Deutsches Creepypasta Wiki
Advertisement

Jeden Tag. Jeden Tag stehe ich an derselben Stelle und blicke nach unten. Wie sehr ich es mir doch wünschte und ich es trotzdem  nicht durchziehen konnte. Ich hasse mich selbst dafür, wie nichts anderes auf dieser Welt. Der Tag fängt wie immer an. Der Regen klatscht gegen das Fenster und reißt mich aus meinen Traum. Es war kein schöner Traum, eher einer, den mal als Albtraum beschreiben würde. Und trotzdem konnte ich mich wenn ich wach wurde nie daran erinnern, was denn nun genau vorgekommen war. Wieder setze ich mit dem linken Fuß zuerst auf dem Parkettboden auf, der wie jeden Tag kalt und eisig war. Ich sollte es eigentlich gelernt haben, dass er immer kalt ist, doch trotzdem vergesse ich es immer wieder und ziehe meinen nackten, bleichen Fuß hoch.

Ich greife nach meinem Handy uns schaue aufs Display. 6:26 Uhr. Wieder dieselbe Uhrzeit. Ich hatte mich langsam daran gewöhnt. Ich ging über den kalten Boden zu meiner Zimmertür und betrat den Flur. Am Ende davon befand sich das Bad. Doch ich schleifte mich die Treppe runter und betrat die Küche. Ich hatte dieses Bild nun schon so lange immer wieder gesehen, dass ich es einfach überspielte. Trat einfach zum Kühlschrank und nahm den Saft aus dem kalten Ding. Ich bemühte mich nicht, ein Glas zu nehmen und setzte die Öffnung der Packung einfach an meinem Mund an und trank. Trank, bis ich das Gefühl hatte, einigermaßen bei mir zu sein. Es kling komisch, aber Saft weckt mich auf. Normal ist es bei allen Kaffee, aber bei mir ist es Saft.

Die leere Kartontüte mit der orangen Aufschrift und dem geschmacklosen Designe landete im Abfall. Dann wandte ich mich um und ging wieder die Treppe nach oben, jetzt jedoch ins Bad. Dem Spiegel schenkte ich keine Aufmerksamkeit und der Gestalt, die man darin erkennen konnte, ebenfalls nicht. Ich ignorierte es einfach und griff wie jeden Morgen zur Zahnbürste. Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich aufpassen muss, da sie mir bisher jeden Tag in den Wäschekorb gefallen ist. Also hob ich sie raus und sie entglitt nicht meinen Händen. Die weiße Paste drückte ich auf die Borsten und begann zu schrubben, spuckte dann aus und verließ das Bad kurz darauf wieder, schlurfte in mein Zimmer und zog mir dann meine übliche Kleidung an. Ich wusste, was als nächstes kommen wird. Habe es schon so oft versucht zu ändern, doch immer misslang es mir. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, die schlimm so was ist, immer wieder das Selbe zu erleben.

Ich packte das Springmesser ein und begab mich aus dem Haus. Heute ging mein letzter Blick nicht auf die Uhr, wie sonst immer, sondern blieb an dem schwarzen Schatten hängen, der auf dem Boden zu erkennen war. Schon so oft hab ich es gesehen und erlebt, doch warum ich es getan habe, weiß ich immer noch nicht. Getötet mit 5 Messerstichen. Qualvoll verblutet. Mit etwas traurigen Augen und doch war etwas Gieriges darin zu erkennen, drehte ich mich um und begann durch den Regen zu laufen. Noch 14 Minuten, dann würde der Regen nachlassen und es würde passieren. An der Kreuzung, vor der Bank. Obwohl dies mein Tot bedeuten würde, ging ich heute etwas schneller. Ich konnte nicht mehr, hielt es nicht mehr aus. Denn wenn ich lebe, dann stehe ich jeden Abend an der Brücke und blicke nach unten auf die Autobahn. Und jedes Mal, wenn ich springen wollte, erscheint es.

Blut, Blut, das schönste gibt es aus Wut. Gib es mir heute Nacht, begebe dich für mich in die Schlacht. Du willst doch nicht etwa springen und mich hier alleine lassen, mich vernichten?

Keine Ahnung warum, aber immer wenn sie das sagte, begab ich mich nach Hause, legte mich hin und wachte morgens wieder auf. Um 6:26 Uhr, bei Regen, welcher gegen das Fenster klatschte. Erneut würde ich die Leiche am Boden vorfinden. Die Leiche meiner Freundin. Ich kann es nun nicht mehr mit ansehen. Ich erinnere mich manchmal an Bilder, wie ein Traum eben. Doch langsam denke ich, dass es kein Traum ist sondern das Geschehene.

Ich trat an die Kreuzung. Noch 3 Minuten. Die unscheinbare Person erschien neben mir. Ich wusste nun genug, um diesen elenden Kreislauf zu beenden. Der Transporter näherte sich. Ein Schritt nach vorne, ein Zweiter hinterher.

„Such dir nun einen anderen Spielpartner“.

Der Laster traf ihn mit voller Wucht. Ich sah, wie sein Körper auseinander gerissen wurde, hörte, wie die Menschen panisch kreischten. Ich blickte auf den leblosen Körper und trat vor ihn hin.

Bruder, Bruder verstehst du nun? Das Leben kann einem schon sehr wehtun. Getötet hab ich sie mit deinen Händen, das Blut klebte an deinen Kleidern und an den Wänden. Lebe wohl mein Brüderlein, mögt ihr beide in der Hölle glücklich sein...

Advertisement