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Ein Mann stand in der Mitte der dunklen,vernebelten und vom Regen nassen Gasse. Er hatte eine Kapuze auf dem Kopf und schien sich nicht an dem Regen zu stören, der seine Kleidung fast vollständig durchnässt hatte. Ein wilder Bart umrahmte sein Gesicht und seine unnatürlich dunklen Augen waren zu schmalen Schlitzen verengt. Niemand sonst war zu sehen. 

Da horchte der bärtige Mann auf. Durch das Prasseln des Regens hindurch nahm er ein weiteres Geräusch war. Das von Schritten auf dem nassen Pflaster. Ein zweiter Mann schritt um die Ecke. Er hatte einen langen gelben Regenmantel an, der so überhaupt nicht in die Umgebung passte. 

„Hast du die Karte?“, fragte er. „Hast du das Geld?“, antwortete der Zweite. „Natürlich“, meinte der andere wieder, zog einen Beutel aus der Tasche, trat hervor und überreichte ihn dem Bärtigen. Der öffnete den Beutel und blickte hinein.

Gebündelte Geldscheine lagen in ihm. Ohne ein weiteres Wort, gab der Bärtige dem anderen einen Umschlag und Schritt durch die verregnete Nacht davon.

Erst jetzt erkannte der andere, dass die rechte Gesichtshälfte von dem bärtigen Mann fast vollkommen verdeckt war. Vermutlich irgendwelche Verletzungen. Aber es konnte ihm egal sein, woher dieser Kerl sie hatte. Hauptsache, er bekam endlich das, was er wollte. Er blickte auf den Umschlag herunter, auf dem in krakeliger Handschrift „Karte zur Königin des Todes“ geschrieben war. Der Mund des Mannes verzog sich zu einem breiten Grinsen.

 

10 Jahre Später… 

„Mike, diese Nachricht hat doch nichts zu bedeuten! Das ist sicher nur ein dummer Streich der Nachbarskinder! Die mochten uns doch noch nie wirklich!“ „Das glaub ich nicht Pete!

Das war die Stimme von Vater!“ „Und jetzt willst du in irgend so eine Ruine in Woodland gehen, weil unser vor ZEHN Jahren gestorbener Vater, uns einen beschissenen Brief mit einer Karte geschickt hat, in dem steht wir bei den beigelegten Koordinaten die Königin des Todes finden und der Schlüssel zu Anachram von ihr bewacht wird? Und wir nicht mal wissen wer oder was die Königin des Todes oder dieses Anachram Dings ist? Du bist nur immer noch nicht über den Tod unseres Vaters hinweg!“ „Und wenn er doch noch lebt? Und dort auf uns wartet?“ „Mike! Vater ist tot! Verschollen auf dieser Scheiß Expedition in diese Ruine! Du willst doch nicht gleich sterben wie er, oder?“ „Ich werde gehen!“ „Tu was du nicht lassen kannst! Ich jedenfalls bleibe hier!“, Peters Stimme überschlug sich fast und er stürmte aus dem Zimmer. Mike lehnte sich erschöpft zurück und fuhr mit seiner Hand durch seine blonden Haare. Auf die Hilfe seines Bruders konnte er also nicht zählen. Er blickte in den

Spiegel. Er war seinem Vater doch sehr ähnlich. „Ich komme Dad“, sagte er zu seinem Spiegelbild: „Ich komme zu dir!“

Ein süßlicher Duft stieg Mike in die Nase. Er erinnerte Mike ihn an die Zimtsterne, die sein

Vater immer an Weihnachten gebacken hatte. Doch der Geruch kam wohl von den seltsamen Sträuchern mit den glänzend goldenen Früchten, die überall in diesem seltsamen Wald wuchsen, in dem Mike sich befand. Seit 3 Jahren war er jetzt schon unterwegs. Mit seinem Bruder hatte er in diesen 3 Jahren keinen Kontakt mehr gehabt. Und er hatte nichts gefunden, was nur ansatzweise wie eine Schlossruine aussah. Er war sich nicht einmal mehr sicher, ob er überhaupt etwas finden würde. Den Blick auf die Karte seines Vaters gerichtet, wie er es schon zig-Male getan hatte, seufzte Mike laut. Der Karte nach müsste er bereits angekommen sein. Er bemerkte zu spät, was sich unter seinen Füßen befand. Mike stolperte und wäre beinahe von einer Klippe gefallen. 

Er stöhnte auf, wich zurück und blickte die Klippe herunter, und sah 500 Meter unter sich einen See. Sein Blick fiel auf einen vermosten Steinweg, der von dem See wegführte. Mike blickte den Weg entlang. Er endete vor einer gigantischen Ruine. Mike hatte endlich den Ort seiner Begierde gefunden.

Zwei Stunden später stand er vor dem riesigen Gebäude aus Stein. Das Schloss musste wirklich prächtig gewesen sein, doch davon war nicht mehr viel zu sehen. Es war fast komplett von Dornen und Ranken überwachsen, und an vielen Stellen waren die uralten Steinmauern eingebrochen. Aber ein Teil des Schlosses schien noch vollkommen intakt zu sein.

Zum ersten Mal seit seiner Abreise verspürte Mike das dumpfe Gefühl von Angst. Was würde ihn dort wohl erwarten? Würde er endlich seinen Vater wiedersehen? Wahrscheinlich musste er wohl zu dem intakten Teil der Ruine. Anderswo hätte er sowieso nicht hingehen können. Und so Schritt er auf das gigantische Eingangsportal zu.

Grabesstille und Dunkelheit umfingen ihn, als er hineinschritt. Seine Hände begannen unweigerlich zu Zittern ein eiskalter Schauer fuhr ihm durch die Glieder. Er blickte in einen schier endlosen, dunklen Gang. Dornenranken bedeckten die Wände fast vollständig und ein seltsamer Geruch, der wohl vom Moder in den Ritzen des Steines herrührte, durchzog den Gang. Mike nahm allen seinen Mut zusammen und Schritt in den Gang hinein. Und dann immer weiter.

Nachdem Mike ungefähr die Hälfte des endlosen Ganges abgeschritten hatte, mischte sich ein starker Geruch nach Verwesung über den Modergeruch und auf einmal blitzte ein Licht in dem sonst hellen Gang auf. Mikes Haut glich nun einem Reibeisen und er hatte endgültig genug. Er drehte um und rannte so schnell er konnte auf den Ausgang zu. 

Als er nur noch eine Armeslänge von dem Eingangsportal entfernt war, fiel die riesige Steintür zu. Auf einmal war es Stockfinster im Gang. Panisch drückte Mike gegen die Steintür und wider Erwarten ging sie ohne Probleme auf. Erleichtert, aber immer noch zitternd, schritt Mike ins Freie und wollte loslaufen, als plötzlich der Boden unter ihm nachgab. Mike spürte wie er fiel. Mikes Wahrnehmung fing an, verrückt zu spielen. Nichts schien mehr einen Sinn zu ergeben, und ihm wurde schwarz vor Augen. 

Es blitzte. Mike öffnete die Augen. Es blitzte wieder und Mike konnte riesige Statuen erkennen, Frauen mit Kronen auf Ihren Köpfen, die allesamt prunkvolle Gewänder trugen. Er war nun in einer riesigen Höhle. Das Spiel einer Orgel und von Geigen waren zu hören und Blitze durchzuckten im Takt der Musik die Höhle. Mike stand auf und machte einen Schritt vorwährts und dann ging er vorsichtig weiter. Sein Körper zitterte und Schauer über Schauer lief ihm über den Rücken. Wo war er hier? Mike wollte einfach weglaufen, doch so oft er sich auch umsah, er fand keinen Ausgang. 

Auf einmal fand er sich auf einem Felsvorsprung, er hatte gar nicht bemerkt wo er hingegegangen war. Ein Blitz erhellte den Boden unter dem Vorsprung. Antike Malereien waren dort zus sehen. Ein weiterer Schauer lief Mike über den Rücken. Wo war er hier gelandet? Was hatte das zu bedeuten? 

„Hallo, ich habe lange auf dich gewartet.“, hauchte eine Stimme hinter Mike. Dieser fuhr herum und blickte in ein Gesicht. Das Gesicht einer Frau, das geteilt war. Die Rechte Hälfte war das Gesicht Frau, die Linke Hälfte war das von IHM. Seinem Vater. Vor was für einer Kreatur stand er da? Mike blickte mit einem unbeschreiblichen Gesichtsausdruck in diesen beängstigenden

Gesichtsteil seines Vaters. „Warum so verstört?“, fragte die Frau. „Dein Vater war mir ein treuer Diener! Doch sein Körper ist zu schwach geworden! Mit ihm komme ich nicht hier raus! Aber du! Du bist stark! Ich wusste, das Warten würde sich lohnen! Du wirst jetzt deine Pflicht als mein neuer Diener antreten!“

Ein Blitz und die Frau verließ den Körper von Mikes Vater, der sofort zu Staub zerfiel. Dann spürte Mike einen Luftzug und ein weiteres Bewusstsein schob sich in seinen Geist. Alle Antworten auf seine Fragen strömten in seinen Geist und Bilder eines Bärtigen Mannes, der im Regen eine Gasse entlang schritt, blitzten vor seinem geistigen Auge auf, eine Gesichtshälfte, die der Frau.

Dann übernahm sie die Kontrolle. Sein Gesicht verformte sich, als wäre es aus Wachs, welches gerade schmelzen würde. Als sich das Gesicht der Frau in seinem eigenen eingenistet hatte, schritt sie zielsicher zum Ausgang der Höhle und zischte in einem grausigen Tonfall: „Ich bin frei!“

- geschrieben von Jan Wimmer

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