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Westfront Östlich von Sedan, Belgien, 10/11.11.1918

Wir näherten uns im Dunkeln den Französischen Linien und warteten darauf eine Bewegung zu sehen. Die Franzosen, welche vor wenigen Stunden noch wie wild geschrien und um sich geschossen haben waren still. Nicht ein Mann war zu sehen. Es wurde kälter je näher wir den französischen Linien kamen und dunkler. Ich kann mir es nicht erklären, aber als wir den französischen Graben erreichten sah ich keine Sterne mehr, obwohl wir vor weniger als 30 Minuten bei klarem Sternenhimmel aufgebrochen sind. Leutnant Steiner gab den Befehl in den französischen Graben zu steigen, da dieser leer war, wie wir dachten. Ich rollte mich in den Graben um eine möglichst kleine Zielfläche für mögliche französische Soldaten zu bilden, wurde jedoch von einer klebrigen Flüssigkeit am Boden des Grabens überrascht. Es fühlte sich warm an, das einzige was hier irgendeine Form von Wärme besaß. Der Gefreite Gold stieg mir hinterher, vor Schreck begann er zu schreien, wer kanns ihn bei seinen 16 Jahren auch verdenken.

"Auf Angriff vorbereiten und Klappe Gold." , schnauzte uns Feldwebel Günther an.

Ein Gefreiter, dessen Name ich mir bisher noch nicht gemerkt hatte begann zu schreien. Als ich mich umdrehte sah ich nur noch wie er von irgendwas in die Dunkelheit gezogen wurde. Im nächsten Moment wurde es wieder still und jeder von uns wusste, wir sind nicht allein. Mir kam die Frage was wohl mit den Franzosen passiert ist die hier noch heute Morgen die Stellung hielten. Ich weiß nicht was mich dazu brachte meine Hand genauer anzusehen, jedoch bemerkte ich, dass die Flüssigkeit vom Boden den Grabens immer noch daran hing. Es war eine schleimige klebrige Masse. Ich sah zu meinen Füßen und erkannte die Reste eines Abzeichens eines französischen Soldaten, die Franzosen waren tot und wenn es so weitergehen würde wir auch.

Es wurde kälter, immer kälter und dunkler. Meine Kameraden begannen zu schreien immer lauter und lauter. Ich hörte sie rennen. Schreien und rennen, immer weiter weg. Es wurde immer lauter, die Schreie gingen mir, der 4 Jahre die Grauen des Grabenkriegs erlebt hat und Sachen sah die sich die meisten Menschen nicht vorstellen konnten unter die Haut.

Es war still. Kein Laut außer meinen Atem, kein Laut außer meinen vor Angst stockenden Atem und diesem Schleifen, diesem immer näher kommenden Schleifen. Ich wusste nicht mehr weiter und begann zu rennen. Immer schneller. Schneller, ich musste hier weg aber es kam immer näher und näher. Ich fühlte einen kaltem Atem in meinen Nacken und roch neben dem allgegenwärtigen Geruch nach verbannten Fleisch und Blut etwas seltsames, es roch wie Schwefel. Es roch wie damals, damals in Verdun. Es war keine Einbildung, es gab dieses Wesen, das Wesen in einer österreichischen Uniform, ein Wesen welches durch das Niemandsland wanderte und sich von Gefallenen und Sterbenden ernährte. Es ist der Geist dieses Krieges, der Geist eines der Millionen Toten, eines Menschen der starb für den Größenwahn der Kaiser, Könige und Zaren. Einen Toten in diesem Krieg, einem Krieg der Industrie, einem Krieg der nie vergessen werden darf, die Gräben und Millionen Tote, einen Krieg in dem Tausende für wenige Meter starben, einen Krieg welcher das Schlechteste im Menschen zum Vorschein kommen lies, Millionen sind tot und die Angst, der Hass und die Hoffnung dieser Millionen ist gebündelt in diesem Wesen hinter mir. Möge unser aller Tod den Menschen endlich zeigen, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Ich weiss nicht warum ich das gerade schreibe, ich hoffe irgendwer wird es finden und daraus seine Lehren ziehen.

Hauptgefreiter Julius Bauer

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