ExHuman-_The_Diary_(Sci-Fi_Hörbuch)

ExHuman- The Diary (Sci-Fi Hörbuch)

Adris, 64. Vitarr des 12. Zyklus nach Kortesischer Zeitrechnung.

Aus Gründen, die dem Kollektiv, aber auch mir persönlich dienlich sind, habe ich entschieden, die Ereignisse der nächsten Tage hier festzuhalten. Sie in diesem primitiven Büchlein aufzuschreiben mag etwas umständlich sein, jedoch halte ich es für die geeignetere Art. Schließlich sind unsere Holo-Aufzeichnungen für die meisten zugänglich und das möchte ich dann doch nicht... Es ist nicht leicht für mich, die passenden Worte zu finden... Idren, unser Ratsherr, hat gestern zu uns allen gesprochen. Die uns vorgezeigten Beweise für das unverzeihliche Vorhaben der Erdlinge haben alle erschüttert... Wir wussten ja, wie die Menschen sein können. Aber DAS war dann doch zu viel. Ich habe selbst Idren, der nie wirklich Emotionen zeigt, angesehen, wie fassungslos er über die Gesamtsituation ist. Dennoch haben wir als Volk die einzig richtige Entscheidung getroffen. Auch wenn wir in den letzten Jahrzehnten für die Menschen da waren, gilt unser Schutz in erster Linie der Erde. Morgen beginnen die Vorbereitungen. Ich lege mich nun schlafen... Bin zu betrübt, um weiter zu schreiben.

Saart, 65. Vitarr

Ich habe mir heute morgen noch einmal die Holos der sogenannten "Spitze" der Menschen angehört, die von uns abgefangen wurden... Wie können sie nur? Sie sind so weit gekommen. Sie haben in kürzester Zeit enorm viel gelernt und erschaffen. Würden sie diese Energie und dieses Engagement doch nur in die richtigen Bahnen lenken, um ihre kleinen, sinnlosen Kämpfe aufzugeben. Warum erhebt sich niemand gegen diese bösartigen, egoistischen Individuen? Aber was nützt es noch? Ihr Untergang ist besiegelt... So oder so... All die Gefahren... Meteoriten, Sonnenstürme, bösartige Wesen der Tiefen des Alls... Alles haben wir ohne ihr Wissen geregelt - sie beschützt - sie beim Wachsen unterstützt. All die Jahre. Und das soll es nun gewesen sein? Schande über euch...

Rioch, 66. Vitarr

Bald ist es soweit. Wir haben die Vorbereitungen zum Schutz und der Säuberung des Planeten beinahe abgeschlossen. Die Gemüter meiner Kameraden strotzen vor Wut und Trauer über diese Verschwendung. Viele von ihnen haben Freunde in den Erdlingen gefunden, bei ihren Besuchen auf dem Planeten. Sie haben sich heimlich unter sie gemischt, sie beobachtet - haben mit ihnen gelacht, getrunken - versucht, ihnen bei schwierigen Situationen beizustehen - das Leben zu meistern. Doch nun... Der Angriff beginnt morgen um 13:00 Uhr nach menschlicher Zeit. Wir müssen und werden es nicht zulassen. Die Erde wird weiter bestehen... Doch für die Menschheit in dieser Form ist es zu spät. Eine neue Ära bricht an und ich hoffe, dass auch wir für unsere Tat Vergebung finden werden.

Majat, 67. Vitarr - Sonntag, der 19. Februar 2040 nach menschlicher Zeitrechnung, 18:24

Mir fehlen die Worte... Diese Zerstörung - dieses Elend... Wir... sind eine halbe Stunde vor den Raketen aufgebrochen und konnten sie noch im Flug vom Himmel fegen. Sie haben es tatsächlich versucht... Die Menschen haben tatsächlich gewagt, das Wunder, auf dem sie leben dürfen, durch einen weiteren ihrer lächerlichen Kriege in Mitleidenschaft zu ziehen. Aber wir haben es vereitelt. Unsere Energiekanonen haben die atomaren Sprengsätze in Sekundenschnelle pulverisiert. Danach haben wir uns über den Planeten verteilt. In nur wenigen Stunden war der geringe Widerstand der Menschen gebrochen. Sie haben unsere Invasion ebenso wenig kommen sehen wie die Raketen, die auf ihre Heimatländer zugeflogen kamen. Sie haben nicht gelitten. Unsere Strahler haben ihre Körper in einen Schockzustand versetzt und die wichtigsten Organe sofort abgeschaltet. Unsere Aufklärungskommandos haben den Bodeneinsatz übernommen - sind in die Häuser, Bunker und all die anderen Verstecke eingedrungen. Keiner konnte sich vor unseren Energie-Trackern verbergen. Nun sitze ich hier in unserem provisorischen Lager. Ein Lager auf einer leeren Erde... oder... sollte ich sagen "fast leer"? Denn... die Säuglinge haben wir verschont. Die Menschen, die noch klein genug waren - sich an nichts hiervon erinnern werden und mit uns gemeinsam eine Lebensweise anstreben werden, die dem Planeten gebührt.

Mittwoch, der 22. Februar 2040

Unsere Transportfrachter haben alles Nötige von den Raumfregatten hier herunter gebracht. Die Übernahme kann nun vollends beginnen. Diese "neue" Erde wird schon bald in einem ebenso neuen Licht erstrahlen wie die Lebensweise der Menschen. Vielleicht war es wirklich das Richtige... Dennoch... Eine quälende Frage bleibt, wenn ich so in das Gesicht von Djago blicke - dem Säugling, um den ich mich in den nächsten Jahren kümmern werde... Eine Frage bleibt... Was wird wohl geschehen, wenn die noch lebenden Menschen irgendwann erfahren, WAS wir hier angerichtet haben? Werden sie ihren Vorgängern nacheifern... oder werden sie uns vergeben?

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