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Sie war krank. Sie konnte nicht nein sagen. Und so starb sie beim Geschlechtsverkehr.

Er bemerkte es dadurch, dass sie sich, nachdem er fertig war, keine Zigarette anzündete.

Ihr Alter und vor allem die besonderen Umstände ihres Todes bescherten ihm selbstverständlich etliche Unannehmlichkeiten und Scherereien, bis man ihn schließlich und zu guter Letzt wieder auf freien Fuß setzte und davon abließ, ihn eigenartiger Vergehen und Verbrechen zu bezichtigen.

Kennengelernt hatte er sie damals im Studentischen Symphonieorchester, in welchem er die zweite Geige spielte, während sie bei den ersten Geigen saß. Der schöne Klang ihres Instrumentes fiel ihm auf, und sie erzählte ihm, dass es angeblich einst dem "Teufelsgeiger" Paganini gehört haben sollte und sie es von ihren viel zu früh verstorbenen Eltern geerbt hatte.

Irgendwann war er es leid, immer die zweite Geige zu spielen und im Hintergrund zu bleiben, verkaufte sein Instrument und heiratete sie.

Und nun, nach einigen Jahren, in welchem sie ihm ein trautes Heim bereitete und ihn umsorgte, war sie gestorben. Einfach so. Während er auf ihr herumrödelte.

Und so erbte er ihr Haus, welches einst ihren Eltern gehört hatte, die sie darin aufgezogen hatten. Ein uralter Fachwerkbau, der in einigen Jahrhunderten viele Menschen hatte kommen und gehen sehen, geboren werdend und sterbend.

Und, nebst weiteren Habseligkeiten, erbte er auch ihre Violine, die in einem Köfferchen auf der Kommode weilte. Paganinis Violine. Angeblich.

Seit ihrem Tod fühlte er sich immer etwas flau und unruhig. Er fühlte sich nicht allein deswegen unwohl, weil er seine Frau verloren hatte. Sondern vor allem wegen der Umstände unter denen sie verstorben war.

Immerhin hatte er in eine Leiche....

Und Nacht für Nacht wachte er seitdem schweißgebadet auf aus Alpträumen, derer er sich nur verschwommen erinnern konnte. Zumindest wusste er, dass jedes Mal sie darin vorkam. Leichenblass und marmoriert winkte sie ihn mit ihrer Geige in der Hand zu sich.

Eines Nachts allerdings vernahm er im Aufwachen eine zugleich traurige wie unheimliche Geigenmelodie zu hören, und wieder erwachte er klatschnass geschwitzt.

So konnte er nicht bleiben, und wenn auch der Traum ihm sehr zu schaffen machte, umziehen musste er sich. Da die Nachttischlampe offenbar ausgerechnet jetzt kaputt war und der Wolken wegen kein Mondlicht den Raum erhellte, tastete er sich vorsichtig durch das Zimmer bis zu den sorgsam gefalteten Schlafanzügen, die in der Kommode auf ihn warteten..

Er erreichte das Möbel. Im selben Augenblick gaben die Wolken den Mond frei, und dessen spärliches Licht drang durch das Fenster.

Er zuckte zusammen. Es war, als würge etwas seine Kehle:

Der Geigenkasten stand offen.

[Fortsetzung folgt]