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<nowiki> </nowiki>"Kinder. Geht niemals alleine Richtung Waldrand. Verlasst niemals den Wald. Hütet euch vor den Menschen."
 
<nowiki> </nowiki>"Kinder. Geht niemals alleine Richtung Waldrand. Verlasst niemals den Wald. Hütet euch vor den Menschen."
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Aktuelle Version vom 15. April 2019, 00:19 Uhr

Ich erinnere mich, als wäre es erst gestern gewesen, wie ich mich stets zwischen meinen Geschwistern gekuschelt hatte und wir gemeinsam den Geschichten lauschten, welche uns Vater erzählte. Die frühesten Erzählungen, handelten von fernen Orten, und all ihrer Pracht. Über einzigartige Naturphänomene und deren mythischen Entstehungsüberlieferungen.

Doch nur noch vage erinnere ich mich an derartige Beschreibungen, geschweige denn an Details. Lediglich dass sie mich erfreuten, bis mein Vater mit der Zeit begann, uns mit anderen Geschichten zu konfrontieren, mit dem Ziel uns zu warnen. Verstörende Geschichten, welche die zuvor unterhaltenden Erzählungen nach und nach verblassen ließen.

Geschichten über Nahrung, die wir nicht essen sollten, da sie giftig oder krankheitseregend sei. Geschichten über Fremde, denen wir nicht trauen oder gar folgen sollten. Geschichten über Bestien, die draußen lauern sollen. Diese uns zwar ähnlich seien, aber uns auf verschiedene Arten ins Verderben stürzen würden.

Aber am schrecklichsten waren die Schauermärchen über grauenvolle Bestien, welche einen auf eine unvorstellbare Art überfallen würden. Schnell und gnadenlos mit einer Kraft, welche nicht von dieser Welt sein konnte. Unnatürlich. Abnormal. Paranormal.

Wer diese Bestien erblicken sollte, sei dem Tod geweiht und wer das Glück erhaschte, sich ihnen doch noch zu entziehen, hatte damit ein schlimmeres Schicksal erwählt, welches permanent das restliche Leben in Angst und Ungewissheit wiegte und einen zwang endlos fortzuschreiten, in der Hoffnung einen Ort zu finden, indem es die Bestien nicht gab. Zumindest noch nicht.

Essenziell für Vaters Gruselgeschichten war dabei meistens der Wald. Abschließend warnte er uns stets mit den Worten:

"Kinder. Geht niemals alleine..."

Dieses eine und letzte mal unterbrach er seinen Satz. Wir hörten ein lautes, hallendens Geräusch. Es folgte ein gequälter Schrei, der jedoch schnell erlosch. Es war Mutter. Sie war draußen gewesen. Vater zerrte uns ebenfalls nach draußen. Er befahl uns schnellstmöglich wegzulaufen. Anfangs vor Schock erstarrt, hörten wir brüllende Stimmen, welche sich uns aus der Ferne näherten. Dann rannten wir von dem Überlebenswillen angetrieben, welcher in uns allen schlummert, davon. Dies war der letzte Tag an dem ich meine Eltern und Geschwister sah.

Und nun bin ich es, der seinen Kindern nicht mehr die Geschichten über einzigartige Naturphänomene und deren mythischen Entstehungsüberlieferungen erzählt. Und erneut schließe ich die heutige Märchenstunde mit den warnenden Worten meines Vaters ab:

"Kinder. Geht niemals alleine Richtung Waldrand. Verlasst niemals den Wald. Hütet euch vor den Menschen."

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