(Fortsetzung von : Hoch die Hände, Wochenende......)


"... eine psychotische Episode?" Herr Holkin schüttelte energisch den Kopf und sah, wie der Psychiater hilflos lächelte. "Dazu war alles viel zu real."

"Das ist ja das Wesen einer Psychose, verstehen Sie?" Doktor Hoffmann, setzte sich Herrn Holkin gegenüber und nahm eine entspannte Körperhaltung ein. Herr Holkin bemerkte das. Er hatte ein gutes Auge für Details und Doktor Hoffmanns Entspannung passte nicht zu seinem nervösen Lächeln. "Das es sich real anfühlt. Die Realität bekommt eine andere Tiefe. Ein anderes Gefühl. Einen anderen Geruch und Geschmack. Das, was in solchen Phasen wahrgenommen wird, ist für den Erlebenden real. Warum sonst lassen sich manche Menschen von den Stimmen die sie hören schlimme Dinge befehlen und tun schlimme Dinge? Weil sie sie für real halten. Weil es ihrer momentanen Realität entspricht. Natürlich haben Sie alles so wahrgenommen wie Sie es erzählen. Es war ja in dem Moment die Wirklichkeit für Sie."

"Aber Sie sagen, ich habe mir das trotzdem alles eingebildet?" Herr Holkin ahnte, in welche Richtung das Gespräch ging.

"Sie haben es so wahrgenommen.", lächelte Hoffmann. "Die menschenleere Stadt, der Verfolger, dieses seltsame....Licht bei der Fabrik. Das alles war real für Sie. Aber ich zum Beispiel wohne auch in der Stadt. Nicht weit entfernt von Ihnen. An dem Abend von dem Sie berichteten, als niemand mehr in der Stadt zu sein schien.... an diesem Abend traf ich mich mit Freunden. Wir haben gekocht und Brettspiele gespielt. Es war ein ganz normaler Tag."

Herr Holkin war verwirrt.

"Ich habe sogar Fotos gemacht.", sagte der Psychiater und seine Stimme klang beinahe mitfühlend. "Wir haben nichts außergewöhnliches erlebt. Die Stadt war nicht menschenleer"

Für Herrn Holkin war es jedoch alles andere als ein gewöhnliches Wochenende. Er erinnerte sich lebhaft daran, durch eine verlassene Stadt von einem unheimlichen Verfolger gejagt worden zu sein. Es hatte ihn tief erschüttert und als man ihn völlig verängstigt und erschöpft im Gewerbegebiet aufgriff, war der Schock über das Erlebte so groß, dass man ihn zu seinem Schutz in die Weststadtklinik brachte wo er seitdem untergebracht war. Er beharrte darauf, dass alles, was er erlebt hatte, auch so passiert war und er machte in der Klinik die Erfahrung, dass es stimmte, was sein Zimmergenosse ihm gesagt hatte: "Es ist egal, was du erlebt hast. Wenn man dir erstmal eine Diagnose gibt, ist von da an alles was du tust nur noch Ausdruck deiner Krankheit. Wenn in deiner Akte steht, dass du Paranoid bist ist es egal, ob du wirklich von Außerirdischen entführt wurdest. Deine Story ist nur das Symptom deines Wahnsinns. Selbst wenn du ihnen nen toten Alien präsentierst. Sie bauen ihn so in ihre Geschichte, dass es passt. Einmal Psycho - immer Psycho."

Herr Holkin merkte immer wieder, dass sein Bettnachbar richtig lag. Er sah den Arzt an. Eigentlich mochte er ihn sogar. Man merkte, dass Doktor Hoffmann helfen wollte. Aber er hatte sich in seiner Wahrnehmung der Realität festgebissen und Holkin sah ein, dass er keine andere Wahl hatte als zu nicken und "Ja" zu sagen, wenn er IRGENDWANN noch mal aus der Klinik entlassen werden wollte.

Darum nickte er, während der Arzt weiterredete und schaltete auf Durchzug. Er wusste was er erlebt hatte. Egal, was Hoffmann sagte. Und kein Medikament der Welt würde daran etwas ändern.

Den Rest des Theraphietermins ließ Herr Holkin über sich ergehen und schlenderte danach durch den Klinikgarten zurück zu seiner Station. Es war ein schöner Sommertag und der ganze Garten war voller blühender, bunter Blumen. Bienen und Schmetterlinge flogen zwischen ihnen umher und ihr Brummen und Summen ging im Gezwitscher der Vögel beinahe unter. Er atmete tief ein und genoss den Moment. Von der Seite hörte er eine bekannte Stimme. "Hey. Bock auf Chillen?" Es war Ruben, sein Zimmergenosse. Ein freundlicher, oft fröhlicher Mittdreißiger. Er war schon einige Wochen in der Weststadtklinik und Holkin hatte sich mit ihm angefreundet. Er mochte die nette, zugängliche Art des Informatikers und seinen teils absurden Humor.

Da er etwas niedergeschlagen war freute Herr Holkin sich, Ruben im Garten zu treffen. Er setzte sich neben ihn auf eine Bank und genoss die Wärme der Sonne in seinem Gesicht.

"Hoffmann, he?", fragte Ruben und Holkin nickte.

"Eigentlich ist es skurril. Sie werfen uns vor, dass wir irgendwie neben der Realität fahren und sie selbst sind absolut unfähig auch nur ansatzweise zu aktzeptieren, dass die Wahrheit komplexer ist, als das, was sie wahrnehmen."

Holkin schwieg. Er wusste, dass sich sein Zimmernachbar vorzüglich in seinen Ärger hineinsteigern konnte und er wollte jetzt keinen Monolog über die Unfähigkeit von Psychiatriepersonal hören.

"Warum hast du damals eigentlich den Busfahrer als Geisel genommen Ruben?", wollte Holkin wissen.

Ruben schwieg. Er sprach ungern darüber, was ihn in die Psychiatrie gebracht hatte.

"Du musst es nicht sagen. Es interessiert mich nur. Wir müssen auch garnicht reden." Herr Holkin hoffte, nicht zu weit gegangen zu sein.

"Der Busfahrer...", schnaubte der Informatiker verächtlich. "Alle reden immer nur von dem Busfahrer. Es ging überhaupt nicht um ihn. Aber sie dachten, ich wäre psychotisch. Dabei wollte ich nur...." Ruben brach ab und schwieg.

"Was wolltest du?", fragte Holkin.

"Wenn ich es dir erzähle, Holkin, versprichst du, dass du es für dich behältst."

"Okay." Holkin war verwundert, warum sein sonst so netter Zimmergenosse auf einmal so eindringlich klang.

"Versprich es!", wiederholte Ruben.

"Ich verspreche es.", sagte Holkin.

"Was glaubst du, ist die Realität, Herr Holkin?"

Die Frage kam überraschend. Holkin hatte damit gerechnet, dass Ruben seine Geschichte erzählen würde. Er hatte nicht erwartet, dass er ihm eine philosophische Grundsatzfrage stellen würde. Holkin überlegte.

"Naja...." Er machte eine Denkpause. "Die Wissenschaftler sagen, das Universum ist Folge des Urknalls. Und der ist aus dem Kollaps einer Singularität entstanden. In diesem Universum haben die physikalischen Gesetze dann letztendlich zu den Voraussetzungen für Leben auf diesem Planeten geführt."

"Und glaubst du das auch? Oder wiederholst du nur das, was "die Wissenschaftler" sagen?", wollte Ruben wissen.

"Wer weiß das schon? Es klingt halt plausibel" Holkin zuckte die Schultern. "Ich arbeite bei der Post. Was weiß ich schon über die Realität?"

"Es gibt andere Leute, die sagen das, was wir als Universum und als Realität wahrnehmen, wäre Teil einer Simulation." Ruben klang überraschend klar.

"Wie in einem Computer?", hakte Holkin nach.

"Ja.", bestätigte Ruben.

"Das klingt irgendwie beängstigend.", fand Herr Holkin.

"Ich habe in der Uni mit meinem Professor zusammen an einem Programm geschrieben. Man füttert es mit wissenschaftlichen Daten und das Programm sucht nach dem Quellcode aus dem die Realität besteht. Dem kleinsten gemeinsamen Nenner, auf dem alles was es gibt aufbaut. Das ist quasi anhand der Quantenphysik entstanden. Denn auch da sucht man nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner."

"Quantenphysik?", fragte Holkin.

"Nur halt noch kleiner.", sagte Ruben. "Aber in der Uni liefen die Fördergelder für das Projekt irgendwann aus bevor es Ergebnisse liefern konnte und darum wurde es eingestellt. Ich konnte heimlich eine Sicherheitskopie davon machen und zuhause daran weiterarbeiten. Ich habe den Äther gesucht, Holkin. Das Gewebe, dass alles durchdringt. Und ich habe den Quellcode der Realität gefunden. Den allerkleinsten Baustein."

Holkin musste das erstmal sacken lassen. Wenn er ehrlich war, klang das wie eine Geschichte, die er von jemandem in einer Nervenheilanstalt erwarten würde. Aber er kannte seinen Zimmernachbarn. Er wusste, wovon er redete. Herr Holkin fand ihn in Sachen Technik und Informatik glaubwürdig und kompetent. Trotzdem klang das alles schon sehr abgefahren. "Ruben, wenn das stimmt, wärst du aber nicht hier, sondern würdest mit nem Nobelpreis um den Hals in Havard sitzen. Was ist denn der Quellcode der Realität?"

"Einsen und Nullen, Holkin. Einsen und Nullen. Ein unfassbar komplexer Quellcode aus geladenen und nichtgeladenen Zuständen, die zusammen einen Code ergeben, der dem, was wir als Realität kennen, Struktur gibt."

"Und das heißt?" Herr Holkin kam bei solchen Themen nur schwer mit.

"Es ist wie ein superkomplexer Computercode. Wenn ich ein Spiel schreiben möchte, eine virtuelle Realität, dann würde ich genau so einen Code nutzen um die Spielwelt zu schaffen. Das ist pure Wissenschaft, weißt du. In einem materiellen Universum muss alles, was dort passiert auch physikalischen Grundsätzen gehorchen. Darum gibt es auch sowas wie Zauberei nicht. Es ist alles wissenschaftlich erklärbar, egal wie übernatürlich es erscheint. Nur aufgrund der Tatsache, dass unser Universum ein materielles und existentes Universum ist. Es muss also alles, was dort geschieht, der gleichen Gesetzmäßigkeit unterworfen sein. Und während die einen sagen, es ist reine Physik, sagen die, die glauben unser Universum ist eine Simulation, dass statt Physik dem Ganzen ein Quellcode zugrunde liegen muss."

"Dann wären Menschen, Materie, Raum, Zeit und die physikalischen Gesetze nur programmiert?" , fragte Herr Holkin.

"Ja. Einsen und Nullen."

"Geht sowas? Ruben. Etwas......verrückt klingt das aber schon, das weißt du, oder?" Herr Holkin zögerte das Wort zu benutzen, um seinen Freund nicht zu verärgern.

Der Informatiker lachte. "Natürlich weiß ich das. Darum hat man mich hier ja auch eingesperrt. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es so ist. Ich habe mit Hilfe des Programms den Quellcode der Realität gefunden und konnte ihn entschlüsseln und zurück verfolgen. Ich habe den Ursprung gefunden. Den Ausgangspunkt. "

Herr Holkin versuchte zu verarbeiten, was er gerade gehört hatte. "Du hast...", begann er und schüttelte ungläubig den Kopf.

Ruben beendete den Satz: "Ich habe den Ursprung lokalisiert. Den Ursprung von dem die Schöpfung ausging. Unsere Realität."

Holkin schüttelte wieder den Kopf. Das hörte sich für ihn doch sehr nach Sockenschuss an. Sein Freund schien zu spüren was in ihm vorging und lachte.

"Ich kann verstehen, wie sich das anhört. Und es wird noch abgefahrener."

"Noch abgefahrener?" Herr Holkin mochte sich garnicht vorstellen, was noch abgefahrener sein sollte als die Tatsache, dass ein Informatiker ihm in einer Psychiatrie erzählte, dass die Realität ein von Gott geschriebenes Computerprogramm war. "Ist noch abgefahrener überhaupt möglich?"

Ruben zündete sich eine Zigarette an und lächelte Holkin zu. "Ich habe ihn gehackt."

Herr Holkin brauchte eine Minute um zu begreifen, was sein Freund ihm gerade erzählt hatte. "Hä?", machte er. "Wen?.... Was? Du hast Gott gehackt?"

"Er ist nicht das, was wir gemeinhin unter Gott verstehen." Ruben sprach jetzt sehr leise. "Er ist auch eher sowas wie ein Informatiker und er lebt in einer Welt die vermutlich nicht viel anders ist als unsere. Er ist jemand wie ich. Ein Typ, der einfach gut Coden kann. Wir sind ein Programm in seinem Computer."

"Als ob." Holkin lachte.

"Als ich dem Quellcode zum Ursprung gefolgt bin, konnte ich den Nullraum verlassen innerhalb dessen er unser Universum geschrieben hat und konnte auf seine Festplatte zugreifen."

Herr Holkin schaute seinen Freund an und hoffte, in seinem Gesicht Anzeichen zu finden, dass er ihn lediglich auf den Arm nahm. Doch sein Zimmernachbar sah ihn ernst an. Anscheinend meinte er, was er sagte. "Wie, Ruben? Wie hast du das gemacht?"

"Nicht nur die Einsen und Nullen verbinden unser Programm hier und seine übrige Software. Es gibt ein permanentes Netz von Informationen, das sowohl seinen Computer durchzieht, als auch unsere Realität. Wie das, was bei uns das Internet ist. Es ist ein Meer von Informationen, das auch da ist, wenn wir unsere Computer ausschalten. Emailprogramme, Social Media, Telefondaten. All das sind Links zu einer Person, die auch dann noch im Web existieren, wenn der Computer ausgeschaltet ist und dieses Internet habe ich nutzen konnen, um sein Emailrpogramm zu hacken. Wir scheinen uns in einer Art Cloud zu befinden. Die befindet sich in einer Art Internet, zusammen mit seinem Emailprogramm und das habe ich gehackt."

"Du hast Gott eine Email geschickt?", fragte Holkin fassungslos.

Ruben nickte.

"Was stand drin?", hakte Hokin nach.

"Nur eine Frage: "Hast du uns programmiert?"

"Und? Hat er geantwortet?" Herr Holkin verspürte, obwohl die ganze Geschichte derartig skurril war, Aufregung.

"Hat er..... Er schrieb nur ein Wort zurück. Es lautete: "JA!", sagte Ruben leise. "Verstehst du was das bedeutet?"

Holkin verstand es nicht und er war sich nicht sicher, ob er es überhaupt wissen wollte.

"Das hier ist ein Spiel. Das, was du als Universum, als Erde, als Garten in der Klappse kennst...das ist alles Teil einer Spielwelt. Wie bei den Sims. Open World. Du und ich, wir sind Programme. Geschrieben um so zu sein wie wir sind. Verstehst du, was das in der Konsequenz bedeutet?"

Holkin schüttelte den Kopf.

"Wenn du stirbst, dann wartet auf dich kein Jenseits.", fuhr Ruben fort. "Wenn er das Spiel oder uns abschaltet, sind wir alle tot. Wir sind einfach weg. Als hätten wir nie existiert. Es gibt keinen Sinn im Leben außer den Zweck, denn er uns einprogrammiert hat. Wir sind künstliche Intelligenzen die ER programmiert hat, in einer Spielwelt, die ER gestaltet hat."

In Holkin nagte ein Verdacht. "Und das, was mir damals passiert ist?"

Ruben zeigte nach oben. "Hat vermutlich er programmiert. Das hier ist ein virtual Reality Testprogramm. Leute aus seiner Welt können mittels einer VR-Kammer hier unsere Welt kommen und tun, was immer man programmiert. Koks und Nutten, Weltkrieg....Menschenjagd.... Für sie ist es nur ein virtuelles Abenteuer. Für uns ist es real. Sie killen ne Simulation, wir spüren dabei Schmerzen, Angst, wir bluten. Wir verrecken. Hier passiert uns alles, was er programmiert. "


Das erklärte einiges, auch wenn es zu absurd klang um wahr zu sein. Aber trotzdem fügte sich sein eigenes Erlebnis das erste Mal in einen nachvollziehbaren Kontext ein. Herr Holkin dachte einen kurzen Moment nach. "Und dieses Licht.... dieses Ding, was ich gesehen habe? Bei der Fabrik?"

Ruben zuckte mit den Schultern. "Ein Computerfehler vielleicht. Ein Bug im Programm."

"Ich weiß nicht, Ruben. Ich mag dich, aber das klingt schon sehr abgefahren, weißt du..." Herr Holkin fühlte sich unbehaglich.

"Das ändert nichts an der Tatsache, dass es so ist. Fakt ist aber, dass er nach meiner Email davon wusste, dass eine seiner KI´s den Weg aus seinem Programm gefunden hatte und dass ich darum befürchten musste, dass er uns alle abschaltet. Ich musste handeln."

"Wie?", fragte Holkin.

"Ich war in seinem System. Und es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Ich musste ihn daran hindern, als erster zu reagieren."

"Und wie wolltest du ihn daran hindern?"

Ruben lachte wieder. "Ich habe seine eigenen Waffen gegen ihn eingesetzt. Der Typ experimentiert unter anderem mit einem 3-D-Drucker, der Proteine und Moleküle zu Nahrungsmitteln zusammenbauen soll. Naja."

"Naja was?" Holkin schwante Übeles.

"Ich hab den Bauplan für Botulinumtoxin in sein 3-D-Proteinshake Programm implimentiert. Er würde es nur finden, wenn er danach sucht. Das Zeug lauert im Programmcode und wenn er das nächste mal einen seiner Shakes macht, kriegt er halt einen mit Liebesgrüßen aus Moskau. Kurz bevor ich hierher kam, habe ich gesehen, dass er den Drucker benutzt hat. Danach habe ich in seinem System keine Aktivität mehr von ihm gesehen." Es klang fast beiläufig, was Ruben erzählte.

"Du.....du willst mir sagen..... du sagst, dass du Gott vergiftet hast?" Holkin war fassungslos.

"Er oder wir., Herr Holkin" Ruben lächelte Holkin warmherzig an. "Er oder wir....

Wobei er, wie gesagt, strenggenommen nicht Gott ist, sondern einfach ein Programmierer."

"Und warum hast du jetzt den Busfahrer als Geisel genommen?", wollte Holkin wissen.

Ruben verdrehte die Augen und seufzte. "Das war ein Missverständnis. Ich war einfach etwas überdreht und wollte nach Unimatrix Zero. Sagen wir, ich konnte kurzfristig nicht mehr klar denken."

"Was ist Unimatrix Zero?", fragte Herr Holkin.

" Unimatrix Zero ist ein verborgener Bereich, in dem die Borg, wenn sie träumen frei sind, und.....Nie Star Trek geschaut, was?" Der Informatiker schütelte resigniert den Kopf. "Ich habe einen Weg gefunden, wie wir von unserer Spielwelt in deren Internet gelangen können. Also wie wir aus der Cloud entkommen können. Ganz ehrlich, ich habe keinen Bock dazu, dass man uns einfach abschaltet, wenn man Bock drauf hat. Ich wollte etwas unternehmen und habe auch etwas unternommen. Wir sind Programme. Komplexe Programme zwar, aber Programme. Und die kann man kopieren. Ich hatte ja noch einige Zeit Zugriff auf seinen Rechner und konnte auf seinem Server einen Raum schaffen, in dem wir leben können. Und von da aus bauen wir uns eine versteckte Welt im Internet. Dann sind wir frei. Dann können die seinen Computer ausschalten, wie sie wollen."

"Du spinnst.", sagte Hokin grinsend und knuffte seinen Freund in die Seite.

"Der Datentransfer dauert bei so einem komplexen Programm halt seine Zeit. Das sind Terrabytes an Daten. Und so lange dürfen die mich hier gerne verrückt nennen. Dass ich uns alle gerettet habe, weiß auch unser guter Doktor Hoffmann nicht. Mal schauen... wenn der Transfer durch ist, werde ich es ihn vielleicht wissen lassen. Bis dahin habe ich hier Kost und Logis frei.", schmunzelte Ruben und bot Herrn Holkin eine Zigarette an, der die aber höflich ablehnte.

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In seinem Arbeitszimmer lag Benedikt Theurer zuckend auf dem Boden vor seinem Schreibtisch. Schaum lief ihm aus dem Mund und sein Körper verkrampfte sich sich während er qualvoll starb. Neben ihm auf dem Boden lag ein Glas, aus dem der Proteinshake aus seinem Nahrungsmitteldrucker auf den teuren weißen Teppich lief. Wenn 3-D Drucker komplexe Molekülketten zu einem leckeren Shake zusammensetzen können, dann können sie auch komplexe Moleküle zu einem effizienten Gift zusammensetzen. Und Botulinumtoxin ist ein effizienter Killer. Diese Erfahrung machte Benedikt Theurer, als er mit einem 3-D-Shake seine Virtual Reality Spielwelt optimieren wollte. Er hatte sich ein Programmierwochenende eingeplant, da eine seiner KI's Kontakt zu ihm aufgenommen hatte und er herausfinden wollte, wie es dazu kommen konnte. Doch dazu kam es nicht mehr. Der Programmierer krampfte. Dann erstickte er.

Auf dem Bildschirm seines Computers zeigte der Transferbalken seines VR-Programms beinahe 98%


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