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Bevor ich anfange zu erzählen, möchte ich noch erwähnen, dass ich mich zu der Zeit als diese Geschichte passierte als eine Art Teilzeit Bushcrafter bezeichnete. Mit vollstem Selbstvertrauen bin ich Abseits der Wege gewandert und hatte schon oft mehrere Tage in der Wildnis verbracht. Nur mit ein paar Vorräten, wenigen Werkzeugen und einem Buch.

Also gut…

Im Juni 2018 packte ich meine Tasche und machte mich auf den Weg zu einem dreitägigen Ausflug in den Bergen. Den Tag zuvor verbrachte ich ausschließlich damit, mein Messer und meine Axt zu schärfen, meine Waffe zu reinigen und mehrmals meinen Rucksack zu kontrollieren. Ich war im Jahr zuvor schon mehrmals auf diese Weise unterwegs gewesen und hatte das Gefühl, die Wildnis sei mein zweites Zuhause. Zudem hatte ich eine gute Beziehung zu den Park Rangern und wusste alles über die Gegend und welche Tiere da draußen lebten. Mir wurde genau gesagt, was ich tun solle um Raubtiere abzuschrecken.

Auch wenn ich mich dort draußen so wohl gefühlt habe, traf ich dennoch ein paar Sicherheitsvorkehrungen, wie man es immer tun sollte. Ich habe einem Freund von meinem Plan berichtet und sagte ihm genau, wo ich bin und wie weit ich gehen würde. Ich rief die Parkstation an, um mich nach möglichen Brandgefahren zu erkundigen. Für den Fall, dass ich mich doch irgendwie verlaufen sollte hatte ich genügend Vorräte bei mir. Alles war gut durchdacht.

Mit meinem Hund und frischem Kaffee machte ich mich gegen 5:00 Uhr morgens auf den Weg und hatte eine großartige Zeit, während ich die leeren Straßen entlang fuhr und mit den „Allman Brothers“ sang. Die Kiefern waren besonders grün und die Luft frisch. Ich hatte die Heizung meines Trucks aufgedreht, da noch Spätfrost in der Luft lag. Das ist aber nichts Ungewöhnliches. Nachdem ich meinen Parkplatz gefunden hatte, überprüfte ich noch einmal meine Tasche und zählte die Patronen meiner Schrotflinte. Bevor ich den Berg hinauf wanderte, frühstückte ich auch noch eine Kleinigkeit. An dieser Stelle möchte ich noch anmerken, dass ich meine Schlüssel immer in einer kleinen Innentasche  meines Rucksacks mit einem Reißverschluss sichere, damit sie beim Wandern nicht verloren gehen. Ich war auf dem Weg zu meinem geheimen Lager, ungefähr eine Meile von einem Haupt-Wanderweg entfernt. Die Ranger, denen ich hin und wieder mal Donuts brachte, hatten mich auf eine undokumentierte Wasserquelle hingewiesen. Das Wetter war klar, aber frisch. Es machte mir nichts aus. Ich mag es eigentlich, wenn es etwas kühler ist.

Nach ungefähr einer Stunde Wandern war ich endlich da. Nur bergauf…du kannst es dir sicherlich vorstellen, wie schwierig es ist einen felsigen Berg hinaufzukommen. Die Überreste meines letzten Lagers waren noch da und ich machte mich an die Arbeit einen kleinen Unterschlupf wieder aufzubauen und etwas vom toten Holz zu sammeln, das überall herumlag. Mein Nachmittag war ruhig. Ein Jahr zuvor rauchte ich aus einer Pfeife und las zum zillionsten Mal meinen Lieblings-Western. Ich hörte den Schwalben und Drosseln beim Singen zu, machte ein kleines Feuer und erledigte ein paar Arbeiten in meinem Lager, bis es dunkel wurde. Nachdem ich ein oder zwei Holzscheite ins Feuer geworfen hatte, um es die ganze Nacht über brennen zu lassen, ließ ich mich nieder. Es gibt nichts Schöneres als die Stille des Waldes und das Knistern vom Lagerfeuer, um die dich in den Schlaf zu ziehen.

Es war gegen 4:00 Uhr morgens, als ich von meinem jammernden Hund geweckt wurde. Das wusste ich, da ich auf meine Uhr schaute um zu sehen, ob es schon Zeit für das Frühstück war. Als ich versuchte, meine schläfrigen Augen zu fokussieren, verspürte ich ein merkwürdiges Gefühl. Alle Haare an meinem Körper standen auf und ich fühlte mich so…seltsam. Als ob Elektrizität die Luft erfüllt hätte. In all den Jahren ist mir so etwas noch nie passiert. Ich sprang auf und kontrollierte das Feuer. Es brannte immer noch, aber ziemlich niedrig. Ich warf etwas Zunder hinein und fächerte es auf, um etwas Licht zu bekommen. Ich nahm die Kopflampe aus meinem Rucksack und suchte nach den Holzscheite die ich parat gelegt hatte. Mein Gefühl des Unbehagens wuchs mit jeder Sekunde und ich suchte langsam die nähere Umgebung ab, um herauszufinden, was mich hätte wecken können. Ich hielt nach Augen von Tieren Ausschau, die in der Dunkelheit das Licht meiner Lampe reflektieren würden..... Nichts. Ratlos kümmerte ich mich wieder um mein Feuer.

Plötzlich hörte ich, wie sich etwas ums Lager bewegte. Es war weder still wie ein stalkender Berglöwe, noch war es so schnell wie ein Kojote. Ich dachte sofort an einen Bären und gab meinem Hund den Befehl laut zu bellen. Das Tempo änderte sich jedoch nicht. Es hatte anscheinend überhaupt keine Angst vor meinem Hund. Das Knacken von Zweigen und Schritte im Laub kreisten weiter um mein Camp, bis sie östlich von mir waren. Um nicht zu lügen,… ich habe ziemliche Angst bekommen.

Angespannt griff ich zu meiner Schrotflinte und feuerte einen Schuss in die Richtung ab, aus der die Geräusche zuletzt kamen und lauschte genau nach einem Rückzug der Kreatur. Es gibt nicht viele Lebewesen, einschließlich mir selbst, die bei so einem lauten Knall nicht die Flucht ergreifen würden. Aber dieses Ding hat einfach aufgehört sich zu bewegen, anstatt wegzulaufen. Fünf Minuten stand ich komplett lautlos da und lauschte nach weiteren Geräuschen. Ich verfluchte das nasse Holz im Feuer, das etwas heftiger knisterte und ich mich deshalb sehr anstrengen musste, etwas anderes zu hören. Nach ca. einer Minute hörte ich es wieder. Es war das gleiche Geräusch, das nun aber aus dem Süden von mir kam. Was auch immer es war, hatte sein Tempo überhaupt nicht verändert und ging mit einer scheinbar beiläufigen Gleichgültigkeit. Die Angst breitete sich in mir immer weiter aus. Ich kann euch gar nicht erklären, wie merkwürdig sich diese ganze Situation anfühlte. Alle möglichen Gedanken gingen mir durch den Kopf. Könnte es ein desensibilisierter Bär sein?  … Oder vielleicht etwas anderes, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte?

Plötzlich hörte ich, wie es die Richtung änderte. Es kam Näher. Ich geriet in Panik, durchtrennte mit dem Messer die Leine meines Hundes und wir rannten in Richtung des Wanderweges. Ich weiß was ihr wahrscheinlich jetzt denkt: „Wer rennt im Dunkeln mit nichts als einem Hund, einer Kopflampe und einer Waffe davon?“ Ich sage euch wer, es ist jemand der Angst hat. Ich rannte so schnell ich konnte und vertraute meinem Instinkt, uns in die richtige Richtung zu lenken. Nach einer Weile wurde ich etwas langsamer und lauschte erneut. Außer meinem zittrigen Atem hörte ich deutliche Schritte die durch die Finsternis des Waldes schallten. Was auch immer es war, verfolgte mich mit hoher Geschwindigkeit.

Wie durch ein Wunder fand ich den Pfad in der nächtlichen Dunkelheit. Ich rannte, als würde mein Leben davon abhängen, als ich endlich auf den staubigen Weg stieß. Ich dachte an nichts anderes, außer so schnell wie möglich zum Truck zu gelangen. Hättet ihr mich vorher herausgefordert, hätte ich gesagt, dass ich den Weg in 20 Minuten hätte zurücklegen können. Nun schaffte ich es jedoch in knapp 10 Minuten zu meinem Truck. Gott sei Dank habe ich vergessen ihn abzuschließen. Ich schob meinen Hund praktisch hinein und schlug die Tür hinter mir zu. Erst als ich nach meinem Schlüssel greifen wollte, bemerkte ich, dass ich meinen Rucksack im Camp liegen gelassen habe. Ich war mit etwas gestrandet, das hinter mir her war.

Ich lehnte mich auf der Beifahrerseite aus dem Fenster und schaute in Richtung des Wanderweges. Bis zum Tageslicht beobachtete ich den Waldrand.  Erst als sich meine Gedanken beruhigten, wurde mir etwas klar…. Das Schrittmuster war nicht „dun-dun-dun  dun-dun-dun  dun-dun-dun“, wie bei einem vierbeinigen Tier. Es war wiederholt. „Dundundundundun“, wie das Geräusch einer sprintenden Person. Ich wusste, dass ich mich nicht verhört habe, da mir das Geräusch die ganze Zeit über durch den Kopf ging, während ich im Truck hockte.

Nachdem ich mich wieder etwas beruhigt hatte, nahm ich meinen Hund und meine Waffe und wir gingen wieder den Weg in den Wald hinauf. Wir lauschten genau nach jeder Bewegung. Als wir im Lager ankamen fand ich nichts zerstört vor und die Glut brannte immer noch in der Grube. Eine Sache jagte mir allerdings einen kalten Schauer über den Rücken. Mein Rucksack war zwar noch heile und geschlossen, dennoch fehlten Vorräte die für ungefähre zwei weitere Tage hätten reichen sollen. Ein Tier wäre so auf keinen Fall an meine Sachen gekommen.

Was auch immer mich und meinen Hund diesen Weg entlang jagte, war kein wildes Tier!

Ich bin zwei Jahre lang nicht in die Berge zurückgekehrt, weil ich Angst vor etwas hatte, das keine Angst vor Feuer und lauten Geräuschen hatte.

Original Reddit-Beitrag von One-Acanthopterygii4:

https://www.reddit.com/r/nosleep/comments/hzum2s/i_stopped_going_into_the_woods_for_two_years/?utm_source=share&utm_medium=web2x&context=3

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