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Die Schmetterlingsbraut

Eines Tages saß ich bei meiner Freundin zu Hause und wir langweilten uns. Draußen war das perfekte Wetter zum Spielen, es regnete und stürmte, jedoch erlaubten uns unsere Eltern nicht rauszugehen. "Wir sollten uns rausschleichen!", schlug meine Freundin begeistert vor. Ich zögerte. "Aber unsere Eltern haben uns verboten rauszugehen! Wir bekommen einen riesigen Ärger, wenn sie das rausbekommen!" Sophie lachte. "Ach komm, was soll schon schief gehen?" Zögernd blickte ich mich nach unseren Eltern um. "Na gut. Aber wir müssen ganz leise sein!"

Leise schlichen wir uns die Treppe runter. Zum Glück wussten wir, welche Stufen knarrten, und konnten uns leise die Treppe hinunterschleichen. Ich spähte durchs Schlüsselloch in Wohnzimmer. Unsere Eltern saßen friedlich am Wohnzimmertisch und plauderten. "Komm jetzt!", zischte Sophie. Jetzt erst bemerkte ich, dass sie mir die ganze Zeit die schwere Haustür offengehalten hatte. "Ich komme ja schon!", flüsterte ich zurück und wir drückten uns durch den schmale Türspalt. Schwer fiel die Tür hinter uns zu. Ich hielt die Luft an. Hatten unsere Eltern das gehört? Ich schlich zum Wohnzimmerfenster und lugte hinein. Nein, sie saßen immer noch friedlich am Tisch und unterhielten sich. Zum Glück! Wir konnten unser Abenteuer fortsetzen.

"Wo wollen wir hin?", fragte ich, nachdem wir eine Weile gegangen waren. "Zum Spielplatz im Park!", antwortete Sophie. "Aber dort ist doch jetzt alles nass!", widersprach ich. "Egal. Komm!" Seufzend trabte ich hinter ihr her. Als wir im Park ankamen, war alles dunkel. "Lass uns umkehren, hier können wir eh nicht viel machen!", schlug ich vor. Gerade wollte Sophie antworten, als wir ein Knacken hinter uns hörten. "Hab ich euch!" Erschrocken fuhren wir herum.

Vor uns stand eine dünne, schlanke Frau. Sie war riesig, über zwei Meter groß. Um sie herum flogen Unmengen an Schmetterlingen, Käfern und anderem Ungeziefer. Ich bekam einen Schock. Diese Frau kam mir bekannt vor! An unserer Schule hatte man in letzter Zeit oft über sie gesprochen. Angeblich sollte sie jeden Tag um sechs Uhr abends in Parks oder Wäldern auftauchen und Kinder suchen, die sie leicht überwältigen konnte. In unserer Klasse erzählte man sich viele Horrorgeschichten über sie. Ich hatte immer angenommen, dass sie nur ein Hirngespinst war, doch jetzt stand sie leibhaftig vor mir! Ich wollte wegrennen, konnte mich jedoch vor Schock nicht bewegen! Sophie kreischte neben mir auf und rannte halb, stolperte halb von der Frau weg. Dann drehte sie sich um und rannte Hals über Kopf davon. Ich war allein mit der Frau. Sie schaute mich an. Mir fiel auf, dass sie unglaublich schöne Augen hatte, braun und glänzend, jedoch hatten sie etwas, dass ich nicht beschreiben konnte. Ich schaute sie an, doch je länger ich das tat, desto schummriger wurde es mir. Sie fesselte mich nahezu mit ihrem Blick. Ich wollte meinen abwenden, musste aber mit Entsetzen feststellen, dass ich nicht konnte! Es wurde schwarz vor meinen Augen.

Als ich aufwachte, fühlte ich mich unglaublich schlecht, stellte fest, dass ich kaum Luft bekam. Mit Entsetzen bemerkte ich, dass ich mich in einer weißen Hülle befand. Erschrocken riss ich meine Augen auf, als ich realisierte, was es war. Ein riesiger Kokon! Es quälten mich schreckliche Schmerzen. Ich schrie und hämmerte gegen die Wand des Kokons, aber niemand kam. Ich hörte noch andere Stimmen, die auch schrieen. Manche davon verstummten, neue kamen dazu. Ich weiß nicht, wie lange ich so verbrachte. Stunden? Monate? Mir egal. Ich wollte nur, dass die Qualen aufhörten. Nach einiger Zeit spürte ich, wie die Schmerzen besser wurden. Ich war erleichtert. Bis ich bemerkte, was passiert war. Was mit mir passiert war.

Ich war ein Schmetterling geworden. Dazu verdammt, auf ewig ein Dasein als ihr Gefolge zu fristen.

Der Schmetterlingsbraut.

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