ob das Tor offen steht , oder nicht.

Ich habe Angst, der Nächste zu sein. Wir sind nun alleine, ohne den Schutz des großen. Erst hat es Jonas, Petra und Felix erwischt. Sie sind einfach eines nachts verschwunden, als ob die Erde sie verschluckt hätte. Gestern wurde mir mein geliebter Partner Horst genommen. Wie immer, wenn einer von uns verschwand, war dieses große Wesen unglücklich und hat geweint, während es einen von uns im Arm gehalten hat oder einfach nur da stand, mit fließenden Tränen seinen großen runden Augen. Sie alle sind in nur fünf Sonnenwanderungen verschwunden. Ich habe Angst und eine riesige Menge Wut in mir. Ich werde den finden, der mir meinen geliebten Horst entrissen hat! Ich hoffe ihm geht es gut, wo auch immer hingebracht wurde… Er war so einfühlsam und immer so sensibel und zärtlich.

Ich muss mich konzentrieren und nachdenken, wie das alles passiert ist.

Vor einer Sonne war er noch da, ich habe seine starke männliche Stimme vernommen und mich noch ein wenig an ihm eingekuschelt. Horst meinte, er müsste noch einen Rundgang machen, irgendwas gefiel ihm hier nicht. Als er ging, fehlte mir seine Wärme neben mir.

Es war noch sehr dunkel draußen. Ich dachte mir da nichts bei, da er öfters solche Phasen hatte und nie etwas passiert war. Horst ist einfach etwas übervorsichtig und das mag ich an ihm, auch wenn es hin und wieder meine Zeit mit ihm verkürzt. Nun ist er weg… Ich bin alleine mit der ganzen Verantwortung für unsere große Familie, wie konnte es nur so weit kommen? Reiß dich zusammen, reiß dich zusammen. Ich muss einen kühlen Kopf bewahren.

Erstmal meine Morgen-Fitness machen und dann denke ich weiter über das alles nach. Ich werde mit allen nochmal reden müssen. Seitdem Horst nicht mehr bei mir ist, kann ich nicht mehr schlafen und patrouilliere sehr oft, wenn die Sonne entschwunden ist. Heute ist etwas ungewöhnliches passiert, ich habe Leo dabei beobachtet, wie er einfach eine kurze Ewigkeit in den dunklen Himmel gestarrt hatte und dabei nicht auf Rufe reagiert hatte… Nach einiger Zeit des Beobachtens habe ich ihn angesprochen, ihn angestupst, etwas gekniffen und musste Leo an Ende komplett umschubsen, um ihn aus seiner Apathie zu lösen.

Musste ihn mit aller Gewalt zu der ich fähig bin, schubsen, um ihn aus dieser Trance zu bekommen. Ich hatte ihn dann angeschrien, damit er bei mir bleibt und nicht weiter nach oben starrt oder andere komische Dinge macht. Leo war schon immer etwas merkwürdig, der hielt sich immer abseits und beteiligte sich kaum bei uns in der Familie. Kurz: er ist ein Sonderling, nur kein so großer Sonderling, dass er den Mondgott anbeten und seine Familie einfach im Stich lassen würde.

Ich putze ihn ein wenig, bis er wieder voll ansprechbar ist, aber er kann mir nichts Neues sagen. Alles, was ich aus ihm herausbekomme , ist dass er sich nicht daran erinnert, was er hier macht und warum er in der Finsternis auf dem Hof steht. Er glaubt, er hätte geträumt. Einen schlimmen Alptraum gehabt, in dem er nur durch Dunkelheit rennt und ihn ein Schatten jagt wird.

Ich brachte meinen Schützling nach Hause und habe ihn bei den Frauen gelassen, sie sind schon immer besser im Trösten gewesen, als ich es je sein werde. Ich frage sie später, ob sie mehr über diesen Traum erfahren können, aber sie konnten mir auch nichts Neues zu seinen Albtraum und sein merkwürdiges Verhalten sagen. Durch diese Ereignisse habe ich meinen Schlaf rationiert, damit ich die ganze Nacht wach bleiben kann. In dieser langen Dunkelheit ist nichts passiert. So vergehen mehrere Tage und dadurch bin ich schließlich so übermüdet, dass ich glaube, einen herum huschenden Schatten zu sehen und zwar überall. Egal wohin ich gehe, da sind auch diese schrecklichen Schatten.

Wenn ich länger darauf schaue, wachsen auf den größeren Schatten kleinere Schatten. Ich bin verrückt geworden. Einfach verrückt geworden. Diese Schatten wachsen immer mehr in meine Richtung. Ich sollte ein wenig schlafen, ich hoffe das hilft... Ich bin nun seit mehreren Tagen fast ausschließlich wach und wenn ich einschlafe, habe ich schreckliche Alpträume, ähnlich wie der, den Leo hatte. Ich erwache nach einigen Minuten aus diesen Träumen. Da bin ich jedes mal völlig am Ende mit meinen Nerven. Es nagt an meinen Kräften.

In meinem Traum bin ich in einen dunklen Stall und alle meine Freunde und Familienmitglieder sehen irgendwie schattenhaft und verschwommen aus, wie im Nebel. Dabei höre ich eine Stimme etwas in einer disharmonischen , düsteren Melodie singen, was ich nicht verstehe, aber es hört sich alt und mysteriös an. Es klang etwa so: „ Fithos Lusec Wecos Vinose“ , mehr konnte ich mir nicht merken, bevor die Szene sich verändert hat. Im Traum greife ich einen Schatten an, mit der Absicht, ihm ein Auge oder was anderes aus zu picken.

Ich tue das, damit ich meinen geliebten Horst rächen kann. Ich treffe immer nur einen Schatten, der keinen Schaden nimmt, und mich immer wieder schadenfroh auslacht, wenn ich den Boden treffe. Und so picke ich ein Paar mal auf den Boden, bevor ich weiter versuche dem Schatten das Leben zu nehmen. Dem wurde dieses Spiel zu langweilig.

Dieser packt mich und wirft mich gegen den Zaun meines Geheges, dabei verschwimmt meine Sicht für einen kurzen Moment stark. Es tut sehr weh, aber die überschattete Sonne geht genau in diesem Moment auf und der Schatten wirkt, als ob er Schmerzen hat. Ich wurde dadurch motiviert, versuche ihn weiter anzugreifen und plötzlich war er weg. Verschwunden. Wo bist du, schrie ich auf mit Hass in meiner Stimme. Gefrustet laufe ich im Traum hin und her. An diesem Punkt wache ich spätestens wieder auf.

Tagsüber kann ich besser schlafen, da sind die Träume nicht so intensiv.

Es ist dunkel draußen, obwohl es helllichter Tag sein sollte, es sieht so aus, als ob der Mond die Sonne verschluckt. Ich stelle mich mutig zur Tür, bereit, meine Familie zu beschützen. Ich habe große Angst, versuche sie aber irgendwie zu unterdrücken, so dass niemand merkt, wie sehr ich zittere und mich fürchte. Es klappt nicht sonderlich gut.

Es taucht ein großer Schatten auf, wird immer größer, je stärker die Sonne vom Mond verdeckt wird. Dieser stürzt sich auf mich und schluckt meine Existenz im Ganzen. Nun ist es dunkel und ich höre Schreie von vielen Wesen, die sich alle nicht bewegen können. Den einen Schrei erkenne ich wieder, er ist so jämmerlich schwach. Das ist Horst. Ich renne in seine Richtung und merke, wie mit jedem Schritt den ich auf Horst zu gehe, mir meine Kraft genommen wird.

Die Polizei untersucht diesen Vorfall. In dem Bericht steht, dass auf dem Bauernhof jedes Tier aus unerklärlichen Gründen verstorben ist. Jedoch gibt das Bild von 2 Hühnern, die zusammengewachsen sind, ein großes Rätsel auf. Unter den zwei Hühnern, steht im Sand: „Horst und Andreas, auf ewig in Liebe geeint“.

Dieser Bericht wurde sehr schnell durch einen falschen ersetzt und nun heißt es offiziell, der Hofbesitzer habe jedes seiner Tiere getötet. Kurz nach der Veröffentlichung des Berichtes, sind ein paar Männer in dunklen Anzügen auf den Hof gekommen. Diese Männer sahen aus, wie von irgendeinem Geheimdienst, wie dem FBI, KGB oder von Interpol. Der verzweifelte Besitzer, dieses Hofes ist, freiwillig mitgekommen, da Sie ihm eine faire Behandlung versprochen haben.

Sie haben den Mann an einen Standort gebracht, der nicht öffentlich genannt werden darf. Nach dem Verhör hat der unschuldige Besitzer ein Amnestikum bekommen und wurde von den 2 Agenten wieder auf sein Land gebracht, mit einer Ordentlichen Entschädigung. Der Hof war in der Zeit von allen Spuren bereinigt worden. Es wurden keine Anormalen Werte auf diesem Hof vernommen. Dieses Grundstück steht nun unter Beobachtung der Foundation.