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,,Und du bist sicher, dass das funktioniert, David?"

,,Warum nicht? Bei den Tests hat doch auch alles einwandfrei geklappt oder?"

,,Ja schon, aber meinst du echt, dass es an der Zeit es, die Maschine mit einem Menschen zu testen?"

,,Du wirst das schaffen Kumpel."

,,..."

,,Hör mal ich weiß du hast Angst und das kann ich verstehen. Immerhin schleudert dich diese Maschine nicht irgendwo hin, sondern zerlegt dich in deine einzelnen Atome, das ist beängstigend, wenn man erst einmal weiß, dass es so kommen wird, aber du schaffst das. Hat der Apfel braune Stellen bekommen, als wir ihn von der Maschine aus in den Kühlschrank befördert haben? Hat die Ratte sich verletzt als sie von der Maschine aus wieder in ihren Käfig verfrachtet wurde? Oder hast du etwa eine Veränderung bei dem Affen bemerkt, als er seine Reise beendet hatte?"

,,Nein..."

,,Nein, ganz genau! Und deshalb brauchst du jetzt auch keine Angst davor zu haben, dass etwas schief gehen könnte. Gut du bist schwerer und vor allem massiger als die anderen Lebewesen, aber es ist ja nicht so, dass die Maschine nicht auch mit Leichtigkeit einen Schrank transportiert hat."

,,Du hast recht..."

,,Na also geht doch."

,,Ich weiß nicht ob ich von diesem technischen Fortschritt begeistert oder verängstigt sein soll."

,,Was meinst du?"

,,Naja, hast du dir als Wissenschaftler noch nie Gedanken darüber gemacht, dass es vielleicht Grenzen gibt, deren Überschreitung keinem Menschen vorbehalten ist? Etwas, das so weit jenseits unserer Vorstellungskraft liegt, dass wir selber es nie begreifen könnten, es aber dennoch unser aller Leben beeinflussen könnte, wenn wir diesen entscheidenen Schritt wagen sollten?"

,,Jeden Tag, Theodor, jeden Tag. Aber weißt du woran ich noch denke?"

,,Hm?"

,,An den Ruhm, den Reichtum, die Anerkennung und dieses Gefühl der Überlegenheit. Wir haben es gemeinsam durch die furchtbar trockenen Vorlesungen von Prof. Kast geschafft, haben unseren Doktor in Physik gemacht und nun sind wir dabei, über die Grenzen eben dieser Physik zu schreiten. Die menschliche Neugier lässt sich nicht stillen. Der Drang nach Wissen hat uns die erstaunlichsten Dinge tun lassen. Er hat uns die Ozeane überqueren lassen, hat uns Flügel verliehen, um wie Vögel durch den Himmel zu gleiten und er hat uns sogar auf dem Mond spazieren lassen. Das hier ist nur eine von vielen Grenzen die der Mensch auch in Zukunft weiterhin hinter sich lassen wird."

,,Du hast recht."

,,Natürlich hab ich das, ich habe schließlich studiert, haha."

,,Ja, Bescheidenheit war schon immer deine Stärke. Nicht auszudenken, wie du dich aufplustern wirst, wenn das hier wirklich Erfolge nach sich ziehen sollte, haha."

,,Eigentlich will ich mich, wenn das hier alles erst einmal öffentlich geworden ist, nur zum alten Donald transportieren. Du weißt schon, mein alter Klassenlehrer in Kunst, der meinte, dass nie was aus mir wird und ich nie etwas Relevantes erschaffen könnte? Ich werde mich vor ihm aufbäumen, ihm in die Augen schauen und sagen, dass das was ich erschaffen habe, ALLE Kunst dieser Welt in den Schatten stellt. Dann werde ich verschwinden und er muss den Rest seines wohl noch recht kurzen Lebens mit der Gewissheit leben, dass er den größten Erfinder aller Zeiten einen Taugenichts genannt hat."

,,ZWEITgrößten Erfinder, haha."

,,Bitte, ich will ja nicht arrogant sein; ich gebe mich auch gerne mit einem verdienten zweiten Platz zufrieden."

,,Wie überaus edel von dir."

,,So bin ich nunmal, aber bild dir nicht zu viel ein. Sobald das Ganze hier an die Presse gerät, werde ich ein wenig mehr Gleichstellung von dir einfordern."

,,Was hier vor mir steht, stammt nicht von dir oder von mir. Es entspringt einzig und alleine unserem brillianten Geiste."

,,Hey. Bevor du da rein gehst..."

,,Ja?"

,,Danke. Danke, dass du mir all die Jahre solch ein guter Freund gewesen bist."

,,Du meine Güte, so wie du redest und mich mit diesem Blick ansiehst, könnte man glatt glauben, dass das hier ein Abschied werden soll."

,,Ach quatsch... Also, bist du bereit?"

,,Positiv."

,,Keine Kleidung mehr, gar nichts?"

,,Nackt, so wie der Herr mich schuf."

,,Gut. Wir wollen ja nicht, dass du den Rest deines Lebens dieselbe Unterhose trägst, haha."

,,Grässlicher Gedanke."

,,Okay, rasiert hast du dich auch, der Schmuck ist ab... Achja, teste unbedingt ob sich irgendein Fremdkörper in der Maschine befindet. Wir wollen das hier nicht in einem Cronenberg-Film enden lassen."

,,Alles sauber."

,,Okay, dann steig jetzt ein... gut."

,,Ein kleiner Schritt für mich,..."

,,...aber ein verflucht großer Sprung für die Menschheit und der Traum eines jeden Trekkie, der nun endlich in Erfüllung geht."

,,Puhh..."

,,Atme ganz ruhig, es wird alles gut laufen."

,,Alles wird gut... alles wird gut... alles wird gut..."

...

...

,,Etwas stimmt hier nicht... irgendetwas - David!"

,,Was?! Ich kann kein Wort verstehen, die Maschine ist so laut!"

,,Ich... Oh Gott... Was passiert mit mir?! Hilfe! David!!!"

,,Beruhige dich, es wird alles gut!"

,,Nein... etwas, etwas ist falsch hier...! Ich muss... ich muss hier raus!"

,,Theodor, nein! Die Maschine läuft bereits, du kannst nicht aus ihr raus!"

,,Dann schalte sie ab!!! Ich - ich will nicht mehr hier drin sein! Bitte!!! Hilf mir! Ich habe Angst! Es wird was Schreckliches geschehen, so glaub mir doch! Bitte, du musst mir he..."

...

...

...

...

,,Ja, hallo, David hier?"

,,David? Hier ist Jenna."

,,Hey, wie gehts dir denn so. Hab ja schon eine Weile nichts mehr von dir gehört."

,,Hör zu ich habe keine Zeit für Smalltalk, irgendetwas stimmt hier nicht."

,,Wieso, was ist denn los?"

,,Theodor ist gerade nach hause gekommen."

,,Ja und?"

,,Ich habe ihn nicht durch die Tür kommen hören und glaub mir, jeder hört diese Tür wenn sie geöffnet wird, sogar bei der noch so lautesten Party, würde ich dieses entsetzliche Knarren aus dem Lärm heraus hören. Aber, er ist nicht durch die Tür gekommen. Er - er war einfach plötzlich im Schlafzimmer."

,,Jenna? Wir hatten Erfolg..."

,,... D-Du meinst?"

,,Ja. Wir haben es geschafft Jenna. Es hat funktioniert."

,,Oh mein... Gott! Mein Gott, d-das verändert einfach alles!"

,,Ja! Er wollte unbedingt, dass du es als erstes weißt und hat sich deshalb eine ganz besondere Überraschung überlegt."

,,W-Was denn?"

,,Er sagte mir er wolle dich zum Essen einladen, nachdem er dich in Empfang nimmt... Er sagte, er wolle überall Rosenblätter verteilen und solch kitschiges Zeug. Hat er das denn nicht getan?"

,,Hör zu, deshalb rufe ich dich an - vermutlich hätte ich es selbst dann getan, wenn er ganz normal durch die Tür gekommen wäre."

,,Was ist denn los?"

,,Er - er ist anders, David."

,,Wovon redest du da?"

,,Wenn ich es dir doch sage - er benimmt sich total merkwürdig. Er sitzt im Schlafzimmer auf dem Boden und starrt ununterbrochen die weiße Tapete gegenüber unseres Bettes an..."

,,W-Was?"

,,Ich verstehe es nicht. Warum macht er das? Er hat seit seiner Ankunft weder mit mir gesprochen, noch hat er mich auch nur eines einzigen Blickes gewürdigt. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm, David."

,,Du bist doch Ärztin, hat er vielleicht einen Schock vom Transfer?"

,,Nein, das ist kein Schockzustand in dem er sich befindet, David. So ein Verhalten habe ich bei ihm noch nie gesehen. Es ist so als wäre er in einer vollkommen anderen Welt und hätte lediglich seinen Körper hier gelassen."

,,Mein Gott... Bist du gerade bei ihm?"

,,Ja. Er starrt noch immer die Wand an... ... er blinzelt noch nicht einmal."

,,Ruf lieber einen Arzt."

,,Der würde auch keine andere Diagnose stellen als ich."

,,Du hast doch überhaupt keine Diagnose aufgestellt."

,,Und das ist es ja was mir gerade solche Sorgen bereitet, verdammt! Etwas ist falsch gelaufen bei eurem Experiment. Er scheint mich ja nicht einmal wahrzunehmen. Er merkt nicht mal, dass ich direkt neben ihm stehe."

,,Und was wenn du ihn berührst?"

,,Ich versuchs... Hey Theo, was ist los? Baby? Bitte sag es mir und sieh mich a... ahhhhh!"

,,Jenna? Jenna?!"

,,Um Gottes Willen, was hat diese Teufelsmaschine ihm nur angetan?!"

,,Wovon redest du da?! Verdammt nochmal Jenna, wovon redest du da?!"

,,Seine... Augen... Du hättest seine Augen sehen müssen."

,,Jenna, wo bist du?"

,,Im Flur. Ich hab ihn eingeschlossen."

,,Was? Warum hast du das getan?"

,,Weil das da drinnen nicht Theodor ist..."

,,Was... natürlich ist das Theodor, wovon sprichst du denn da?"

,,Das ist nicht mein Theo... Das... das ist er nicht..."

,,Jenna, da drinnen in diesem Zimmer sitzt dein Mann und er hat ein ernsthaftes Problem. Bitte geh jetzt zum Telefon und ruf ihm einen verfluchten Krankenwagen!"

,,Ich bin seit über elf Jahren mit Theodor verheiratet und ich kann dir vergewissern, dass er nicht der Mann ist, der hinter dieser Tür sitzt und mich eben mit diesem kalten Blick angestarrt hat. Es war als... als wüsste er nicht wer ich bin - was ich bin... wer er ist oder was er ist. Diese Maschine hat irgendwas mit ihm gemacht. Etwas Furchtbares."

,,Bitte Jenna, wenn du schon keinen Arzt rufen willst, dann alarmiere wenigstens die Polizei, bevor noch ein weiteres Unglück geschieht."

,,... Was...?"

,,Jenna? Was war das für ein Geräusch?"

,,Glas... Er hat den Spiegel zerbrochen."

,,Mein Gott, er wird doch nicht... Jenna, hilf ihm!"

,,Ich versuche es ja, aber er muss die Tür verkeilt haben ich... Ahhhh! Theo!!! Oh mein Gott! Oh nein, nein, nein, nein, nein! Bitte nicht. Baby... bitte wach auf, bitte wach auf, es tut mir leid, ich wollte dich nicht alleine lassen, ich wollte dich nicht einsperren, ich wollte dich doch nur in Sicherheit wissen, bis ich erfahren hätte, was ich tun soll... Theo... wach auf. Komm schon! Wach auf! Bitte! Bitte! Theo!!!"

...

...

...

...

,,Ich betrauere in dieser Nachricht meinen erst kürzlich verstorbenen Kollegen und zugleich besten Freund, Theodor Bennett. Da die genauen Hintergründe seines Todes noch immer ungeklärt sind, möchte ich sie hiermit nun genauer begründen. Vor ungefähr dreieinhalb Wochen, haben ich und Theodor eine Maschine getestet, die es materiellen als auch organischen Massen möglich werden ließ sich von einem Ort an den anderen zu befördern ohne dabei von der naturgegebene Fortbewegung Gebrauch zu machen. Ihre Funktion war es den zu transportierenden Gegenstand in seine Atome zu zerlegen und an einem anderen, deutlich weiter entfernten Ort, wieder zusammenzusetzen. Der Zielort Theodors lag etwa 20 Meilen von unserem Labor entfernt. Obwohl die Tests an Gegenständen und sogar an Tieren keine Nebenwirkungen offenbarten, benahm sich Theodor nach seiner Ankunft überaus seltsam und nur 20 Minuten nachdem die Maschine ihn befödert hatte, nahm sich mein bester Freund das Leben.

Jenna, seine Frau, hat seit unserem Telefonat, das wir kurz nach Theodors Ankunft und sogar während seines Selbstmordes führten, nicht mehr mit mir gesprochen und ich kann sie dabei voll und ganz verstehen. Über drei Wochen lang habe ich nun kaum geschlafen und mir das Hirn zermatert auf der Suche nach einer Erklärug für das was geschah. Anhand einiger Beobachtungen die Jenna an ihm feststellen konnte, während Theodor noch lebte, habe ich eine Theorie darüber aufgestellt, was mit ihm geschehen sein könnte.

Er sprach kurz vor seiner Reise davon, dass es vielleicht unklug sei gewisse Grenzen zu überschreiten und ich glaube nun, nein, ich bin davon überzeugt, dass er recht hatte. Letztendlich waren es jedoch nicht die Regeln der Physik die ihn töteten, sondern er selber, was in mir die Frage aufkommen ließ: Weshalb? Er hatte alles und doch gab er sein Leben auf. War all dies vielleicht nur eine Seifenblase für ihn, die von einer auf die nächste Sekunde geplatzt war? Nein, ich glaube nicht. Als er in der Maschine war, hatte er Angst - panische Angst. Ich weiß nun weshalb. Er spürte wie ihm etwas entglitt, sich von ihm entferte und auf ewig zu verschwinden drohte. Etwas, dessen Abwesenheit ihm den Lebenswillen raubte und ihn nicht als den Menschen der er war, sondern als leere Hülle bei seiner Frau ankommen ließ.

All die Jahre der Forschung, in denen wir darauf achteten, dass bei der Zerlegug in die einzelnen Atome nichts schiefgehen konnte. Über so einen langen Zeitraum hinweg haben wir es perfektioniert und auf jedes Detail geachtet. Wir wollten, dass die Menschen in genau dem Zustand an ihr Ziel gelangten in welchem sie sich beim Start befanden. Theodor wurde optisch gesehen perfekt hinüber transportiert, so wie wir es jahrelang vorbereitet hatten, doch einen Punkt hatten wir in unserem Wahn, die Physik zu überlisten, nicht bedacht... Nämlich, dass man zwar einen Menschen in Atome spalten und teleportieren konnte - nicht jedoch seine Seele...

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