Deutsches Creepypasta Wiki
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Es war vor etwa zehn Jahren, als mir eine Begebenheit widerfuhr, die mir bis heute Gänsehaut beschert. Damals, als der Herbst seine Schatten warf und Halloween vor der Tür stand, liefen im Fernsehen die üblichen Horrorfilme rauf und runter. Doch außerhalb der Leinwand schien das Leben ganz normal weiterzugehen. Wären da nicht die Freunde gewesen, mit denen ich mich umgab – Freunde, die dafür bekannt waren, an Halloween immer für eine Überraschung gut zu sein.

An jenem besonderen Abend versammelten wir uns, nicht ahnend, dass das, was wir für einen harmlosen Streich hielten, bald unsere Vorstellung von Realität auf die Probe stellen würde. Das Gerücht kursierte, dass auf dem alten Friedhof um Mitternacht geheimnisvolle Lichter zu sehen waren. Man munkelte, dort würden sich Leute mit Kerzen treffen, um satanische Rituale durchzuführen. Getrieben von Neugier und dem Drang nach einem kleinen Abenteuer, beschlossen wir, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

In der Gruppe waren mein bester Freund Ben und ich, die eher zurückhaltenden Abenteurer. Ben, der schon bei kleinen Dingen zu großer Angst neigte, war besonders nervös. Trotzdem folgten wir dem Rest unserer Freunde, die, um die Mädchen zu beeindrucken, lauthals über ihre Mutproben sprachen.

Pünktlich um Mitternacht traten wir durch das schwere Eisentor des Friedhofs. Während die anderen vorangingen, hielten Ben und ich uns am Eingang zurück, unsicher, ob wir wirklich weitergehen sollten. Doch letztlich siegte die Neugier, und wir folgten den anderen.

Das Gelächter und die Schreie unserer Freunde hallten durch die Nacht, was uns zunächst beruhigte. Doch dann, in der tiefen Dunkelheit, die weit über den flackernden Schein der Eingangslaterne hinausging, veränderte sich die Atmosphäre.

Plötzlich war es still.

„Sie müssen bei der alten Kapelle sein“, flüsterte ich zu Ben, doch gerade als ich meinen Blick wieder nach vorne richten wollte, bemerkte ich im Augenwinkel eine weiße Gestalt. Nur wenige Meter entfernt stand sie da, eingehüllt in ein langes weißes Gewand mit Kapuze, eine Kerze in der Hand. Ihr Anblick war so surreal, dass ich zuerst dachte, ich bilde mir alles nur ein.

„Ben, siehst du das auch?“, flüsterte ich, halb in der Hoffnung, er würde verneinen. Doch die Art, wie er blass wurde und mit weit aufgerissenen Augen an mir vorbeirannte, bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen: Er sah sie auch.

Die Gestalt drehte sich ruckartig zu uns. Ihr Gesicht blieb im Dunkeln, unerleuchtet von der Kerze, als würde sie das Licht selbst verschlingen. Ben war bereits geflohen, und in einem Moment höchster Angst entschied ich, dass auch ich nichts wie weg hier wollte.

Ich rannte blindlings durch die Dunkelheit, getrieben von purer Furcht, ohne zurückzublicken. Meine Lunge brannte, mein Herz schlug bis zum Hals. Erst als ich sicher in meinem eigenen Haus war, wagte ich es, durchzuatmen. Ben und ich sprachen erst am nächsten Tag wieder miteinander, und obwohl wir unsere Erlebnisse den anderen erzählten, glaubte uns niemand.

Diese Nacht bleibt ein unauslöschlicher Teil unserer Geschichte – ein Geheimnis, das zwischen alten Grabsteinen und flüchtigen Schatten flüstert, immer darauf wartend, vielleicht eines Tages gelüftet zu werden.

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