Deutsches Creepypasta Wiki
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Ich schneide.

Jeden Tag. So lange ich will. So oft ich will.

Ich schneide Fleisch. Ich schneide Brot und Wurst und alles was man schneiden kann.

Ich schneide.

Es macht mich glücklich wenn ich schneiden kann. Denn schneiden kann ich gut.

Ich mag Messer, das Gefühl der ausbalancierten Klinge in der Hand.

Ich liebe es mein Messer zu schleifen. Sodass es die Haare auf meinem Arm rasiert und durch alles wie durch Butter gleitet.

Ich schneide.

Wenn ich schneide bin ich glücklich und fühle mich wohl. Ich habe meinen eigenen Raum nur zum Schneiden.

Aber ich stelle mir die Frage, wie lange ich noch schneiden darf?

Gerade blicke ich hinunter auf meinen Arm.

Ich schneide.

Unter der ruhigen Klinge sehe ich wie sich erst die Haut öffnet. Noch fließt kein Blut. Ich sehe die dünne, mit blauen Kapilaren durchzogene Fettschicht. Es kitzelt ja schon fast und ich muss lächeln. Muss gar nicht fest drücken, damit auch diese Schicht der Klinge weicht. Das Weiße dort. Das muss eine Sehne sein. Mein Herz pumpt aufgeregt und ich balle die Hand zur Faust.

Es quietscht leise, als sich die Sehne zusammen zieht. Sie liegt ja an der frischen Luft. Seelig nehme ich die bloße Haut, nachdem ich zwei Querschnitte vollzogen habe und ziehe sie nach unten. Es reißt und rutscht ein wenig und das Kitzeln wird stärker. Kann schon die Muskeln sehen.

Ich schneide.

Dort zwischen den Sehnen an meinem Handgelenk liegen die Schlagadern. Dunkelblau, beinahe schon grün liegen sie dort und pulsieren leicht. Ein wenig Blut fließt nun doch. Es gelingt mir nicht immer an den kleinen Blutgefäßen vorbei zu schneiden. Ich schnalze missbilligend mit der Zunge, als ich aus Versehen eine Sehne erwische. Es schmatzt ganz komisch und meine linke Hand erschlafft. Stirnrunzelnd schüttele ich den Kopf und treibe die Klinge weiter.

Ich schneide.

Fröhlich vor mich hin summend taste ich mit der Klingenspitze nach meiner Speiche. Tok tok. Da ist sie ja, die Gute. Es ist außerordentlich schwer sie freizulegen und ich muss gestehen, mir wird kurz schwarz vor Augen. Das Kitzeln erreicht meinen Kopf und ich grinse. Mein Arm ist beinahe nackt. Wer hätte je gedacht, dass er so schön aussehen würde, ganz ohne Fleisch und ohne Haut?

Ich schneide weiter.

Der Schmerz ist kein Hindernis, eher die Herausforderung. Ich sehe einen seltsamen Knoten. Neugierig lege ich ihn frei und kann mir nicht erklären was genau es ist. Ein Stich mit der Spitze bringt mir Gewissheit. Es ist ein Nervenknoten. Mein Arm zuckt und die Klinge dringt tief in den Spalt zwischen Elle und Speiche ein. Ich knurre verärgert und muss hebeln, damit ich die Klinge wieder frei bekomme. Es ist schon beinahe unglaublich, dass ich bis jetzt keine Ader verletzt habe. Ein gerader Schnitt meinen Oberarm hinunter und der große Muskel dort blinzelt mir, freudig rote Tränen lachend, entgegen. Ein wunderbares Farbenspiel.

Und noch ein Schnitt.

Da ist die dicke, große Ader, direkt unterhalb von ihm, an der Innenseite. Dort wo es immer so weh tut, wenn man hinein drückt. Ich habe hier noch eine Klemme und nachdem die Haut und klebriges Bindegewebe beiseite ist, drücke ich sie fest darum. Fasziniert beobachte ich, wie die Adern an meinem Unterarm anschwellen. Ich atme tief und ruhig. Das Kitzeln hat sich zu einem wahren Crescendo gesteigert und die Klinge meines Messers ist verunreinigt mit Blut, dünnem Fett und Hautresten.

Ein letzter Schnitt.

Am Anfang spritzt es doch sehr, als ich die Klinge in die bloßliegende Ader tauche und sie Zentimeter für Zentimeter, unendlich langsam öffne. Doch die Klammer bewirkt, dass der Strom rasch versiegt. Mit jedem Herzschlag wird ein kleinerer Schub hinausgepumpt, bis dort kaum mehr als ein Rinnsal ist. Zufrieden lege ich das Messer auf den Tisch und schiebe Daumen und Zeigefinger in die Ösen der Klemme. Es wird Zeit. Ich löse sie und eine wahre Fontäne aus Blut entspringt meinem Arm. Ich denke nicht mehr und lasse mich in meinem bequemen Sessel, Zuhause vor dem Kamin und neben der Leiche meiner Frau, zurück sinken.

Ich habe geschnitten.

Ravnene

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