Deutsches Creepypasta Wiki
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Es ist unglaublich, wie schnell es geht: Vor drei Tagen noch waren wir alle quicklebendig, und jetzt sind sie alle tot, ALLE! Nur ich und Franz sind noch übrig, wir, die letzten von 112 Mann. Dass wir das Sperrfeuer der Russen überstanden, grenzte an ein Wunder. Oder einem Verhängnis: Denn die Russen sind nicht die Einzigen, die dich töten: Der Hunger ist noch unbarmherziger, er raubt dir mit dem Ostwind den Atem und lässt dich nicht schlafen, und falls man sich mal im Minutenschlaf verirrt, spielt dich der Teufel höchstselbst in die Fänge des Wahnsinns. Ich sehe jedes Mal mein geliebtes Heimatland samt meinem Reihenhaus und Schrebergarten, wo die über alles geliebte Renate mit Hanna und Georg in den Armen nach einem ruft, und jedes Mal, wenn man kurz vor dem Eingang steht, reißt dich der Hunger aus dem Schlaf, gefolgt von den Todesschreien verdammter Seelen, sowohl Russen als auch Deutsche .

Ich halt es nicht mehr aus! Wenn ich nicht bald esse, sehe ich meine Familie nie wieder! Franz schläft und wird diese Nacht auch nicht mehr aufwachen. Ich werde mich wohl erst zu ihm gesellen, seine letzten Augenblicke versuchen zu verschönern, ihm ist wohl unwohl, kurz bevor er auch nur erwachen kann, schlitz ich ihm die Kehle auf. Ein schneller Tod, doch noch ist es nicht vollbracht; der Hunger steuert mich und mein Handeln ganz allein. Ich stopfte mir gierig das zähe Fleisch in den Mund und trinke sein heißes Blut. Ich übergab mich mindestens 3 mal, bis ich das Fleisch in mir behalten konnte.

Franz war mir ein treuer Kamerad, anders als ich. Tauge ich nicht zum Wachsoldaten? Dieser Gedanke quält mich in meinem Traum, und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Als ich erwachte, konnte ich einem Russen über mir ausmachen, der mich anlachte. Ich, meinem Tod bewusst, lachte zurück und ehe ich mich versah, löste mich der Russe von meiner ewigen Wachschicht ab. Meine Seele entfloh meinem weltlichen Gefängnis Richtung Himmel doch der einzige Gedanke auf meinem Weg nach oben war der an meine Familie: Werden sie je erfahren, was mit mir geschah? Wohl nicht. Ich hoffe, Renate wird nicht ewig auf mich warten.

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