Deutsches Creepypasta Wiki
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Ich öffne die Augen. Es herscht Stille. Was habe ich erwartet? Dieser Zustand zeigte sich äußerst langlebig, somit bin ich nicht überrascht, mitten ins Nichts zu schauen. Das Sterben der Zeit ist schon lange her, mit ihr ist jedoch auch meine Hoffnung, auf Leben zu treffen, verschwunden. Wobei 'Leben' wahrscheinlich nicht der richtige Begriff dafür ist, allerdings weiß ich keinen Passenderen. Ich erinnere mich kaum noch daran, wie es vor dem Unfall gewesen war.

Wenn ich über die Vergangenheit nachdenke, schießen mir Momentaufnahmen von einer lebendigen Umwelt, sowie Zivilisation ins Bewusstsein. Seit die Sonne vom Horizont verschwunden ist, herrscht trügerische Dunkelheit, während sich die Temperaturen an die Gegebenheiten angepasst haben. Sie befanden sich weit unter dem Gefrierpunkt, was meines Wissens ein Leben unmöglich macht.

Aber was sind schon Fakten, wenn sie nicht mehr mit den Bedingungen übersteinstimmen, an die man gebunden ist? Es waren inzwischen sowieso nur noch beinahe zur Gänze verblasste Impressionen, die sich in Unwirklichkeit verloren. Gerade taucht die Frage in meinem Kopf auf, wann ich zuletzt etwas gegessen habe. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich eines Grundbefürfnisses beraubt sehe. Allmählich sickert dieses Gefühl lähmender Einsamkeit aus meinem Unterbewusstsein.

Bisher hatte ich mir beim Verdrängen nicht schwer getan. Schließlich kenne ich diese Last, die sich auf meinen gesamten Körper legt noch aus der Zeit, als alles noch den Regeln meiner Auffassung der erträglichen Normalität folgte. Ich hatte meinesgleichen nie gemocht, katapultierte mich in meiner Phantasie immer wieder an einen Ort, in dem es nur mich gab, wo der Lauf der Dinge meinen Wünschen folgte. Im Nachhinein war der Wille danach ein reines Hirngespinst. Er hatte mich zu einer Tat verleitet, die ich über alle Maßen bereue.

Müdigkeit ergreift von mir Besitz. Wie lange bin ich wohl herumgeirrt? Plötzlich weicht der Boden unter meinen Füßen blanker Luft. So stürze ich in scheinbar unendliche Tiefe. Ich spüre das kratzende Vibrieren meines Halses, welches durch mein Schreien ausgelöst wird, höre aber keinen Laut. Jeden Moment würde ich aufschlagen; auch wenn ich das weiß, lässt mich die Hoffnung, weich zu landen, nicht los. Unbekannte Zeit später stelle ich irritiert fest, dass meine Physis irgendwo liegt. Ich muss das Bewusstsein verloren haben. Mein Oberteil klebt an meinem Rücken und meine Hände befinden sich in einer feuchten, lauwarmen Substanz. Während sich die vorhandenen Reize ihren Weg zurück in meine Aufmerksamkeit kämpfen, versinke ich in einer Art Paralyse.

Eine Präsenz nähert sich. Ich kann zwar noch nicht vollständig auf meine übrig gebliebenen Sinne zugreifen, spüre jedoch überdeutlich, wie etwas auf mich zu kommt. Da ich davon ausgegangen bin, dass es keine weiteren Überlebenden gibt, steigt in mir eine Mischung aus Verwirrung und Panik empor. Der Versuch aufzustehen - welcher kläglich scheitert - trägt nicht gerade zu meiner Beruhigung bei. Auch die Wiederholung des Vorgangs führt ins Leere. Beinahe zur Neige entkräftet entschließe ich mich, den finalen Versuch zu unternehmen. Doch bevor ich registrieren kann, wie mir geschieht, spüre ich einen unausprechlichen Schmerz. Wenige Sekunden später verliere ich zum letzten Mal das Bewusstsein.

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